Strullendorf
Forschung

Zwei Steine lassen ihnen keine Ruhe

Im Hauptsmoorwald suchen der Bamberger Kilian Mantel und Erich Sauer aus Strullendorf verschollene Flurdenkmäler.
Im Hauptsmoorwald stehen etliche Flurdenkmäler, wissen die Hobby-Steinkreuzforscher Kilian Mantel und Erich Sauer (rechts), hier vermessen sie einen Kreuzstein nahe des Gedenksteins für Oberjägermeister Heinrich Carl von Schaumberg. Jeder Stein hat seine Geschichte. Foto: Ronald Rinklef
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Der Hauptsmoorwald ist ein gefährliches "Pflaster". Rudolf von Pölnitz, Regimentsadjutant Oskar Schäfer und Oberleutnant Edgar Lautenschlager wurden hier dahingerafft. Durch Unfälle beim Reiten. Das wissen Kilian Mantel und Erich Sauer ganz genau. "Bei Lautenschlager war es besonders tragisch", sagt Mantel mit spürbarer Empathie. "Auf seinem Abschiedsritt ist Lautenschlager verunglückt." Das war am 31. Juli 1931. Warum der Bamberger das so genau weiß - weil er jede Menge Fotos und Artikel zusammengetragen hat. Mantel und Sauer sind begeisterte Hobby-Flurdenkmalforscher, die Verunglückten schon viele Jahrzehnte tot. Aber jedem dieser Unfallopfer war ein Gedenkstein gewidmet. Nur Lautenschlagers ist verschollen. Ebenso wie der "Krätzige Ruhstein", merkt Sauer an. Das treibt die beiden Ruheständler um.

Sinnvolle Beschäftigung


Erst im Ruhestand haben der nun 77-jährige Kilian Mantel aus Bamberg und der zwölf Jahre jüngere Erich Sauer aus Strullendorf zu dem gemeinsamen Hobby gefunden. "Irgendetwas Sinnvolles braucht man ja", sagt Sauer dazu. Ihrer Heimat fühlen sich die beiden Franken schon lange verbunden. Über ein Buchpräsent kam Mantel zu seinem Hobby, übers Internet war es bei Sauer der Fall.

Die Flurdenkmalforschung lässt die beiden Herren einfach nicht mehr los. Sie schmökern in Archiven und Fachliteratur, studieren Akten und Kartenmaterial, um sich dann selbst auf die Suche nach den Steinen zu machen, von denen jeder seine Geschichte hat. Die Geschichte der Steindenkmäler selbst reicht weit zurück. Ein komplexes Feld, zeigen die Schilderungen der Herren. Sie beleuchten schlaglichthaft Details. Wie das mit den Sühnesteinen. Bis die Bamberger Halsgerichtsordnung 1507 erlassen wurde, die unter anderem regelte, wie Verbrechen zu ahnden waren, gab es Sühneverträge, die etwa bei Totschlag griffen.

Dazu gehörte es, dass der Täter neben vielem anderem für sein Opfer auch einen Sühnestein beschaffen und an der Stelle des Verbrechens aufstellen musste. Inschriften oder Symbole wiesen auf die Tat hin. Manchmal wurden Sühnesteine auch an Wegen aufgestellt mit dem Hinweis, Vorüberziehende mögen für den Toten beten, weil der ja ohne die fürs Seelenheil nötigen Sakramente aus dem Leben geschieden war.

Flurdenkmäler sind aber auch Grenzsteine, Steinkreuze, Bildstöcke, Steinkreuze oder Kreuzsteine. Sie markieren Grenzen, bezeugen den Glauben des Stifters, mahnen zum Gebet oder machen auf ein besonderes Ereignis aufmerksam. "Jedes Flurdenkmal hat seine eigene Geschichte", betont Kilian Mantel, Erich Sauer nickt heftig zur Bestätigung. Freilich lässt sich nicht jede Geschichte zweifelsfrei belegen. Wo schriftliche Quellen fehlen, muss man sich auf Überlieferungen verlassen und es gibt auch viele Sagen.

72 solcher Flurdenkmäler hat Mantel in der Region Bamberg für sich selbst mit genauer Position dokumentiert. Es gebe aber weitaus mehr. Mantel und Sauer haben jeweils ein Flurdenkmal entdeckt beziehungsweise nach alten Aufzeichnungen gezielt gesucht: Mantel bei Lauf (Gemeinde Zapfendorf) und Sauer bei Ebing (Gemeinde Rattelsdorf). Die beiden Ruheständler gehören der Deutschen Steinkreuzforschung, einer Gesellschaft zur Pflege der Heimatkunde, Erforschung und Erhaltung der Flurdenkmäler an. Die Funde der Ruheständler wurden jeweils gesichert und hergerichtet, so dass sie heute wieder erlebbar sind. Das gehöre einfach zur Heimat und der Erhalt dieser Zeitzeugnisse sei für die Nachwelt wichtig, finden Mantel und Sauer. Deswegen ist ihnen daran gelegen, den "Krätzigen Ruhstein" und Lautenschlagers (mannshohen) Gedenkstein, der sich irgendwo zwischen Memmelsdorfer Straße und Golfplatz beziehungsweise der Firma Greiff befinden müsste, aufzustöbern. Den "Krätzigen Ruhstein" wiederum vermuten die beiden "irgendwo in der Muna".

Am Stein ausgeruht


Die Bezeichnung des am Rennsteigweg (der Verbindung zwischen Bamberg und Roßdorf) zuletzt Ende der 50er Jahre nachgewiesenen Steins ist auf Krätzen, also Tragekörbe, in den Holz und Reisig im Wald gesammelt wurde, zurückzuführen. Deren Träger ruhten sich, an den Stein gelehnt, aus, erklären die Herren. Eine Besonderheit stellt der Stein deswegen dar, weil eine komplette Kreuzigungsgruppe dargestellt ist. Der Kreuzstein ist einen Meter hoch, 80 Zentimeter breit und 30 Zentimeter tief - und trotz dieser Maße offenbar schwer zu finden. Er befindet sich irgendwo in der Muna, grob zwischen Geisfelder Straße und der Armeestraße.

Mantel und Sauer möchten nun gerne wissen, ob irgendjemand diesen Flurstein vielleicht in jüngerer Zeit gesehen hat, oder weiß, was mit ihm geschehen ist. Das gleiche gilt übrigens auch für Lautenschlagers Gedenkstein.
Erich Sauer ist unter der Telefonnummer 09543/850992 und Kilian Mantel unter 0951/58137 zu erreichen.
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