Es ist eine vierstellige Zahl, die Mario Schmittwolf in tiefe Besorgnis stürzt. Von den Betreibern der Vinci/Karstadt-Tiefgarage hat er erfahren, dass seit der Sperrung der Kettenbrücke im vergangenen November jeden Monat 3000 Autos mit mindestens 3000 Kunden weniger als üblich in die Tiefgarage gefahren sind – mit entsprechenden Einnahmeverlusten für das Bamberger Karstadt-Haus.
Nun wird es aber noch viel schlimmer kommen, glaubt Schmittwolf, der in der Fleischstraße ein Mundhygienegeschäft betreibt und der nach eigenen Aussagen seit Monaten drastische Umsatzrückgänge zu verkraften hat: Ende Juni wird auch der Vordere Graben (der bislang noch über die nördliche Promenade erreichbar war) wegen Tiefbauarbeiten nicht mehr befahrbar sein.
Die bisher einzige Zufahrt zur Tiefgarage wird dann mindestens drei Monate lang unpassierbar sein, vielleicht aber auch für immer, sollte die Kettenbrücke nach ihrer Fertigstellung tatsächlich nur noch von Fußgängern und Radfahrern benutzt werden dürfen. Autofahrer, die die Tiefgarage unter dem Maxplatz ansteuern möchten, müssten dann womöglich in Höhe des Promenaden-Postamtes eine Einfahrts-Karte ziehen, um einen Poller in der Versenkung verschwinden zu lassen.
Mario Schmittwolf, Erich Kluge von der Puppenklinik und Roland Gengler (Foto Fix), die sich schon vor zehn Jahren zur „Interessengemeinschaft Schöner Maxplatz“ zusammenschlossen, haben den Eindruck, dass die Stadtverwaltung die Probleme der Geschäftsleute in der Innenstadt nicht im erforderlichen Maße ernst nimmt. Besonders die „Handwerkerzeile“ mit ihren kleinen Geschäften an der Maxplatz-Nordwand – die Erich Kluge als einmalig bezeichnet – , werde stiefmütterlich behandelt. Egal ob Weihnachtsmarkt oder Jazz-Festival: Stets stünden Buden und Bühnen mit der Rückwand zur Fleischstraße und grenzten die dortigen Geschäfte aus anstatt sie einzubeziehen.
Der schon seit November andauernde Leerstand in den Geschäftsräumen des ehemaligen Drogeriemarktes Müller und die sinkenden Mietpreise in der Ladenzeile seien Indizien dafür, dass die Maxplatz-Nordwand stark an Attraktivität verloren habe. Die Abschirmung durch die Tiefgaragen-Einfahrt und die hässlichen Glascontainer täten ein Übriges. . .
Für Schmittwolf, Kluge und Gengler wäre es ein „Supergau“, wenn die Stadt Bamberg sich nicht dazu durchringen könnte, die aus Richtung Bischberg und Gaustadt kommenden Tiefgaragen-Kunden am Markusplatz nach rechts in die Kapuzinerstraße abbiegen zu lassen und von dort nach links in die Stangstraße und über den Heumarkt bis zum Maxplatz zu führen. Einen solchen (von einem Stadtratsausschuss genehmigten!) Plan gibt es, doch hat ihn der Finanzsenat aus Kostengründen „kassiert“. 100 000 Euro hätte die Umleitung nach Auskunft des Entsorgungs- und Baubetriebs gekostet. Schmittwolf bezweifelt diese Auskunft. Die Umleitung wäre für ca. 20 000 Euro zu bewerkstelligen, hat er sich von einem Fachmann sagen lassen. Sollten die aus Westen kommenden Autofahrer – wie jetzt geplant – über den kompletten Innerstädtischen Ring geleitet werden, um an der Stangstraße nach rechts abbiegen zu dürfen, befürchten die Mitglieder der Interessengemeinschaft den Verkehrskollaps am Schönleinsplatz.
Das Problem mit der Baustelle im Vorderen Graben hat in dieser Woche auch den Stadtmarketing-Verein, die Mittelstandsunion und den Einzelhandelsverband auf den Plan gerufen. Auch ihre Vertreter befürchten, dass die von der Stadt geplante Umleitung des von Westen kommenden Verkehrs über Löwenstraße, Königstraße, Luitpoldstraße, Willy-Lessing-Straße, Lange Straße und Kranen eine zusätzliche Lärm- und Feinstaub-Belastung für die Anwohner mit sich bringen werde.
Nachdem eine Zufahrt über Markusplatz und Kapuzinerstraße aus finanziellen Gründen ausgeschlossen worden ist, unterbreitet Stadtmarketing-Geschäftsführer Klaus Stieringer einen neuen Vorschlag, dessen Realisierung nur für die Dauer der Baumaßnahme am Vorderen Graben aufrechterhalten bleiben soll: Er schlägt vor, die Kapuzinerstraße über die Fischerei von der Markusstraße aus erreichbar zu machen. „Hierfür müssten nur das Durchfahrtsverbot am Ende der Straße Fischerei aufgehoben werden. Durch Sicherung der Radfahrer in der Kapuzinerstraße schlagen wir ein „Stopp-Schild“ an der Ausfahrt der Fischerei vor. Zudem müsste die Zufahrt der Fischerei über die Kapuzinerstraße durch ein Verbotsschild während der Baumaßnahme am Vorderen Graben ausgeschlossen werden.“ Diese Maßnahme trage dazu bei, die Erreichbarkeit der Innenstadt sicher zu stellen und könne ohne größere Kosten umgesetzt werden.