"Habe keine Zeit, bin beim Yoga." Ein Satz, der heute, so scheint es, zum guten Ton gehört. Volkshochschulen und Bildungseinrichtungen bieten eine Vielzahl an Yoga-Kursen an, Yoga-Schulen verzeichnen steigende Teilnehmerzahlen, Prominente, wie Sting oder Madonna, praktizieren diese Entspannungstechnik sowieso und auch die deutsche Fußball-Nationalelf wird von Yoga-Lehrer Patrick Broome unterstützt. Allein die Volkshochschulen der Stadt und des Landkreises Bamberg bieten zusammen über 70 Yoga-Kurse in ihrem aktuellen Programm an und waren schnell ausgebucht.

"Yoga boomt," sagt Maria Seltzer. Die Yoga-Lehrerin weiß, wovon sie spricht. Seit 21 Jahren bietet sie Yoga-Kurse an, etwa bei der Volkshochschule Bamberg, bei Krankenkassen, der Diakonie oder bei der Polizei.
Hier, wie auch in wirtschaftlichen Betrieben, hat man die gesundheitsfördernde Wirkung des Yoga erkannt, erzählt die Diplom-Pädagogin, die selbst vor 32 Jahren das "Feuer des Yoga" kennen lernte und seitdem nicht mehr davon los gekommen ist.

In allen Variationen

Auf dem Markt herrscht eine Vielzahl unterschiedlicher Yoga-Schulen und -richtungen: körperbetonte Yoga-Praktiken unter dem Oberbegriff des Hatha-Yoga, Flow Yoga oder TriYoga Flow Mix, Poweryoga, Yoga für Schwangere, Hormon-Yoga, Yoga der Stille, tibetisches Yoga oder Lachyoga. Die Flut der Yoga-Literatur ist dementsprechend.

Maria Seltzer kennt diese Bewegungen, besucht regelmäßig Fortbildungen und bleibt sich ihrer "klassischen Ausbildung des Ur-Yoga" treu, die sie bei Sigmund Feuerabendt, dem Vorsitzenden der Deutschen Yogagesellschaft, kennen und schätzen gelernt hat. So widersetzt sich die Bamberger Yoga-Lehrerin auch dem "indischen Yoga-Touch". In ihren Kursen gibt es keine Räucherstäbchen und keine Musik. Bei ihr geht es ruhig und bei aller Anstrengung "heiter" zu. In ihren Kursen konzentrieren sich die Teilnehmer auf ihren eigenen Körper.

Mit geschlossenen Augen werden die Übungen, die "Asanas", ausgeführt. Es bleibt keine Zeit, nach den Fähigkeiten der anderen zu schielen, denn schon wird die nächste Übung angesagt. "Einatmen, ausatmen", ermahnt die Yoga-Lehrerin freundlich und zum eigenen Erstaunen erleichtert die Konzentration auf die Atmung die nächste Dehnübung. So entsteht eine angenehme, fast behütete Atmosphäre in dem Übungsraum und schnell wird deutlich, hier geht es nicht um den Vergleich mit den anderen oder um Konkurrenz.

Das Ziel ist Entspannung, die über die Anspannung erreicht wird. Was vordergründig der Gelenkigkeit und Geschmeidigkeit des Körpers dient, steht in einer Gesamtheit mit Geist und Seele. Durch die körperlichen Übungen werden "Seele und Geist mit eingeschlossen", so Sigmund Feuerabendt, der seinerseits die 196 Merksprüche des Yoga-Sutra, die philosopische Grundlage des Yoga, aus dem Sanskrit in die deutsche Sprache übersetzt hat.

Mehr als eine Sportart

Yoga ist mehr als eine Sportart. Es ist ein Gesamtkonzept, in dem Körper, Seele und Geist in Einklang miteinander gebracht werden. "Man wird im Yoga auf sich selbst geworfen", führt Maria Seltzer aus. Durch die Konzentration bei den Asanas und die bewusste Atmung ist der Yoga-Praktizierende ganz bei sich. Schwerlich lässt sich beim Yoga die körperliche Aktivität vom philosophischen Ansatz trennen.

"Yoga hat eine kosmische Dimension, denn früher oder später setzt man sich mit den Urfragen der Menschheit auseinander", ist Seltzer überzeugt. "Yoga", auch da ist sie sich sicher, "greift bei jedem." Jeder kann in jedem Alter mit Yoga beginnen und praktizieren, da die eigene Körperlichkeit die Richtlinie ist. Kein Talent und keine von außen vorgegebene Messlatte entscheiden darüber, ob eine Person für diese Entspannungstechnik geeignet ist.

Yoga zieht mehr Frauen als Männer an. Da sprechen die Zahlen für sich und die Kurse bilden dies ab. Hier sitzt die junge Schülerin neben der älteren Dame auf der Yoga-Matte und übt den "Hund", die "Taube", das "Krokodil" oder den "Baum" und den "Sonnengruß". Gelegentlich mischt sich ein Mann unter die Gruppe, doch in der Mehrheit fühlt sich das weibliche Geschlecht von dieser Praxis angezogen. Maria Seltzer sieht dies gelassen. Was noch nicht ist, kann noch kommen.