Mit der deutschen Wiedervereinigung und der EU-Osterweiterung hätten zwischenzeitlich politische Entwicklungen stattgefunden, die ihre Auswirkungen auch auf die Bevölkerungsstruktur gehabt hätten. "Wir haben seit 1987 jährlich lediglich die Register fortgeschrieben. Es wurde höchste Zeit für verlässliche, neue Zahlen," so die Statistikerin. Sie kann sich das lange Zögern der Politik mit einer neuen Volkszählung nur damit erklären, dass es politischerseits Vorbehalte gegen den Zensus gibt.

Schließlich hatte es bei der letzten Zählung 1987 teils heftigen Widerstand und Kritik gegeben. Rässler sitzt in dem vom Innenministerium ins Leben gerufenen aus neun Wissenschaftlern bestehenden Gremium, das den Zensus fachlich begleitet. Angefangen von der Fragestellung bis hin zu eventuellen Problemen bei der Auswertung. Zwei bis drei Mal sei man im Jahr zusammengekommen, um anstehende Probleme gemeinsam zu erörtern und Lösungsvorschläge zu unterbreiten.

Den Bayern bescheinigt die Professorin einen sehr sorgfältigen Umgang mit dem seit 1987 zur Verfügung stehenden Zahlenmaterial. Ergebnis: Die jetzt bekannt gewordenen Abweichungen sind zum Teil nur marginal. Anders als in Berlin. Hier musste kräftig korrigiert werden. Die Stadt verlor über Nacht auf einmal 280 000 Berliner.