Das unsichtbare Coronavirus sorgt für große Unsicherheit. Die Strahlen der fünften Generation des Mobilfunks (5G) sind ebenso unsichtbar - und auch sie bereiten einem Teil der Bevölkerung Unbehagen. Extrem schnelles Internet für die Industrie wie fürs Privathandy versprechen die Anbieter. Gefährliche Auswirkungen auf Mensch, Tier, Umwelt und Datenschutz fürchten hingegen die Skeptiker - auch in Bamberg: "Es besteht Ungewissheit darüber, ob 5G als unbedenklich gesehen werden kann", kritisiert S. Starke von der Bamberger und Stegauracher Bürgerinitiativen (BI) "Info 5G", die ihren Vornamen nicht angeben will.

Milliarden-Geschäft

Doch der Ausbau scheint kaum mehr aufhaltbar: Die Anbieter Telekom, Vodafone, Telefonica und Drillisch erwarben die Lizenzen bereits im vergangenen Sommer von der Bundesnetzagentur - für insgesamt 6,5 Milliarden Euro. "Das 5G-Netz der Telekom ist bereits in acht deutschen Städten verfügbar", teilt das Unternehmen auf Nachfrage mit. Noch in diesem Jahr sollen 20 Städte folgen, bis 2025 will der Anbieter eine Abdeckung für 99 Prozent der Bevölkerung an 10 000 neuen Standorten erreichen. In Bamberg ist derzeit noch nichts geschehen, wie das Umweltamt mitteilt.

Die Mitglieder der BI sammelten Unterschriften, die sie den Bürgermeistern von Bamberg und Stegaurach übergeben haben. Sie fordern, dass sich die Gemeinden dem Ausbau aktiv verwehren, wie dies etwa Bad Wiessee (Oberbayern), einige Schweizer Kantone und Brüssel taten. Außerdem laden die 5G-Kritiker aus der Region - Starke, Forell und Stöcklein - regelmäßig zu Infoveranstaltungen mit Wissenschaftlern, um über neue Studien zum Thema zu diskutieren. Beim "Stopp 5G Aktionstag" am 25. April waren die Kritiker im vergangenen Jahr mit einem Stand am Gabelmoo. Diesmal planen sie eine Internetaktion. "Unser Ziel ist die Information und Aufklärung", teilt Starke mit. Panik wolle man nicht verbreiten.

"Wir nehmen die Sorgen der Menschen ernst", heißt es von der Telekom. Der Anbieter halte sich an alle geltenden Richtwerte. Wie auch das Umweltamt der Stadt Bamberg sowie das für den Ausbau zuständige Bayerische Wirtschaftsministerium verweist die Telekom an das Bundesamt für Strahlenschutz. Das erklärte, "dass nach dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand keine gesundheitsrelevanten Wirkungen zu erwarten" seien.

Allerdings ist der aktuelle wissenschaftliche Kenntnisstand überschaubar, die Einschätzungen ergeben sich vornehmlich aus Forschungen zu 4G und LTE, den derzeit genutzten Mobilfunk-Technologien. Hier kann dem Großteil der Studien zufolge eine gesundheitliche Gefährdung für den Menschen "relativ ausgeschlossen werden" - wenn die Grenzwerte eingehalten werden: Bei Ratten und Mäusen konnte bei der etwa 20-fachen Strahlungsintensität des Grenzwerts eine tumor-erzeugende Wirkung nachgewiesen werden.

Über 5G gibt es nur wenige, sich teils widersprechende Studien. "Die Brüsseler sind keine Labormäuse", kritisierte deshalb pressewirksam die ehemalige Gesundheitsministerin der Region um die belgische Hauptstadt, Céline Fremault.

Wie funktioniert's, was bringt's?

