Was war das im vergangenen Jahr für ein trister Veranstaltungssommer: kein Bamberg zaubert, kein Blues- und Jazzfestival und keine Kerwas. Und in diesem noch jungen Jahr wackeln die Veranstaltungen schon wieder gewaltig. Noch ist Corona nicht im Griff, doch haben zuletzt die niedrigen Infektionszahlen für Bamberg und auch der Impfstart Hoffnungen geweckt, dass weitere Lockerungen und im Sommer sogar wieder große Feste möglich sein könnten.

Wer sich bei den Veranstaltern umhört, empfängt jedenfalls positive Signale: "Im Moment gehen wir davon aus, dass die Sandkerwa stattfinden kann", erklärt Horst Feulner, Geschäftsführer der Sandkerwa Veranstaltungs GmbH. Das heißt: Die Planungen mit Schaustellern, Bands und Feuerwerk laufen derzeit normal für Bambergs größtes Volksfest mit über 200.000 Besuchern, das vom 19. bis 23. August steigen soll. Sicher mit einigen Unbekannten. Aber: "Ich bin optimistisch, weil wir im vergangenen Sommer gesehen haben, dass auch ohne Impfung die Zahlen deutlich niedriger geworden sind", sagt Feulner. Hinzu komme, dass inzwischen auch die Impfbereitschaft bei den Menschen deutlich zugenommen habe.

Durchimpfung im Sommer erreicht?

Feulner ist im Krisenstab von Stadt und Landkreis und als Geschäftsführer der Betreibergesellschaft nah dran am Impfzentrum in der Brose-Arena. Er meint: Wenn genug Impfstoff da sei im zweiten Quartal des Jahres, sollte im Sommer eine Durchimpfung erreicht sein, dass im August auch eine Sandkerwa gefeiert werden könnte. "Ein gesundheitliches Risiko für die Besucher werden wir aber nicht eingehen", verdeutlicht Feulner. Sollte sich die Situation anders entwickeln, werde die Kerwa abgesagt. Eine endgültige Entscheidung müsse Ende April gefällt, Verträge dann endgültig fixiert werden. Eine erneute Absage würde, wie der Bürgerverein Sand schon 2020 gegenüber dem FT erwähnte, ein enormes Loch in die Vereinskasse reißen.

Eine "Sandkerwa light" wird es aber nicht geben. Ein Fest im öffentlichen Raum lasse keine Begrenzung zu, so Feulner. Kontrollen seien nicht möglich, schon gar nicht, ob jemand geimpft ist oder nicht. Ein Fest nur für Geimpfte lehnt der Geschäftsführer ohnehin kategorisch ab: "Ich will keine Zwei-Klassen-Gesellschaft!"

Gegen eine Begrenzung nach Impfstatus ist auch Stadtmarketingchef Klaus Stieringer. Ansonsten herrscht Zuversicht: "Im Augenblick planen wir alle Veranstaltungen durch", sagt Stieringer. Das betreffe das Literaturfestival Bamlit, das Ende April/Anfang Mai stattfinden soll. Ebenso wie die großen Veranstaltungen Bamberg zaubert vom 16. bis 18. Juli und das Blues- und Jazzfestival vom 30. Juli bis 8. August.

Alles jedoch unter Corona-Bedingungen. "Beim Bamlit geht das am einfachsten, weil wir die Möglichkeit haben, hybrid zu arbeiten." Sprich: Es wird eine Mischung aus Präsenz- und Online-Lesungen angeboten. Bei Bamberg zaubert geht so etwas natürlich nicht. Wie Stieringer betont, lebt das Fest von der Interaktion der Straßenkünstler mit dem Publikum, Abstandsregeln könnten so nicht eingehalten werden. "Wenn die Kontaktbeschränkungen im Juli weiter bestehen, ist es schwierig, das zu planen." Doch auch der Stadtmarketingchef setzt auf einen Rückgang der Zahlen und eine Durchimpfung bis zum Sommer. "Ich glaube, dass es wieder Veranstaltungen geben kann und muss."

