Jesus in Gold und Edelsteinen: Das kann sich Magnus Lux überhaupt nicht vorstellen. Der für das Erzbistum Bamberg zuständige Vertreter der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" und das Mitglied des Bundesteams macht eine Diskrepanz in der Kirche zwischen "Jesus, dem einzigen Herrn der Kirche" und dem "absolutistischen Machtgehabe" in der Kirche aus. Zu einer "geschwisterlichen Kirche" gehören für Lux die "Teilhabe der Frauen an den Diensten der Kirche" oder "verheiratete Priester". Das Interview im Wortlaut:

Was führt die Bundesversammlung von "Wir sind Kirche" gerade nach Bamberg?
Lux: 1995 gab es das KirchenVolksbegehren, das haben 1,8 Millionen Menschen in Deutschland unterschrieben, davon 1,5 Millionen Katholikinnen und Katholiken. Ganz schön viele Männer und Frauen haben damit Veränderungen in ihrer Kirche gefordert.
Mit diesem Schwung hat sich ein Jahr später die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" gegründet. Zweimal im Jahr treffen wir uns zur Bundesversammlung, jedes Mal in einer anderen Stadt. Diesmal treffen wir uns in Bamberg, das freut mich übrigens besonders, weil Bamberg mein Heimatbistum ist.

In Ihrer Versammlung geht es um ein "zeitgemäßes und geschlechtergerechtes Dienstamt". Was verstehen Sie darunter?
Das Amt in der Kirche ist eigentlich ein Dienst, darauf hat das Zweite Vatikanische Konzil ausdrücklich hingewiesen. Die meiste Zeit war es in der Kirche so, dass Frauen und Männer zu einem Dienst in der Gemeinde beauftragt wurden, ohne dass das bedeutete, dass sie zu einem so genannten Klerikerstand gehören, wie das heute ist. Bis ins 13. Jahrhundert war das so! Im 13. Jahrhundert hat sich dann aber ein neues Denken durchgesetzt.
Es gab Diakoninnen, Priesterinnen, Bischöfinnen und Prophetinnen; Maria von Magdala galt als "Apostolin der Apostel", denn sie wurde vom auferstandenen Christus zu den Aposteln gesandt, um ihnen zu verkünden, dass er lebt. Sogar bis weit ins 19. Jahrhundert hinein wurden Äbtissinnen geweiht und nahmen priesterliche und bischöfliche Aufgaben wahr.
Wir finden, dass wir heute wieder umdenken müssen. Gerade die katholische Kirche legt ja immer so viel Wert auf Tradition. Warum greifen wir nicht diese alte Tradition wieder auf, die Frauen an den Diensten in der Kirche teilhaben lässt? Auch biblisch spricht nichts gegen die Weihe der Frau: "Gott schuf den Menschen als sein Ebenbild, als Mann und Frau schuf er sie", steht im Schöpfungshymnus. Gott ist Mensch geworden, nicht Mann, und deshalb kann die Frau den menschgewordenen Gottessohn genauso repräsentieren wie der Mann.


Was bedenken Sie noch außer dem Themenkomplex Frauen, wenn Sie von einem zeitgemäßen Dienstamt sprechen?
Es müssen dringend die Zugangsbedingungen zum priesterlichen Dienst geändert werden. Die Eucharistiefeier ist Mittelpunkt der Gemeinde. Doch der Priestermangel lässt nicht mehr in allen Gemeinden eine sonntägliche Eucharistiefeier zu. Was hat jetzt Vorrang: die Eucharistiefeier der Gemeinde oder die Verpflichtung zum Zölibat, zur Ehelosigkeit der Priester? Ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt, dass es längere Zeit verheiratete Priester, Bischöfe und Päpste gab als unverheiratete - und auch heute gibt es verheiratete Priester in der katholischen Kirche, zum Beispiel in den unierten Ostkirchen oder bei Konvertiten. Auch Erzbischof Schick hat ja übrigens schon gesagt, dass er sich durchaus verheiratete Priester vorstellen kann.

Beim Diözesantag der Frauen am 9. März hat der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hinsichtlich der Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche von einem "gordischen Knoten" gesprochen, für dessen Zerschlagung derzeit weder das geeignete Schwert noch die richtige Person vorhanden sind. Sehen Sie das auch so?

Das ist ein schöner Vergleich. "Schwert und Person" hat Kardinal Kasper bei seinem Referat über die Frau in der Kirche bei der Bischofskonferenz in Trier genannt. Er hat gesagt: "Die Antwort auf die ‚Zeichen der Zeit‘ wird darum letztlich weder Rom noch die Bischofskonferenz geben; die Antwort werden prophetische, charismatische heilige Frauen sein." Frauen werden also in der Kraft des Gottesgeistes tun, was heute nötig ist. Wer will sie daran hindern?

