Die kleine Sophia fasst sich vor Schreck an den Kopf als sich die Hose plötzlich mit Dampf aufbläht. Dabei durfte sie selbst den Impuls auslösen. "Finishen" nennt sich dieser Vorgang, mit dem in der Firma Murk den Hosen praktisch der letzte Schliff gegeben wird. 37 Vorschulkindern aus dem Kindergarten Frensdorf wurde jetzt ein Einblick in die Fertigung des Wachenrother Unternehmens gewährt. Hintergrund der Exkursion ist, dass im Kindergarten derzeit schwerpunktmäßig "Nähen" auf dem Lehrplan steht.

"Wir haben eine Lernwerkstatt mit vier Nähmaschinen", berichtet Erzieherin Sylvia Tinter. Die Lernwerkstatt befindet sich derzeit allerdings in der alten Schule in Herrnsdorf, die bis zum Umzug in das neue Kinderhaus den Vorschulkindern als Ausweichquartier dient. Kindergartenleiterin Sabine Brehm hofft, bereits im Mai mit ihren "Großen" in das neue Kinderhaus umziehen zu können.

Ist das Nähen, teilweise sogar mit elektrischen Maschinen, denn nicht gefährlich für die Kinder? Nein, sagt die Kita-Leiterin. Die Kinder verstünden inzwischen so geschickt mit den Maschinen umzugehen, dass sogar ein Loch in den Jeans selbständig wieder geflickt werden könne. "Wir haben sogar einen Fallschirm genäht", erzählt der sechsjährige Nick. Zum Glück hängt am Fallschirm-Ende nur eine Kuschelmaus. "Aber aus dem Fenster geflogen ist sie mit dem Fallschirm", freut sich Nick. Alle Kinder - auch die Buben - machen nach den Worten der Erzieherinnen mit Begeisterung beim Nähen mit. Für den Weihnachtsmarkt wurde ebenso genäht, wie jetzt für den Verkauf zu Ostern. Und natürlich hatten die Kinder auch ein selbst gefertigtes Geschenk für ihre Wachenrother Gastgeber dabei: Ein aus Textilien genähtes Buch und ein Kissen.

In der Musterfertigung des Unternehmens Murk kamen die Kinder dann doch ins Staunen. Hier konnten sie - vom Zuschneiden des Stoffes bis zur Verpackung - alle Schritte verfolgen, die notwendig sind bis eine Hose in den Verkauf kommt. In der Musterfertigung in Wachenroth werden die Modelle entworfen und Prototypen hergestellt. Die gesamte Arbeitsvorbereitung für die Betriebe, die das Unternehmen in vielen Ländern unterhält, werde in Wachenroth erledigt, erklärt Franz Hünnerkopf von der Geschäftsleitung. Aus etwa 600 Musterteilen können dann Vertreter und Großkunden ihre Bestellware aussuchen. "Die Modellskizzen werden am Computer erstellt und gehen von hier aus in die Herstellung", erklärt Markus Murk. Allein in der Musterfertigung beschäftigt das Unternehmen rund 80 Mitarbeiter. Im Wachenrother Bekleidungshaus kommen noch einmal 200 dazu.