Michelle Hatzold ist nicht anders als die meisten anderen Teenager in ihren Alter. Sie geht gern auf Partys, hört Musik und verbringt ihre Freizeit am liebsten mit Freunden und Freundinnen. Aber sie übernimmt auch Verantwortung für sich und andere, ist Klassensprecherin und Schulsprecherin der Mittelschule in Baunach.
"Ich verlasse die Mittelschule Baunach mit ein bisschen Wehmut im Herzen - ich freue mich aber auch auf einen neuen Lebensabschnitt, den Eintritt in die Berufswelt", beschreibt Michelle Hatzold ihre Gefühle am Ende einer vierjährigen Schullaufbahn an der Mittelschule Baunach.

Sie ist eine von 42 Schülerinnen und Schülern, die heute mit dem Mittleren Bildungsabschluss aus der Mittelschule Baunach entlassen werden. Abschied nehmen heißt es auch für 21 Hauptschüler, von denen neun einen qualifizierten Hauptschulabschluss erreicht haben.

Die 16-jährige wohnt in Zückshut. Bis zur sechsten Klasse war sie in der Hauptschule in Breitengüßbach. "Man sollte seinen eigenen Weg gehen", beantwortet sie die Frage, warum sie nicht ein Gymnasium besucht. Mit den älteren Brüdern Marco und Marcel, die ebenfalls ihre Abschlüsse an der Baunacher Mittelschule machten und nun schon Industriemechaniker und in der Umschulung sind, hat sie gute Vorbilder.

Für Michelle ist die berufliche Zukunft schon geklärt: "Ich werde medizinisch-technische Fachangestellte in einer Praxisgemeinschaft in Scheßlitz." Bewerbungen hat sie nicht schreiben müssen, die Kontakte zum neuen Arbeitgeber entstanden über eine Breitengüßbacher Ärztin, wo Michelle ein Praktikum absolvierte. "Mir hat diese Arbeit von Anfang an gut gefallen und der Kontakt zu anderen Menschen macht mir viel Spaß."
Diesen Weg findet auch Klassenlehrer Georg Schmidt gut. Er empfiehlt vielen Schülern, erst mal eine Ausbildung zu absolvieren. Danach stünden den jungen Erwachsenen, die dann ja auch drei Jahre reifer seien, immer noch alle Möglichkeiten wie Berufsoberschule oder sogar ein Studium offen, sagt er.

Auch Michelles Mitschüler hatten wenig Probleme, den weiteren Lebensweg in die richtige Bahn zu lenken. Viele beginnen ebenfalls eine Ausbildung. Ehemalige Baunacher Mittelschüler findet man bald als angehende Erzieherinnen, als MTA, in Handwerksbetrieben, in einem Freiwilligen Sozialen Jahr, an der Fachoberschule oder auch in der Einführungsklasse des Bamberger Kaiser-Heinrich-Gymnasiums, um dort direkt das Abitur anzustreben.
Für Michelle Hatzold waren die vier Jahre in Baunach eigentlich rundum positiv. "Unsere Abschlussklasse wurde zwar im letzten Jahr neu zusammengesetzt, doch wir haben uns schnell zusammengerauft und hatten eine super Klassengemeinschaft."

Dass die Götter vor den Erfolg auch den Schweiß gesetzt haben, musste auch Michelle erfahren. "Wir mussten viel lernen, bei den mündlichen und schriftlichen Prüfungen war ich ganz schön aufgeregt und vor allem in Mathematik bin ich schon mal an meine Grenzen gestoßen", blickt das Mädchen auf die stressige Prüfungszeit zurück. Hilfreich war hier, dass sie im letzten Jahr schon erfolgreich den qualifizierenden Hauptschulabschluss erreichte und so das Ganze etwas gelassener sah. Lohn aller Mühen war ein gutes Abschlusszeugnis und der Ausbildungsplatz ganz nach Wunsch. Zur Berufsfindung trugen auch insgesamt fünf Wochen Praktikum bei. Doch nicht nur Büffeln war in den letzten Jahren angesagt, Höhepunkte waren auch die Abschlussfahrt an den Gardasee, eine Klassenfahrt nach Berchtesgaden oder ein Trainingsbesuch bei den Brose Baskets. Als wohltuend empfand Michelle das Klima an ihrer Schule: "Unsere Lehrer waren eigentlich immer für uns da und wir hatten fast ein partnerschaftliches Verhältnis", sieht sie ihre schulische Vergangenheit in positivem Licht.
Dies freut auch Schulleiter Albert Knoblach und Klassenlehrer Georg Schmidt, die die Tatsache, dass alle Schüler bestanden haben, auch auf das Klassenlehrerprinzip, den breiten Raum für Praktika und den ländlich geprägten Einzugsbereich der Schule zurückführen.

Wirtschaft war Lieblingsfach


Wirtschaft war das Lieblingsfach der 16-jährigen Zücks huterin und ihre guten Kenntnisse in Word, Exel oder bei Powerpoint-Präsentationen werden sicherlich auch in der Ausbildung gute Dienste leisten. Dass ihre persönlichen Eigenschaften und ihr Auftreten auch bei Mitschülern gut ankamen, zeigte ihre Wahl zuerst zur Klassensprecherin und dann zur Schulsprecherin. Neben der Arbeit in der Schülermitverwaltung übernahm Michelle auch gerne Verantwortung in den Pausen für die im selben Schulhaus beheimateten Grundschüler.
"So ein Amt bringt einen auch persönlich weiter, man wird selbstbewusster, lernt, im Team zu arbeiten, und erwirbt soziale Kompetenzen", findet die Schulsprecherin, die heute aus dem Amt scheidet.
Kontakt halten wollen die Abschlussschüler auch nach der Entlassung. "Wir haben schon eine private Abschlussparty geplant", verrät Michelle.