Der Plan sei, Bamberg zaubert in der Fläche zu entzerren und womöglich zu begrenzen, auch wenn das der Straßenkunst zuwider laufe. Man sei gerade dabei abzuklären, ob dafür Auftrittsflächen in Innenhöfen möglich seien, außerdem könnte beispielsweise auch der Troppauplatz in Bamberg-Ost bespielt werden.

Sponsoring in Corona-Zeiten schwierig

Beim Blues- und Jazzfestival setzt Stieringer auf die Erfahrung aus dem vergangenen Jahr, als zwar das Festival selbst ausfallen musste, dafür aber ein Kulturfestival auf der Böhmerwiese mit entsprechendem Hygienekonzept zu überzeugen wusste. Möglich, dass die Böhmerwiese nun stärker eingebunden wird, oder auch die Jahnwiese zum Konzertort wird. Die Bookings der Bands seien bereits abgeschlossen, beinahe alle Musiker aus dem vergangenen Jahr dabei.

Eine große Herausforderung liegt laut Stieringer in Corona-Zeiten mehr denn je darin, Partner und Sponsoren zu gewinnen, damit die für Besucher kostenfreien Veranstaltungen finanziert werden können. Allein beim Blues- und Jazzfestival sei man auf Sponsoringeinnahmen von 200.000 Euro angewiesen. Stieringer fürchtet, dass eine Absage der großen Veranstaltungen zu einem Domino-Effekt führen würde: "Wenn wir absagen, sagen die anderen auch alle ab."

Damit meint er die ganzen Kerwas, die ehrenamtlich von Vereinen organisiert werden. So wie etwa in der Wunderburg. Dort wird eigentlich am dritten Juli-Wochenende um die Maria-Hilf-Kirche die beliebte Kerwa gefeiert. Laut dem Vorsitzenden des Bürgervereins Wunderburg, Dieter Gramß, laufen die Vorbereitungen für den 14. bis 19. Juli bisher allerdings nur zögerlich. Die Schausteller seien zwar informiert, der Ablauf der Kerwa sei eingespielt, der Termin bereits bei vielen fest im Kalender eingetragen. Doch darüber hinaus reicht die Planung heuer noch nicht: "Weil wir einfach nicht wissen, wie es weitergeht." Alle Beteiligten warteten nun auf Entscheidungen, ob größere Veranstaltungen erlaubt werden.

Dabei spielt aber weniger das Geld eine Rolle, das dem Bürgerverein durch eine ausgefallene Kirchweih durch die Lappen gehen könnte. Denn meist sei die Kerwa so geplant, dass sie auf null raus kommt, beziehungsweise mit einem kleinen Plus. Was laut Gramß oft vom Wetter abhängt. Viel entscheidender: "Die Leute können sich nicht treffen, das ist viel schlimmer als das Finanzielle." Deshalb hält der Bürgerverein in diesem Jahr auch am Trödelmarkt rund um die Pfarrkirche fest, der am 22. Mai stattfinden soll - unter strengen Hygieneauflagen.

Kontaktfestival eventuell erst später

Der Mai ist eigentlich auch der Monat von "Kontakt - das Kulturfestival", das inzwischen jedes Jahr tausende Menschen zu wechselnden Spielorten wie der Lagarde-Kaserne zieht. Nun denken die Organisatoren über eine Verschiebung in die zweite Jahreshälfte nach. "Außerdem rechnen wir mit einem erhöhten Aufwand für den Aufbau und die Durchführung des Festivals, um die geltenden Hygienemaßnahmen einzuhalten", schreibt das Orga-Team auf Nachfrage. "Dabei setzen wir auch auf die Unterstützung der Stadt in Form einer längeren Nutzungszusage für das zukünftige Gelände." Und das ist schon weitergedacht: "Somit hätten wir zumindest für nächstes Jahr ausreichend Planungssicherheit."