Seit 150 Jahren gibt es das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Auch der Bamberger Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) kann mittlerweile auf sein 131-jähriges Bestehen zurückblicken. In dieser Zeit hat sich vieles geändert. Alleine in den letzten 50 Jahren hat eine Menge Technik Einzug gehalten.

"Ich kann mich noch genau erinnern, als ich Ende der 50er- Jahre als 16-Jähriger der BRK-Ortsgruppe in Scheßlitz beigetreten bin, hat es weder Fahrzeuge noch sonst irgendwelche technische Ausrüstung gegeben", schildert Manfred Weber.

Der Sanitätsdienst für die Jugendlichen beschränkte sich damals auf Sportplatzwachen und Dienste im Scheßlitzer Krankenhaus. Hier musste Weber beispielsweise die Türen aufhalten und die Besuchszeiten überwachen.
"Die Ordensschwestern achteten streng darauf, dass keiner der Besucher die Besuchszeiten - Patienten durften nur täglich zwischen 14 und 16 Uhr aufgesucht werden - missachtete", erläutert Weber. Er musste durch die einzelnen Zimmern gehen und die Besucher, die meistens noch bleiben wollten, aus dem Krankenhaus hinausbegleiten.

Polizei brachte das Spenderblut

Später, als er schon im Labor des Krankenhaus angefangen hatte zu arbeiten, half er auch bei den Blutspendeterminen mit. "Blutkonserven für unsere Patienten zu bekommen war Anfang der 60er-Jahre sehr schwer. Blutkonserven in Glasflaschen gab es eigentlich nur in Würzburg." Wenn das Krankenhaus dann diese anforderte, wurden sie von der Polizei überbracht.

Die ersten Blutspenden wurden in Scheßlitz sogar noch direkt übertragen. Dazu, so schildert Weber, habe es eine eigene Blutspenderdatei gegeben. Und wenn eine bestimmte Blutgruppe gebraucht wurde, hat man den betreffenden Spender ins Krankenhaus gebeten.

Später dann gab es in Scheßlitz mehrere Einsatzfahrzeuge, mit denen Krankentransporte durchgeführt oder Verunglückte ins Krankenhaus transportiert wurden. "Es gab hier zwei hauptamtliche Einsatzkräfte, die diese Fahrzeuge fuhren. Und immer wenn Not am Mann war, durfte ich meine Arbeit im Labor unterbrechen und musste ebenfalls mit einem der Fahrzeuge ausrücken", schildert Weber.

Gut erinnern kann sich der Scheßlitzer auch noch an die 80er-Jahre. 1985 übernahm er als Bereitschaftsleiter die Scheßlitzer Sanitätskolonne. "Damals waren Männern und Frauen noch strikt getrennt. Die Männer waren in der Sanitätskolonne tätig, die Frauen hingegen in der Bereitschaft." Erst Ende der 80er Jahre änderte sich das: es gab dann nur noch eine Bereitschaft.

Seine Tätigkeit als Bereitschaftsleiter hat Manfred Weber nach 20 Jahren inzwischen abgegeben. Aber noch immer ist er als Ausbilder beim BRK aktiv tätig. "Nächsten Jahr kann ich auf 50 Jahre als Ausbilder für Erste Hilfe zurückblicken. Ein Tatsache, die mich sehr freut, denn dadurch konnte ich über Jahrzehnte hinweg indirekt mitwirken, dass Menschen gerettet werden", resümierte Weber.

Ein Unglück gab den Anstoß

Der Strullendorfer Wolfgang Philipp hingegen verdankte seine Tätigkeit bei der BRK-Wasserwacht einem traurigen Anlass: "1964 war der Kanal in Strullendorf mit seinem sauberen Wasser ein beliebter Badeort. Auch ich war damals mit Freunden beim Schwimmen, als zwei junge Menschen ertranken."

Zwar habe er mit anderen Badenden versucht, diese zu retten, aber letztendlich konnten sie die beiden Ertrunkenen nur noch tot aus dem Wasser ziehen. Kurz nach dem Unglück sei er dann der Wasserwacht-Ortsgruppe in Hirschaid-Strullendorf beigetreten, sagt Philipp.

Innerhalb weniger Jahre wuchs die Ortsgruppe immer stärker an, so dass sich 1969 in Strullendorf eine eigene Ortsgruppe gebildet hatte. "Wir hatten damals noch nicht einmal ein eigenes Boot. Die Hirschaider hatten zwar angefangen, eines zu bauen, hörten aber mittendrin auf. Wir fragten, ob wir es fertigstellen dürften. So kamen wir zu unserem ersten eigenen Boot".

Zum Training nach Erlangen

Auch habe es in den 70er Jahren in Hirschaid noch kein eigenes Hallenbad gegeben. Daher sei die ganze Ortsgruppe immer mit einem Planenbus zum Schwimmtraining nach Erlangen gefahren. Und zwar so lange, bis in Bamberg das Hallenbad eröffnet wurde. Dennoch bezeichnet Philipp diese Zeit als "schön". Zumal vieles unkomplizierter gewesen sei.

So beispielsweise der Bau der Hütte am Kilometer 12 am Kanal. "Wir hatten lange Zeit unsere Versammlungen in Nebenzimmern von Gastwirtschaften durchgeführt. Später pachteten wir einen Raum im Schwalbenhof, nachdem der dortige Juwelier aus Altersgründen sein Geschäft aufgegeben hatte."

Die Hütte gibt es noch

Doch dann sei die Idee entstanden, ein eigenes Haus zu errichten, wo die Wasserwacht auch ihr Boot und ihre Geräte unterbringen hätte können. Und als sie von der Gemeinde besagtes Grundstück am Kanal bekamen, seien die Mitglieder sofort ausgerückt und hätten im benachbarten Wald Bäume gefällt. Heute existiert die Hütte noch immer und ist inzwischen sogar Rettungsstützpunkt.