Bamberg
Maskenspiel

Wie aus wenig viel zu machen ist

Die Pantomimengruppe der Städtischen Volkshochschule begeisterte die Zuschauer mit einem ebenso ausdrucksvollen wie wortlosen Programm.
Szene aus dem VHS-Pantomimenprogramm "Abgründe: Zwischen Höhen und Tiefen" im Alten E-Werk Foto: Barbara Herbst
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Bisweilen bedarf es erstaunlich wenig, um mit großer Kunst das Publikum anzusprechen, ja in den atemlosen Bann zu schlagen, seine Augen blitzen, die Gedanken funkeln zu machen. Den wortlosen Zauber der Pantomime und des Maskenspiels ließ das elfköpfige Ensemble der Pantomimengruppe der Volkshochschule im Alten E-Werk aufleben. Unter der Federführung der aus Mitwitz stammenden Theaterpädagogin Maria Krumm (Uwe Gut zeichnete für die Technik verantwortlich) hatten die sieben Frauen und vier Männer im Herbstsemester ein überwiegend auf Improvisation gründendes Programm erarbeitet.

"Abgründe: Zwischen Höhen und Tiefen" lautete das dieser Zeit durchaus gemäße Motto. Da ging es zunächst, in rotes Licht getaucht und von entspannten Gitarrenklängen (leider vom Band, aber das ist hier kaum anders zu lösen) untermalt, hoch hinauf auf einen imaginären Vulkan. Dass diesem bei aller Naturschönheit auch Gefahr innewohnt, deutete die allein körpersprachlich dargestellte Explosion an. Der "Vulkan" durfte zum Finale abermals bestiegen werden - ein schöner Zug, der das Programm rund machte - dann aber ohne dass es zum Ausbruch kam.

Die Ensemblebilder waren durchwegs beeindruckend. Zu den Klängen von Smetanas "Moldau" beispielsweise konnte man sich die hintere Sechserkette als linken, im Böhmerwald entspringenden Quellfluss denken, die vordere Viererkette als im niederbayerischen Haidmühle sprudelnden rechten Quellfluss. Beide vereinen sich nach einem halben Hundert Kilometer (und etlichen Takten munterer Flöten- und Streicherklänge) zum "Böhmischen Meer", auf dem - wir können nicht alle Namen anführen - Ingrid Rose tänzelnd schwamm.
Dass der Pantomime auch ein gerüttelt Maß an Witz und Komik eignet, wurde in gleich zwei Szenen beim Friseur deutlich. Der Barbier schnitt seinem Kunden bei der Rasur schon mal in die Kehle, der Damenfriseur gab sich sogar einen kurzen Moment als Zahnarzt und wusste, anders als mit seinem pantomimischen Spiel, als Figaro nicht zu überzeugen, so dass ihn die Kundin (abermals Ingrid Rose) zu guter Letzt mit einer gestisch angedeuteten Pistole niederstreckte.

"Mensch Gewalt" war ein knapper Zyklus von Szenen nach Andrey Alexander betitelt, der auf die Akropolis führte und Bilder des Zeus und Athena geweihten Pergamon-Altars lebendig machte. Hier kam als eines der wenigen Requisiten ein Schwert zum Einsatz. Pantomime ist eben eine leise Kunst, die auf Sprache verzichtet (ein tierlautmalerisches Räuspern an diesem Abend ausgenommen), und doch mittels Mimik, über Gesten und körperlichen Ausdruck uns so viel zu sagen hat.

Auf knappe achtzig Minuten verteilte, eindringlich blitzende Augen-Blicke waren das, die mehr sagten als abertausend ohnehin oft nichtige Worte (oder damit seitenweise gefüllte Bände, stundenweise voll gesprochene Bänder). Zu erleben war an diesem Abend im gut frequentierten Großen Saal des Alten E-Werks, wie aus wenig viel zu machen ist - so.
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