Der bayerische Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) macht Bamberg Mut in Sachen ICE-Lärmschutz: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das Weltkulturerbe Bamberg und den ICE-Ausbau miteinander versöhnen können und eine Variante mit intelligentem Lärmschutz ohne optische Beeinträchtigung finden", sagte der Minister. Zeil war auf Einladung des FDP-Kreisvorsitzenden Jobst Giehler und des Landtagsabgeordneten Thomas Hacker nach Bamberg gekommen. Bei einer Zugfahrt von der Domstadt nach Ebern in der Privatbahn Agilis bezog der FDP-Politiker auch Stellung zum geplanten Streckenausbau Nürnberg - Ebensfeld. Bei der aktuellen Lärmschutzdiskussion dürfe man nicht eine Grundsatzfrage über die Bedeutung dieser wichtigen Strecke stellen, betonte Zeil.

Zwar sei die Staatsregierung für den Streckenausbau nicht unmittelbar zuständig, doch die Problematik der hohen Lärmschutzwände sei dennoch inzwischen auch in München hörbar angekommen. "Wir haben daher mit der Bahn direkten Kontakt aufgenommen, da wir uns natürlich hierfür auch verantwortlich fühlen", sagte der Minister. Und die Signale, die von Seiten der Bahn kommen, seien durchaus positiv zu bewerten. Schließlich habe die Bahn inzwischen aus Erfahrungen gelernt, was es heißt, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Daher geht Zeil davon aus, dass es in Bamberg kein zweites "Stuttgart 21" geben wird.

Die Betroffenen sollen mitreden


Unerlässlich, so unterstrich der Wirtschafts- und Verkehrsminister, sei dabei jedoch Transparenz. "Um diese zu schaffen, ist es wichtig, so schnell wie möglich einen Projektbeirat ins Leben zu rufen, der sich schwerpunktmäßig mit der Situation in Bamberg befassen soll." Dieser Projektbeirat könne dann die Mitsprache der Beteiligten und Betroffenen schon während der Planungsphase sicherstellen. Wichtig sei dabei, vor allem den Bayerischen Denkmalrat sowie kommunale und regionale Akteure einzubinden.

Nicht anfreunden hingegen konnte sich der Wirtschaftsminister mit der kürzlich von der Bahn vorgeschlagenen Ost-Umfahrung Bambergs. Denn zum einen sei es doch etwas Wunderbares, wenn man wie beispielsweise in Berlin, seine Stadt den Zuggästen zeige könne. "Wer hingegen eine Umfahrung fordert, bereitet den Boden für eine Ausdünnung des ICE-Halts. Wir sehen doch gerade am Beispiel Coburg, dass dann droht, dass die Schnellzüge nur noch ganz früh oder sehr spät abends halten", warnte er. Zudem fürchtet er, dass es bei einer Ost-Umfahrung zu einer zeitlichen Verzögerung des Ausbaus kommen könnte, da eine neue Trassierung gebaut werden müsste.

Ein längerer Halt in Rentweinsdorf wäre möglich


Auch die Bamberger FDP fürchtet, dass es bei einer Ost-Umfahrung keinen Lärmschutz für Bamberg geben könnte. "Wir brauchen zwar keine sieben hohen Mauern, aber wir halten Lärmschutzmaßnahmen auch in Form von Mini-Lärmschutzmauern grundsätzlich für wichtig, richtig und notwendig", unterstrich FDP-Ortsvorsitzender Martin Pöhner in seiner Resolution, die er dem Minister überreichte. Darin forderte die Bamberger FDP auch, dass Lärm mindernde bauliche Maßnahmen am Gleis bzw. Gleisbett in Bamberg eingesetzt werden. Ferner wird in der Resolution ein stündlicher ICE-Halt in Bamberg gefordert, ebenso wie die Schaffung eines S-Bahn-Haltepunktes Bamberg-Süd.

Thematisiert wurden auf der 30-minütigen Zugfahrt auch das ständige Hupen des Zuges sowie die Schaffung einer festen Haltestelle in Rentweinsdorf. Laut Mark Zehe vom Eisenbahn-Bundesamt, Außenstelle Nürnberg, besteht berechtigte Hoffnung, dass ein einstündiger Halt in Rentweinsdorf verwirklicht werden könnte. Voraussetzung dafür aber wäre, dass der Zug schneller fährt. Dies könnte beispielsweise dadurch erreicht werden, dass die Bahnübergänge, die der Zug mit einer Geschwindigkeit von 20 km/h passieren muss, ertüchtigt oder aufgehoben werden. Nach Auskunft von Zehe liegen derzeit konkrete Pläne zur Verbesserung bzw. Beseitigung oder Verlegung für einige der Bahnübergänge vor. Zwei stünden vor der unmittelbaren Umsetzung. Dadurch würde sich auch das Hupen der Bahn reduzieren.