Was genau am späten Vormittag des 14. Oktober 2011 vorgefallen ist, bleibt zwischen einem 55-jährigen Stegauracher und einer 27-jährigen Postzustellerin strittig. Sie wollte ein Paket per Nachnahme loswerden, er konnte nicht bar bezahlen. Daraus entbrannte wenigstens ein Wortwechsel, vielleicht packte der Kunde die Frau auch nicht nur verbal hart an.

"Irgend etwas muss gewesen sein!" Das schloss gestern Amtsrichterin Margit Hock-Schmitt aus der Tatsache, dass der Mann einen Strafbefehl akzeptiert hat und seither wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Nötigung und Beleidigung vorbestraft ist. Er habe dem Strafbefehl über 2200 Euro zugestimmt, weil es keine Zeugen gab und er daher einen Widerspruch für erfolglos hielt, sagte der Stegauracher. Ein Schuldeingeständnis sei das nicht.
Dass der Vorfall von vor fast einem Jahr jetzt doch in einer öffentlichen Verhandlung zur Sprache kam, lag an dem Schmerzensgeld, das die Zustellerin noch von dem Kunden haben wollte. Statt der von ihr geforderten 1500 Euro kamen in der Güteverhandlung 750 Euro heraus. Ihr Rechtsanwalt hätte gern einen höheren Betrag erreicht, weil seine Mandantin die Kosten des Rechtsstreits selbst bezahlen muss. Der Arbeitgeber komme dafür leider nicht auf, bedauerte er; obwohl sie quasi eine Art Arbeitsunfall gehabt habe.

Zusteller haben einen nicht ungefährlichen Beruf. Das weiß man aus den Medien. Der klassische Hundebiss in Postboten-Waden sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Auch mit Kunden, die schnell aufbrausen, haben sie es wohl gar nicht so selten zu tun. Das berichteten am Rand der Güteverhandlung Kollegen der Klägerin dem FT. Demnach ist es keineswegs Einzelfall, was der 27-Jährigen widerfahren ist.

Hinauskomplimentiert


Nach ihrer Schilderung sollte sie gegen Barzahlung ein Paket für die Frau des Stegau rachers zustellen. Der Ehemann wollte es annehmen, hatte die 139,37 Euro Nachnahme aber nicht zu Hause. Weil er sich auf keinen ihrer Lösungsvorschläge, beispielsweise in 30 Minuten wiederzukommen, eingelassen habe, wollte sie die unbezahlte Sendung wieder mitnehmen: "Ich habe für meinen Job gekämpft!" Doch er habe sie "nur runtergemacht" . Am Ende soll der Kunde sie schmerzhaft fest am Arm gepackt und des Hauses verwiesen haben.

Der Mann sagt, er habe die junge Frau "nicht angelangt". Er glaubt, sie könnte sich die Schmerzen am Arm zugezogen haben, als sie beim Gehen an eine mannsgroße Figur im Garten gestoßen sei. Dass er sie, wie auch immer, hinauskomplimentiert hat, streitet der 55-Jährige nicht ab. Als Grund gab er an, dass das Telefon klingelte und er die Haustür für die Dauer des Telefonats schließen wollte, weil sich mehrere Hunde im Haus aufhielten. Seine Äußerungen vor der Zivilrichterin ließen aber auch erkennen, dass er bzw. seine Frau aus geschäftlichen Gründen schon dringend auf das Paket gewartet hatten, seine Nerven vielleicht deshalb über Gebühr angespannt waren.

Margit Hock-Schmitt musste dem Sachverhalt nicht auf den Grund gehen, weil sich die Anwälte in einer Verhandlungspause auf die 750 Euro Schmerzensgeld geeinigt haben. Eine von der Richterin empfohlene Entschuldigung an die 27-Jährige brachte der Mann im Gerichtssaal aber nicht übe