Gleich ein paar Dutzend Mal prangt sein Konterfei in großformatigen Bildern von der Wand: Hirsch, Hirsch, immer wieder Hirsch. Einmal taucht der Künstler als Jeans-Model auf, um sich dann wieder in eine mondäne Dame von Welt zu verwandeln und schließlich als grau kostümierte Managerin zu posieren. Nicht mal der Papst ist vor dem Wahlbamberger sicher, der nicht zuletzt in dessen Rolle ins Rampenlicht rückt.

"Eigentlich sollte diese Ausstellung schon vor ein paar Jahren stattfinden - unter dem Motto ‚Du und immer nur Du'. Als ich nun die Möglichkeit zur Ausstellung erhielt, dachte ich mir allerdings: Warum ‚Du' und nicht ‚Ich'?", scherzte der Künstler bei der Ausstellungseröffnung. Und prompt kreisen seine im Treppenturm von Karstadt präsentierten Werke um "Das collagierte Ich", das sich in unterschiedlichsten Szenerien wiederfindet.

"Virtuelles Rollenspiel"


Erstmals präsentiert der vielseitige Künstler, Krimiautor und Alt-68er seine Collagen der Bamberger Öffentlichkeit. "Und niemals zuvor", so Karstadt-Geschäftsführer Alfons Distler, "haben auch wir in unserer Ausstellungsreihe Collagen gezeigt." Welchen Anklang findet die schrille Inszenierung des Multitalents? Kunsthistoriker Matthias Liebel zeigt sich zunächst überrascht von der "thematischen und ikonographischen Vielfalt". Er würdigte Hirschs Collagen als virtuelles Rollenspiel und Reise durch die Zeit: "Wir finden einen zu Hirsch mutierten W. A. Mozart, einen Papst Innozenz X. oder eine Berceuse von Arles", sagte Liebel. Allerdings handle es sich bei den Collagen des Künstlers nicht nur um eine originelle kabarettistische Selbstinszenierung, sondern um eine wohl durchdachte, mit Tiefsinn gestaltete Bilderserie. Denn ähnlich wie bei einer Karikatur, die die realweltlichen Verhältnisse durch eine motivische Überzeichnung dekuvriere, entlarve auch Sigi Hirsch mit seinen Collagen die Wirkungsmechanismen des vermeintlich naturgetreuen Abbildes. "Der Künstler hinterfragt kritisch, aber auf unterhaltsame Art die Diskrepanz zwischen der realweltlichen Wirklichkeit und der idealischen Inszenierung zwischen dem wahren Ich und der gezielten Eindruckslenkung im Rollenspiel", so Liebel in seinem Vortrag.