Wenn Timo Oberste-Vorth und Markus Kaluza kommen, müssen Ampel- und Lichtmasten einiges aushalten. Die beiden sind Prüftechniker und simulieren mit speziellen Gerätschaften Stürme, um die Standsicherheit von Masten zu testen. Das tun sie überall in der Bundesrepublik und taten es diese Woche auch in Bamberg: 250 Mal und im Auftrag der Stadtwerke am Regensburger Ring, in der Hainstraße, Wildensorger Straße, Forchheimer Straße, Schweinfurter Straße und Starkenfeldstraße.

Nur ein kleiner Teil aller etwa 10.000 Masten, für die die Stadtwerke im Stadtgebiet verantwortlich sind, kommen jedes Jahr an die Reihe, berichtet Astrid Rosenberger aus der Unternehmens-Pressestelle. Die vier Meter langen würden noch von eigenen Leuten und von Hand gerüttelt und geprüft, die sechs, acht und zehn Meter hohen von einer externen Fachfirma.


Patentiertes Verfahren



Oberste-Vorth und Kaluza arbeiten für das in Lübeck beheimatete Unternehmen Roch Services GmbH. Es nimmt für Kommunen rechtsverbindliche Standsicherheitsprüfungen vor und ist nach eigenen Angaben auf diesem Gebiet der Marktführer in Europa. Mit seinem patentierten Verfahren will es weltweit schon eine Million Masten geprüft haben.

Michael Hirt, Kollege von Oberste-Vorth und Kaluza, erklärt das Prüfverfahren. Man arbeitet mit einem computergesteuerten Windlastberechnungsprogramm, das auf die Bauweise und das Material der jeweiligen Masten - Aluminium, Stahl, Stahlbeton usw. - abgestimmt wird. Wichtigstes "Werkzeug" ist ein umgebauter Mini-Bagger. Mit dessen Arm wird das Objekt in etwa zwei Meter Höhe gefasst und geschüttelt. 70 Zentimeter über dem Boden wird gleichzeitig gemessen, wie der Mast reagiert.

Auf dem Bildschirm im Bagger baut sich ein Kraft-Weg-Diagramm auf, wie es in Laboratorien in der ganzen Welt für Materialprüfungen genutzt wird. Zweierlei können die Fachleute ablesen: die Tragsicherheit des Materials und die Beschaffenheit der Verankerung. Ein linearer Kurvenverlauf bedeutet Entwarnung.


Bis zu sechs Jahre Garantie



Mit den Prüfprotokollen könnten Auftraggeber belegen, dass sie ihrer Verkehrssicherungspflicht nachgekommen sind, sagt Hirt. Ist ein Mast einwandfrei, garantiere die Firma bis zu sechs Jahre für dessen Standsicherheit.
Der Zustand der Masten wird nach einem Ampelsystem bewertet. Grün bedeutet, alles in Ordnung, kein Reparaturbedarf. Gelb heißt, der Mast sollte innerhalb der nächsten so und so viel Jahre ausgetauscht werden. Bekommt ein Mast rot, besteht akuter Handlungsbedarf. Wäre so einer in den vergangenen Tagen dabei gewesen, wären die Stadtwerke umgehend informiert worden, sagt Rosenberger.

Die Auftraggeber bestimmen die jeweiligen Einsatzorte der Prüftechniker. Bei den Stadtwerken gibt es nach Angaben aus der Pressestelle drei Auswahlkriterien für das jährliche Kontingent: Bevorzugt werde an verkehrsreichen Strecken getestet, wo auch viel Streusalz verwendet wird, das die Fundamente der Masten angreifen könnte. Außerdem würden die älteren Exemplare und jene geprüft, an denen Monteure bei ihren turnusmäßigen Wartungsarbeiten etwas aufgefallen ist.


"Gefährlicher" Hunde-Urin



Neben böigen Winden und Streusalz gehört übrigens Hunde-Urin zu den Substanzen, die die Lebensdauer von Masten deutlich verkürzen. Laut Matthias Windfelder, Fachplaner für Straßenbeleuchtung bei den Stadtwerken, ist das auffallend in Grünanlagen wie der am Giechburgblick. Dort gebe es einige "Lieblingsmasten" der Vierbeiner, die deutlich schneller altern würden als andere. Ihre Hinterlassenschaften seien so aggressiv wie Salzsäure, behaupten die Prüftechniker aus Lübeck.

Die Kontrollen können laut Rosenberger leider nicht verhindern, dass tragische Unfälle wie jener vor fast genau einem Jahr am Berliner Ring/Zeppelinstraße passieren: Da war es zwei wartenden Radfahrern zum Verhängnis geworden, dass sie just in dem Moment an einem Ampelmast standen, als ein Autofahrer dagegenfuhr und ihn umknickte. Beide Radfahrer wurden getroffen und verletzt, einer lebensgefährlich.