Melanie Huml strahlt trotz leichten Regens auf der Wiese unterhalb der Bamberger Altenburg. Sie erzählt, wie sie darauf bestanden hatte, hier an ihrem Lieblingsort im Jahr 2005 ihre Hochzeitsfotos zu machen - trotz Regens. Während sie mit ruhiger Stimme spricht, gestikuliert sie stark, streicht immer wieder an ihrer Halskette entlang und durch ihre Haare.

Wenn ihr Mann Markus Huml damals nicht Jura studiert hätte, wäre sie vielleicht im schweizerischen St. Gallen geblieben, wo sie als Medizinstudentin arbeitete, erzählt die bayerische Gesundheitsministerin, CSU-Direktkandidaten für den Stimmkreis 402 Bamberg-Stadt und Mutter zweier Söhne (3 und 6 Jahre alt). In St. Gallen habe ihr neben der schönen Region besonders das Arbeitsklima gefallen: Die Kollegen achteten mehr aufeinander. "Obwohl Bamberg natürlich nicht zu toppen ist", fügt die 43-Jährige hinzu, die in Hallstadt aufwuchs. Hier müsse man die Menschen erst erobern, "aber wenn man sie dann einmal an seiner Seite hat, sind sie verlässlich und treu".

Außerdem gebe es hier viele Möglichkeiten. Von Kindergärten, Schulen, Ausbildung und Uni bis hin zur Freizeit, die sie gern mit ihrer Familie verbringe. Dazu gehörten Radtouren, Waldausflüge und gemeinsames Genießen von Theaterstücken, Filmen und Musik.

Zwar habe sie viel zu tun, "aber ich kann auch abschalten", erzählt Huml. Da lasse sie dann auch mal das Handy klingeln. So habe sie im Jahr 2011 fast einen Anruf von Horst Seehofer verpasst, der sie fragen wollte, ob sie Ministerin werden will. "Nur weil meinen Mann das Klingeln genervt hat, bin ich rangegangen." Karriere und Familie halte sie für vereinbar, "wenn man sich bewusst Zeit für die Familie nimmt." Etwa zum "Mozart für Kinder" anhören. "Als wir dann an einem Straßenmusiker vorbeikamen, hat mein Älterer gesagt ,Das ist Mozart.' Cool, oder?", sagt Huml und grinst stolz. Aber ihre Kinder seien nicht "hochvergeistigt", spielten auch gerne mit Ninja-Figuren. Huml selbst höre am liebsten Brian Adams und lese sowohl Biografien über Politiker als auch "kitschige wie die von Kaiserin Sissi".

Gegen den Fachkräftemangel in der Pflege vorzugehen, sieht sie als eines der wichtigsten Wahlkampfthemen. Sie setze sich zum Beispiel massiv für Tariflöhne ein. "Die Pflege wertschätzen heißt auch, dass sie uns etwas wert sein muss", so Huml. Auch die Gesellschaft müsse den Beruf mehr wertschätzen. Huml habe aber bereits viel angestoßen, überhaupt gehe es Bayern gut. "Als ich 2003 im Landtag angefangen habe, mussten wir einen Sparhaushalt hinlegen, etwa Geld für Jugendheime kürzen, das war kein Spaß", erzählt sie. Doch seitdem habe der Freistaat keine weiteren Schulden mehr aufgenommen und könne nun Geld ausgeben.

Aber wenn es so gut läuft, warum hat die CSU dann so viele Stimmen verloren? Viele Errungenschaften würden als selbstverständlich hingenommen, meint Huml. Außerdem sei Manches falsch kommuniziert worden. "Wir Bayern sind Spitzenreiter" habe diejenigen enttäuscht, die nicht zu den Spitzenreitern gehörten. Dass die CSU die absolute Mehrheit verliert, findet Huml schade: "Bisher konnten wir etwa eine Firmenansiedlung auch mal schneller durchbringen und mussten keine fünf anderen Parteien fragen."