Es sind schon zwei seltene Heilige, die das Patrozinium der Trunstadter Kirche bilden: St. Marcellinus und Petrus. Nur wenige Kirchen in Deutschland tragen den Namen der beiden frühchristlichen Märtyrer, die während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian um das Jahr 300 in Rom zu Tode kamen. Vor 300 Jahren, am 13. August 1713, wurde das Gotteshaus in Trunstadt den Märtyrerheiligen geweiht.

Nicht das einzige Jubiläum, das die katholische Kirchengemeinde in diesem Jahr zu feiern gedenkt. 1238 wurde erstmals eine Pfarrei für Trunstadt bezeugt. Auch diese 775 Jahre wollen Heimatpfleger Bruno Kunzmann und seine Frau Inge, die alle verfügbaren Informationen zusammengetragen und für eine Ausstellung im Schloss Trunstadt aufbereitet haben, nicht unerwähnt lassen.

Das große Jubiläum sind jedoch die 1000 Jahre, für die ein Gotteshaus in Trunstadt beurkundet ist. Die sogenannte Heinrichsurkunde vom 21.
Juni 1013 - ein Tauschbrief zwischen den Hochstiften Würzburg und Bamberg - regelte, dass die Kapellen zu Trunstadt und Bischberg nicht dem neu gegründeten Bamberger Bistum zugeschlagen wurden.

Und so blieb Trunstadt bis 1810 beim Bistum Würzburg, wurde die bereits 1698 fertiggestellte neue Kirche 15 Jahre später vom Würzburger Weihbischof Johan Bernhard Mayer auf Marcellinus und Petrus geweiht. So wie auch schon ihr Vorgängerbau, wie älteste Schrifstücke aus dem Pfarrarchiv, die um 1620 datieren, belegen.

Doch warum dieses seltene Patrozinium? Auch hier hat Bruno Kunzmann nachgeforscht. Und das Ergebnis deutet darauf hin, dass der Bezug zu den beiden Märtyrern weit älter ist, ja sogar über die 1000 Jahre hinausreicht, bis in die Zeit der Ersterwähnung Trunstadts im Jahr 793 - das damit der älteste beurkundete Ort im Landkreis Bamberg ist.

Die Spur führt ins hessische Seligenstadt, wo die sogenannte Einhard-Basilika ebenfalls St. Marcellinus und Petrus geweiht ist. Einhard, Biograph Karls des Großen, hatte hier 834 ein Benediktinerkloster errichtet und mit aus Rom auf zwielichtige Weise erworbenen Reliquien der beiden frühchristlichen Märtyrer ausgestattet. Und Einhard soll ein naher Verwandter des Ende des 8. Jahrhunderts in Trunstadt nachweisbaren Grundherrn Egilolf gewesen sein. Ein Drittel seiner Besitztümer in Trunstadt in der "Terra Slavorum", dem "Land der Slaven" vermachte er zur Zeit der Äbte Sturmi und Baugolf (776 bis 796) dem Kloster Fulda.

Würzburgisch bis 1810

Gut möglich, dass die Burgherren in Trunstadt also schon vor weit mehr als 1000 Jahren eine Kapelle oder Kirche stifteten. Und möglicherweise war schon diese den Märtyrerheiligen gewidmet. Doch belegt ist ein Gotteshaus im Land der Slaven zwischen Regnitz, Main und Steigerwald - dort wo die Moiwindidi und Radanzwindidi siedelten - nur für Hallstadt, dessen Pfarrei vor 1000 Jahren zum Bistum Bamberg kam, während die Kapelle in Trunstadt ebenso wie die in Bischberg weiterhin zum Bistum Würzburg gehörten.

Und Trunstadt blieb würzburgisch bis ins Jahr 1810. Eine "neue Pfarrei" ist dann 1238 belegt, die zur Zeit ihrer größten Ausdehnung auch die Christen in Oberhaid, Unterhaid, Stückbrunn, Weiher, Tütschengereuth, Viereth, Staffelbach, Lembach, Roßstadt und Dippach umfasste. Aus der ursprünglichen Kapelle muss schon in jener Zeit eine richtige Kirche geworden sein. Das zeigt auch die älteste kartographische Darstellung Trunstadts auf der Cent-Hoheneich-Karte des Würzburger Hofmalers Martin Seger aus dem 16. Jahrhundert. Sie muss wohl schon ungefähr an der Stelle gestanden haben, wo gut 100 Jahre später mit dem Bau einer neuen Kirche begonnen wurde. Jene Kirche St. Marcellinus und Petrus, deren Weihe sich heuer zum 300. Mal jährt.

Ausstellung im Schloss

Lange Zeit lag das Datum im Dunkeln, berichtet Heimatpfleger Kunzmann. Schließlich seien sogar Zweifel laut geworden, ob das Gotteshaus überhaupt eine kirchliche Weihe erhalten habe. Laut Kunzmann brachte um die Jahrtausendwende der damalige Leiter des Würzburger Diözesan archivs, Erik Soder von Güldenstubbe, die Trunstadter auf die richtige Fährte: im Hochaltar müsse sich eine Schatulle befinden, die eine Weihe belege. Und so seien, sagt Kunzmann, schließlich am 1. Juli Kirchenpfleger Lothar Schmitt und Pfarrer Georg Lohneiß zu Tat geschritten und hätten, nachdem sie den Altartisch vorsichtig öffneten, das Beweisstück samt Urkunde, die den 13. August 1713 als Datum der Weihe durch den Würzburger Weihbischof Johann Bernhard Mayer bezeugt, gefunden.

All diese Informationen und vieles mehr hat Bruno Kunzmann für die Ausstellung "1000-jährigen kirchengeschichtlichen Reichtum bewahren" zusammengetragen. Sie wird am Freitag im Schloss eröffnet. Zuvor hält um 19 Uhr Bistumshistorikers Erik Soder von Güldenstubbe aus Würzburg einen Vortrag der Kirche.

Der Sonntag startet um 9.45 Uhr mit der Kirchenparade. Um 10 Uhr beginnt das Pontifikalamt mit Erzbischof Ludwig Schick. Anschließend Pfarrfest mit Mittagessen, Kaffee und Kuchen, Möglichkeit zur Besichtigung der Ausstellung.