Lange Jahre war die Sitzungsglocke eingelagert. Michael Senger verschafft dem wuchtigen Teil eine Renaissance. Seit der Marktgemeinderat weit auseinandersitzend in der Turnhalle tagt, braucht es hier eine Glocke, befand Senger. Der Umgang mit Geräten dieser Art ist dem 33-Jährigen vertraut, schließlich engagiert er sich, wie es schon der Urgroßvater tat, in Sassendorf als Mesner. Auf mehrfache Bitten hin wird er diesen Dienst weiter verrichten. Ebenso wie den des örtlichen Feuerwehrkommandanten. "Ich kann die Wehr jetzt nicht im Stich lassen." Ihm Nahestehende bezeichnen Senger als ebenso zielstrebig wie pflichtbewusst.

Senger kam erst im Oktober als Nachrücker für die Wählergemeinschaft Sassendorf in den Marktgemeinderat. Weil er bei den Kommunalwahlen fand, der Wähler brauche nicht nur einen Bürgermeisterkandidaten, sondern eine Alternative, trat er an und schaffte es, wenn auch mit knapper Mehrheit, den Amtsinhaber zu schlagen. Damit ist er auch schon ein bisschen stolz darauf, dass erstmals einer aus dem Zapfendorfer Umland Rathauschef ist.

In Rathäusern kennt sich der Sassendorfer bestens aus. Seine Verwaltungslaufbahn startete er im Bamberger Rathaus und arbeitete im Erlanger Rathaus im Jobcenter und zuletzt im Standesamt. Im Studium ebenso wie in der täglichen Arbeit hat Senger in sehr viele Bereiche Einblick gewinnen können. Als ausgebildeter Standesbeamter kann er, anders als die meisten Bürgermeisterkollegen, nicht nur Trauungen ("die Königsdisziplin", wie Senger sagt), sondern auch alle Arten von Beurkundungen vornehmen, wenn es in Zapfendorf mal gebraucht werden sollte.

Michael Senger sieht Dinge schon von Berufswegen ganz pragmatisch: "Vieles was wir jetzt umsetzen, beruht auf Beschlüssen, die von vorherigen Gemeinderäten getroffen wurden." Nichtsdestotrotz geht ihm manches zu langsam, weshalb er Projekte wie etwa Baugebiete nun zügig voranbringen will. "Wir haben eine ganze Menge - solche, für die es Grundsatzbeschlüsse gibt, bis hin zu welchen, deren Pläne bereits rechtskräftig sind." Freilich ist er Realist genug, um zu wissen, dass die Umsetzung auch Sache des Budgets ist.

Sein übergeordnetes Ziel ist es, Zapfendorf für seine derzeit gut 5000 Einwohner in den neun Gemeindeteilen auf Dauer attraktiv zu machen, "dass man hier gut und gerne lebt und bleibt." Mittelfristig werde man dafür auch neues Gewerbe brauchen und kurzfristig Bestehendes sichern müssen.

Viele Besuche im Kalender

Um die Lage einschätzen zu können, stehen derzeit viele Besuche im Kalender des 33-Jährigen. Bei Firmen und Institutionen, aber auch bei Nachbarn. Also bei den Oberhäuptern der umliegenden Kommunen. "Ich mag es, die Menschen persönlich zu treffen," lautet seine Überzeugung. Denn gemeinsam könne man mehr erreichen. Was für Zapfendorf auch insofern wichtig sei, weil man keinen eigenen Repräsentanten im Kreistag habe und auf Unterstützung der Nachbarn angewiesen ist.

Seinerseits unterstützt Senger die Gläubigen in Sassendorf, weil sie erst noch einen neuen Mesner finden müssen. Und auch die Aktiven der örtlichen Wehr mag er nicht im Stich lassen, sondern sich in Ruhe um einen Nachfolger im Kommandantenamt kümmern. "Zum Glück haben wir nicht so viele Einsätze." Für die Wehr habe er sich übrigens mit 18 Jahren entschieden, um anderen zu helfen und weil Wehren auch "Motor des gesellschaftlichen Lebens sind".

Ausgleich, Rückhalt und Ruhe - auch das ist ihm wichtig - findet der Junggeselle bei der Familie, also Eltern und jüngerem Bruder. Ab und zu Geselligkeit auf dem Bierkeller schätzt er ebenfalls. Zapfendorfs neuer Bürgermeister ist eben gerne mit Menschen zusammen, privat und beruflich. Und manchmal sind dann auch Glocken im Spiel.