Landkreis Bamberg
Franken-Debatte

Zum Freistaat keine Alternative

Die Junge Union Bamberg-Land diskutierte mit Bezirksheimatpfleger Günter Dippold die fränkisch-altbayrischen Beziehungen. Die "Erfolgsgeschichte" soll weitergehen.
Vor zuviel Frankentümelei warnte Dippold ebenso wie vor zuviel Unterwürfigkeit. Foto: bu / Archiv
Der über 200 Jahre währende gemeinsame Weg von Bayern und Franken ist nach Ansicht der Jungen Union Bamberg-Land durchaus eine Erfolgsgeschichte. "Die Perspektiven für die Zukunft müssen aber immer wieder neu hinterfragt werden", betont der Kreisvorsitzende, Kreisrat Markus Mehlhorn. In Scheßlitz setzte sich die Nachwuchsorganisation der CSU dazu mit einem "Ober-Franken" auseinander: Kein Geringerer als Bezirksheimatpfleger Günter Dippold - vor kurzem erst mit dem "Frankenwürfel" ausgezeichnet - gab einen tiefen Einblick in die "inzwischen gut gewachsenen bayrisch-fränkischen Beziehungen".
Dippold forderte von den jungen Leuten zwar mehr fränkisches Selbstbewusstsein, distanzierte sich aber von "chauvinistischem Gehabe" und erst recht vom Gejammere um die verlorene Eigenständigkeit. Selbstbewusst könnten die Franken sagen, dass Bayern ohne Franken nicht nur kleiner, sondern sicherlich auch ärmer wäre.
Als "nicht hinnehmbar" bezeichnete Dippold in diesem Zusammenhang das Wort "Beutekunst". Wer es gebrauche, müsse sich fragen lassen, ob er "durch gleichsetzerischen Sprachgebrauch" braune wie stalinistische Verbrechen verharmlosen wolle. Fränkische Kunstwerke lägen auch nicht bloß in München. Das allermeiste sei in der Region verblieben, manches finde sich in Berlin oder Potsdam. "Davon hört man herzlich wenig", so Dippold.
In Listen so genannter Beutekunst sei manches falsch. Zum Beispiel würden mittelalterliche Urkunden aus Bamberg aufgezählt, die seit 1993 wieder in Bamberg lagerten. "Peinlich" fand das Dippold.
Viele fränkische Kunstwerke im Bayerischen Nationalmuseum gehörten einst dem Bamberger Sammler Martin Joseph von Reider. Der bot die Kollektion seiner Heimatstadt an, gegen eine Leibrente. Bamberg habe nicht zugegriffen, dafür 1859 das damals junge Nationalmuseum. "Reider starb nach wenigen Zahlungen", so Dippold in seinem treffenden Ausflug in die Vergangenheit. "Solche Listen spielen denen in die Hände, die sowieso gegen die Rückführung der Kulturgüter nach Franken sind". Ungeachtet dieser Verirrungen sollten natürlich mehr Dinge auf Dauer in Franken sein, die fränkischen Ursprungs sind. Und wenn sie, wie es in München heiße, hier nicht angemessen aufbewahrt werden könnten, dann sei es höchste Zeit, diesem Mangel abzuhelfen.
Mehr als all diese Dinge aber müsse man die Menschen ins Blickfeld der bayrisch-fränkischen Beziehungen rücken. "Mehr von der kulturellen Infrastruktur gehört nach Franken", so Dippold. München sei nicht das gottgegebene Zentrum aller wichtigen Einrichtungen. "Der Freistaat ist auch unser Land" - keineswegs gebe es ein Staatsvolk auf der einen und unterworfene Stämme auf der anderen Seite. "Zunächst sind wir, die Alteingesessenen wie die Reigschlaaft'n, gefordert, unser Franken zu verbessern".
Von Seiten der Jungen Union gab es viel Zustimmung für Dippold. "Wir werden in Zukunft kritischer zu hinterfragen haben, ob Kulturinstitutionen oder Verwaltungseinrichtungen wirklich in München und Oberbayern sein werden müssen", so Kreisvorsitzender Markus Mehlhorn. Dennoch dürfe man nicht vergessen, dass die Franken in den vergangenen 200 Jahren mit Bayern gut gefahren sind - auch wenn hier und da der bayerische Zentralismus noch aufgebrochen werden muss. Zum gemeinsamen Freistaat gebe es jedoch keine Alternative.
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