Der Unterschied zur Vorgängergeneration ist vor allem ein höherer Frequenzbereich, der nur durch deutlich mehr Sender erreicht werden kann. Die neuen Sender sind kleiner und können nicht nur an Masten, sondern etwa auch an Straßenlaternen und Bushaltestellen aufgehängt werden. Aber steigt dadurch die Strahlenbelastung? Anders als vielleicht erwartet senken mehr Masten sogar die Strahlenbelastung - weil diese umso höher ist, je schlechter der Empfang ist. Über die Wirkung hochfrequenter Strahlung auf den Menschen gibt es kaum Studien. Die Bundesregierung fördert deshalb entsprechende Forschung . Bisher waren Frequenzbereiche bis 3,5 Gigahertz (GHz) üblich, 5G kann mit über 20 GHz senden. Die höherfrequenten Strahlen dringen weniger tief in den Körper ein, können aber die Körpertemperatur erhöhen. Das habe Studien zufolge keine Auswirkungen auf die Gesundheit - solange die Grenzwerte eingehalten werden.

Was bringts überhaupt? Der Nutzen für private Kunden ist überschaubar, wie auch die Telekom einräumt: "Die extrem hohen Geschwindigkeiten werden für heutige Anwendungen noch gar nicht benötigt." Allerdings begünstige die Technologie Entwicklungen wie Virtuelle Realität und autonome Maschinen. Mit 5G könnten etwa Autos reibungsfrei mit Ampeln und anderen Autos kommunizieren und so besser reagieren, gibt die Telekom ein Beispiel. Auch selbst lenkende Gabelstapler, die Material zu intelligenten Robotern ans Band bringen, ist eine Vision. Das erklärt, warum vor allem die Wirtschaft auf die Technologie drängt.

Weitere Kritikpunkte

Doch nicht nur der nicht eindeutig geklärte Einfluss auf den Menschen ist ein Argument der Kritiker. Auch gibt es Bedenken zum Datenschutz: Wegen der komplexen Anforderungen von 5G sind häufige Software-Aktualisierungen erforderlich. Es sei laut einem Bericht des Tagesspiegel zeitlich nicht möglich, diese vollständig zu überprüfen. Dadurch können sich Hintertüren für Cyber-Spionage öffnen. Auch Insekten könnten beeinflusst werden: Bienen orientieren sich etwa über das Erdmagnetfeld. Einzelne könnten die Orientierung verlieren, wie eine Studie nahelegt - die allerdings nur unter Laborbedingungen prüfte (kein Wind, höhere Strahlenintensität). "So lange dies alles nicht ausreichend geklärt ist, gilt das Vorsorgeprinzip", kritisiert deshalb Starke von "Info 5G".

Klar ist: Der Energieverbrauch wird steigen, laut einer Studie für den Stromversorger E.on allein in Deutschland um 3,8 Milliarden Kilowattstunden bis 2025. Das wäre derzeit ausreichend, um alle Einwohner Oberfrankens (1,1 Millionen) für zweieinhalb Jahre mit Strom zu versorgen.

So können Sie Strahlenbelastung reduzieren

Nutzer mehr betroffen Die Signale werden durch die neue Technologie gezielter dahin geschickt, wo sie gebraucht werden. Die höchste Strahlenbelastung haben also generell die aktiven Nutzer. Abstand zum Körper Je weiter weg von Ohr, Hirn und Geschlechtsorganen das Handy transportiert und gehalten wird, umso niedriger die Belastung für den Körper. Headsets oder Freisprecheinrichtungen sind sinnvoll, weil sich schon mit wenigen Zentimetern Entfernung die Intensität der Strahlung deutlich verringert. Guter Empfang Die Belastung ist umso größer, je schlechter das Netz ist. Anders als oft vermutet, sorgen mehr Sendemasten somit für weniger Strahlenbelastung. Also möglichst nicht im Zug, Auto oder bei schlechtem Empfang telefonieren, Nachrichten schreiben oder im Internet surfen.

Ausschalten Das Handy so oft wie möglich aus- und es vor dem Schlafen in den Flugmodus schalten, hilft am meisten. Weitere Infos Das Bundesamt für Strahlenschutz berichtet im Internet unter www.bfs.de/5g über das Thema, ebenso alle Anbieter wie die Telekom auf deren Websiten. Unter www.diagnose-funk.org kommen vor allem Kritiker zu Wort. Beide Seiten abwägend informiert die öffentlich-rechtliche Wissenschaftssendung "Quarks" (Homepage: www.quarks.de, dort "5G" suchen). makl