Was erwarten Sie sich im Blick auf Gleichberechtigung vom neuen Papst?
Papst Franziskus hat die Menschen auf dem Petersplatz mit "Brüder und Schwestern" angesprochen und sie mit einem "Guten Abend" begrüßt. Von sich hat er als Bischof von Rom und nicht als Papst gesprochen. Das zeigt seine Nähe zu den Menschen. Auch der Name ist Programm: Mit dem noch nie verwendeten Namen signalisiert er einen Neuanfang.

Auch wenn er als Wert-Konservativer gilt, so erwarten wir von ihm große Dialogbereitschaft. Wie weit seine Kraft zur Veränderung reicht, wird sich herausstellen. Wir hoffen, er erkennt die "Zeichen der Zeit" - mit tatkräftiger Unterstützung der von Kardinal Kasper genannten "prophetischen, charismatischen heiligen Frauen".

Die Podiumsdiskussion am Samstag stellt die Frage: "Welche Kirche braucht der Mensch?" Wie lautet Ihre Antwort?
Schauen wir doch, was vielen in der Kirche heute wichtig ist: goldbestickte wallende Messgewänder, vergoldete und mit Edelsteinen besetzte Hirtenstäbe und Mitren, ein absolutistisches Machtgehabe, ein Beharren auf vermeintlichen Glaubensaussagen, die nur die eigene Unbeweglichkeit begründen sollen (so sagte es einmal Professor Ratzinger!).
Können wir uns Jesus in Gold und Edelsteinen vorstellen? Er hat die befreiende Botschaft vom Reich Gottes verkündet. Das erfordert eine Kirche, die sich nicht selbst feiert und verkündigt, sondern sich im Dienst der Menschen weiß. Erzbischof Schick hat das sehr treffend in seiner Predigt zum Auftakt der Misereor-Aktion gesagt. Er spricht den Skandal des Hungers in der Welt an und brandmarkt die Konzerne und die Politiker. Bei den Wahlen heuer sollten wir uns auch dafür interessieren, wie sie mit den Menschen in den Ländern der sogenannten Dritten Welt umgehen. Und er fordert uns alle zu einer Änderung unseres Lebensstils auf. Eine solche Kirche brauchen wir!

Reicht für Ihre Wunschkirche die Änderung des Lebensstils?
Ein Wesensmerkmal der Kirche ist der Dialog, sagt das Konzil. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, hat zum Dialog der Diözesen und in den Diözesen aufgerufen. Dieser Dialog darf nicht zum Gesprächsprozess herabgestuft werden, der folgenlos bleibt. Der einzige Herr der Kirche ist Jesus, der Christus, alle anderen sind Brüder und Schwestern. Was wir brauchen, ist eine geschwisterliche Kirche.

Die Bundesversammlung endet laut Programm mit einem "Gottesdienst zum Weltgebetstag für Frauenordination". Ist dieser Gottesdienst eine Eucharistiefeier, der ein Priester vorsteht - wenn ja, welcher? - und wer hat diesen "Weltgebetstag" ausgerufen?
Am 25. März feiern wir "Mariä Verkündigung". Wenn durch eine Frau der Sohn Gottes in die Welt kommt, dann können Frauen nicht von den Männern in der Kirche zu Menschen zweiter Klasse gemacht werden. Deshalb haben die weltweit zusammengeschlossenen Frauenordinationsbewegungen diesen Gebetstag 1997 ausgerufen. Allen Getauften, Männern und Frauen, gilt das Wort: "Ihr seid ein heiliges Volk, eine königliche Priesterschaft." Als Abschluss jeder Frühjahrsversammlung feiern wir zusammen in diesem gemeinsamen Priestertum diesen Gottesdienst als Mahn- und Mahlfeier, als Agapefeier, diesmal in Bamberg vor dem Erzbischöflichen Ordinariat auf dem Domplatz. Alle sind eingeladen, am Sonntag, 17. März, um 12 Uhr daran teilzunehmen.


Das Tagungspogramm

Bei der 32. Bundesversammlung der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" dreht es sich um ein "zeitgemäßes und geschlechtergerechtes Dienstamt". Die Versammlung im Center Hotel Mainfranken vom 15. bis 17. März ist öffentlich: "Es kann jeder kommen", sagt Magnus Lux aus dem Bundesteam "Wir sind Kirche".

Die Tagung beginnt am Freitag um 19.30 Uhr. Am Samstag wird um 9.15 Uhr die ehemalige Ordensfrau Majella Lenzen aus ihrem neuen Buch "Fürchte dich nicht" lesen. Um 9.30 Uhr gibt es eine Podiumsdiskussion zum Thema "Welche Kirche braucht der Mensch?" mit Ida Raming, Roman Catholic Womenpriests (deutsche Sektion), Angelika Fromm, Diakonatskreis, und Annegret Laakmann, Initiative Maria von Magdala. Ab 14 Uhr geht es mit den Podiumsteilnehmerinnen in Arbeitsgruppen zum Tagungsthema. Ausführliches Programm unter www.wir-sind-kirche.de