Ein riesiger blauer Fleck fällt auf der Unteren Brücke an der Gedenktafel für die gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkrieges ins Auge. Ausgeführt wurde der Farbanschlag in der Nacht zum Montag. Auch die Gedenktafel für Claus Graf Stauffenberg im Torbogen des Alten Rathauses wurde zum wiederholten Mal Ziel eines Farbanschlags. Unbekannte Täter haben die Steinplatte, die Stauffenberg als "Symbol des deutschen Widerstandes" ehrt, mit einem Farb-Ei beworfen.

Auch wenn Farbe und Vorgehensweise bei beiden Anschlägen unterschiedlich sind, ist ein Zusammenhang zwischen den Anschlägen wegen derselben Tatzeit nicht auszuschließen, sagt Kriminaloberkommissar Uwe Nitsche. Erst im Dezember vergangenen Jahres hatten Unbekannte beide Gedenktafeln mit den Worten "Nazi Dreck" besprüht. Diese Taten ordnete die Polizei ebenfalls dem linken Lager zu. Der Schaden beläuft sich diesmal nach Nitsches Schätzungen im Falle der Stauffenberg-Gedenktafel auf einige hundert Euro. An der Unteren Brücke könnte der Schaden wegen der großflächigen Verschmutzung sogar in den vierstelligen Bereich gehen, so Nitsche.

Die Pressesprecherin der Stadt Bamberg, Ulrike Siebenhaar, zeigt sich entsetzt: "Das ist ein riesiger Schaden, weil das Gebäude und die Brücke betroffen sind." Der neue Anschlag sei auch deswegen so ärgerlich, weil erst letzte Woche der Schaden des letzten Farbanschlags auf der Tafel von einem Kunstsachverständigen beseitigt worden sei. Die Schäden durch Vandalismus in Bamberg verursachten mittlerweile Kosten "die in die Zigtausende gehen", stellt Siebenhaar verärgert fest.

Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen: "Momentan befinden wir uns noch in der Tatbestandsaufname und Spurensicherung. Es gibt keine Hinweise, aber wir gehen von einem politisch motivierten Hintergrund aus", erklärt Kriminalhauptkommissar Andreas Dechant auf Anfrage. Er betont auch, dass es angebracht sei "eine Videoüberwachung bei der Stadt anzuregen".

Ulrike Siebenhaar von der Stadt Bamberg sieht den Vorschlag als richtigen Vorstoß: "Das wird vermutlich der Weg sein, da es sich ja hier mittlerweile um einen Brennpunkt handelt." Erst vor etwa einem Monat war die Gedenktafel für die gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs an der Unteren Brücke Ziel eines Farbanschlags geworden.

Bei Farbanschlägen werden Flaschen, Plastikbeutel, Luftballons oder Hühnereier mit Farbe gefüllt und dann als Wurfgeschoss benutzt. Die Beschmutzung dient als Zeichen der Verachtung. Oft geht damit ein nicht unerheblicher Sachschaden einher. Vor allem in rechts- und linksextremen Kreisen ist der Farbanschlag ein beliebtes Protestmittel, zumal die Täter in den meisten Fällen nur schwer zu ermitteln sind. In den letzten zwei Jahren gab es in Bamberg mindestens neun solcher Anschläge. Die Ermittlungen liefen bei allen Fällen ins Leere, sagt Kriminaloberkommissar Nitsche.

Jedoch sei eine Sache sicher: "Es gibt in Bamberg definitiv zwei Gruppen, eine rechte und eine linke, die, so kommt es mir vor, immer schön im Wechsel irgendwelche Sachen beschmieren." Nach Paragraph 304 des Strafgesetzbuches ist ein Farbanschlag auf ein "öffentliches Denkmal" eine "gemeinschädliche Sachbeschädigung". Diese kann mit Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft werden. Auch der Versuch ist strafbar.

Zu den Farbanschlägen bittet die Kripo Bamberg um sachdienliche Hinweise unter Telefon 0951/9129-491.
Die Stadt Bamberg hat für Hinweise, die zur Ergreifung von Tätern führen, eine Belohnung von 50 Euro ausgelobt - wie in allen Fällen von Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum.