Bamberg
Sanierungsfall

Wenn der Himmel herunterzufallen droht

In der Oberen Pfarre, Bambergs schönstem gotischem Sakralbau, bröckelt seit Jahren barocker Putz von der Stuckdecke. Jetzt wird die fast 700 Jahre alte Kirche "Unserer lieben Frau" für 5,7 Millionen Euro saniert.
Pater Klemens hebt beschwörend die Hände - von der Stuckdecke seiner Pfarrkirche bröckelt der Putz. Foto: Ronald Rinklef
Historische Gebäude zu erhalten kostet Unsummen. Der Pfarrer der katholischen Pfarrkirche "Unsere liebe Frau" in Bamberg, Pater Klemens August Droste, weiß das ganz genau. Mit einem kleinen Riss in der Stuckdecke, den man im Jahr 2008 über der Orgel entdeckte, fing alles an, erzählt der Mittvierziger. Als Experten den Schaden näher besahen, wurde rasch klar, dass es mit etwas Kitt und Farbe nicht getan war. Erschütterndes Ergebnis der Untersuchungen: Mit der Barockausstattung des imposanten gotischen Bauwerks hatte man vor 300 Jahren wesentliche Stützen des Dachstuhls einfach abgesägt, die Statik passte nicht mehr. Die Seitenwände drifteten auseinander. Immer wieder lösten sich Teile der Stuckdecke. Das alles zu sanieren kostet Millionen.

Ein Netz als provisorischer Schutz


Um eines der bedeutendsten Kirchengebäude in der Weltkulturerbestadt Bamberg überhaupt weiter nutzen zu können, wurde zunächst unterhalb der Decke ein Netz eingezogen. Und dabei hatte man der Oberen Pfarre erst in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Generalsanierung gegönnt. Wie der jetzt unter anderen mit der Sanierung beauftragte Artur Landgraf vom Amberger Ingenieurbüro ALS erklärte, hatte man damals allerdings lediglich die barocke Fassade saniert und sich den Blick auf die gotische Stützkonstruktion erspart.
Das Beispiel der Bamberger Kirche ist kein Einzelfall, weiß der Bauingenieur. Auch in Waldsassen habe man die damals noch intakte gotische Stützkonstruktion kurzerhand einer schönen Barockfassade geopfert. "Im Barock ist es immer nur um den schönen Schein gegangen, nicht um Fragen der Statik", so Landgraf.

Sanierung verschlingt Millionen


Die jetzt notwendigen Sanierungsarbeiten zur Erhaltung eines auch für das Weltkulturerbe Bamberg bedeutsamen Bauwerks gehen so richtig ins Geld. Die Architektin Ursula Huber und der Statiker Artur Landgraf rechnen mit einem Sanierungsaufwand von 5,7 Millionen Euro. Eine Summe, die Pater Klemens mit seiner 6000-Seelen-Gemeinde natürlich unmöglich allein aufbringen kann.
Kirchenpfleger Günter Schulz-Hess ist dennoch zuversichtlich, dass die Sanierung finanziell gestemmt werden kann. Allein die Erzdiözese will mit 65 Prozent der Kosten den Löwenanteil übernehmen. Dazu kommen Zuschüsse der Stadt Bamberg, der Oberfrankenstiftung, der deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Landesamtes für Denkmalpflege.
Mindestens zehn Prozent muss jedoch die Gemeinde selbst aufbringen - immerhin stolze 570 000 Euro. Pater Klemens und sein Kirchenpfleger hoffen, dass die Summe aufgebracht werden kann. Zumal sich die Sanierungsarbeiten über einen Zeitraum von vier Jahren erstrecken werden. In einem ersten Schritt wird das Langhaus eingerüstet, dann folgt der Chor . Zuletzt ist der Turm an der Reihe.
Ihre angestammte Pfarrkirche können die Gläubigen während der Sanierungsarbeiten nur bedingt für Gottesdienste nutzen. Pater Klemens, Mitglied des Karmelitenordens, kann allerdings vorübergehend in das in unmittelbarer Nähe befindliche Gotteshaus seines Ordens ausweichen. Mit einer Ausnahme: Zum "Hochfest der Oberen Pfarre" - so wird die Feier des Patroziniums der Pfarrkirche im August noch immer genannt - muss trotz aller Sanierung das altehrwürdige Gotteshaus den Gläubigen zur Verfügung stehen.

Marien-Prozession findet statt


Dann wird nämlich das Gnadenbild der Kirche - eine Muttergottes - in feierlicher Prozession in die Stadt nach St. Martin getragen. Geschieht dies nicht, steht dem Volksglauben zufolge ein Krieg vor der Tür. "Das will natürlich keiner", betont Pater Klemens, um beruhigend hinzuzufügen: "Zu unserer Prozession im August wird unsere Pfarrkirche trotz Sanierung genutzt werden können."

Spendenkonto Nr. 39594 Kirchenstiftung "Unsere Liebe Frau", Sparkasse Bamberg,
BLZ 770 500 00
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