Selbst bei Sommer-Temperaturen von über 30 Grad kommen Geistliche bei Gottesdiensten kaum um die "Kleiderordnung" herum. Auch Bestatter Rainer Schunder legt auf das korrekte Auftreten Wert. Bei Gericht jedoch gibt es ab und zu "Marscherleichterung.

Absolut keine Kompromisse gibt es beim Bestattungsunternehmer Rainer Schunder, den wir in Hallstadt erreichten: Schunder-Mitarbeiter, die in Sachen Bestattung auf dem Friedhof zu tun haben oder mit einer Überführung betraut sind, tragen immer einen dunklen Anzug, Krawatte, Weste, und, ganz wichtig, ein langärmeliges Hemd. "Das Erscheinungsbild ist schließlich unsere Visitenkarte, genauso wie die Autos", stellt Firmenchef Schunder fest. Kurzarmhemden sind selbst im Büro tabu, seit der Begegnung mit einer älteren Dame, der eben dies als besonders positiv aufgefallen war.

Bei über 30 Grad Celsius und in dunklen Anzügen, da brauchen die für Schunder Tätigen pro Beerdigung ein frisches Outfit, weiß der Chef. Entsprechend viele stellt das Unternehmen bereit. Gleichfalls die für den Hitzeausgleich erforderliche Flüssigkeit.

Noch nie Probleme mit der Hitze


Hitzebezogene Probleme habe im Übrigen noch keiner aus der Belegschaft und auch er selbst noch nicht gehabt, stellt Rainer Schunder fest. Seit nunmehr 30 Jahren ist man auf dem Bestattungssektor tätig. Die Arbeit bei der Hitze sei ihm indes wesentlich lieber, als wenn man bei extremem Frost am Grab arbeiten muss, sagt der Chef.
Zurück zur Hitze. Berufsgruppen, denen da sein Mitgefühl gilt...? Fabrikarbeiter, die den ganzen Tag an einer Maschine stehen müssen, die auch noch dauernd Hitze abgibt. Oder Pfarrer, "die tun sich noch härter als wir".

Die Geistlichkeit fällt auch Burgebrachs Bürgermeister Georg Bogensperger als erstes ein, wenn es um Berufsgruppen geht, die er bei großer Hitze bedauert. Freilich stellt für Bogensperger der Anzug die gängige Bekleidung dar, wenn er den Landrat bei offiziellen Anlässen vertritt oder in seiner Eigenschaft als Burgebrachs Bürgermeister unterwegs ist. "Wenn's ganz heiß ist, kann man schon mal die Jacke ablegen, allerdings nicht bei Prozesssionen, auch als Bürgermeister nicht", betont Bogensperger. Im Rathaus hängt das Oberhaupt der Marktgemeinde das Jackett dann schon mal über den Stuhl und legt gegebenenfalls auch die Krawatte ab.

Roben aus Merinowolle


Sehr erleichtert zeigt sich der Bamberger Anwalt Jan Schiffers über einfühlsame Richter. Normalerweise werden bei Gericht schwarze Roben getragen. Die sind aus Merinowolle, was im Sommer für entsprechende Innentemperaturen sorgt, zumal die wenigsten Gerichtssäle über Klimaanlagen verfügen.

Mit hörbarer Begeisterung erwähnt der Anwalt mit Schwerpunkt Arbeitsrecht der Hitze geschuldete Gnadenerlässe. Gerade am Arbeitsgericht erlebe er es öfter, dass Richter sozusagen von der Robenpflicht entbinden. Zu Beginn und meist recht formlos heiße es dann beispielsweise, "von mir aus können Sie angesichts der Temperaturen die Robe beiseite lassen". Deswegen könne man dann sogar im kurzärmeligen Hemd zur Streit-Sache gehen. Selbstredend, dass Schiffers zum Anzug oder unter der Robe keines seiner bunten Freizeit-Funktionshemden trägt.

Mit Robe und Anzug allerdings wird bei entsprechenden Temperaturen nach jeder Verhandlung ein Wechsel der unter der Robe getragenen Kleidung erforderlich. Auch wenn der Anwalt im Sommer schon auf leichtere Anzüge und Hemden setzt. Berufsgruppen, die es hitzetechnisch wirklich trifft, sind in seinen Augen Straßenarbeiter oder etwa Kranführer. Aber zumindest sehe man ja nicht, was der oben auf dem Kran trägt (Anmerkung der Redaktion: oder auch nicht trägt...).

Der Rauchmantel bleibt auch mal im Schrank


Was Mistendorfs Pfarrer Otto Wohlleber bei allergrößter Hitze abzulegen bereit ist, das ist der schwere Rauchmantel. Aber eigentlich auch nur wegen des doch nicht unerheblichen Gewichts. Ansonsten bleibt alles wie es ist: über Hemd und Hose kommt der Talar, darüber der Chorrock und zu guter Letzt wird die Stola umgelegt. "Damit fühle ich mich gut und wohl", sagt der Geistliche, der seit über 40 Jahren in seinem Priesteramt aufgeht.

Ihren Beruf liebt Wirtin Inge Haderlein vom Breitengüßbacher Hotel "Vierjahreszeiten" ebenfalls. Beim Bedienen muss man schnell sein, was bei sommerlichen Temperaturen eine schweißtreibende Angelegenheit ist. "Denken muss man ja auch noch." Die Lösung: Die Kleidung wird angepasst. Servicepersonal und Azubis tragen leichte, kurzärmelige Leinenblusen. Die Chefin greift zum Sommerdirndl, das ohne Bluse auskommt. Bei der Arbeit auf den Zimmern dürfen (weiße) T-Shirts getragen, die Westen weggelassen werden. Wer der Chefin leid tut? "Die an den Rezeptionen, die dunkle Anzüge tragen müssen..."