Horrorvorstellung: Man kommt vom Einkaufen und plötzlich wird man von zwei Menschen bedroht, Geld und Einkauf rauszurücken. Wenn die Angreifer dann noch Waffen dabeihaben, wird es brisant. Doch wie geht man in diesem Fall am besten damit um? Als Opfer ist man möglicherweise schnell überfordert. Aber auch Zeugen können mitunter ein paar Tipps gebrauchen, in der Lage einen kühlen Kopf zu bewahren.

Szenarien wie das obige Beispiel stellen jedoch nur einen Bruchteil der Gewaltkriminalität in Bayern dar: Unter die Kategorie "Raub/Räuberische Erpressung" fielen im Jahr 2019 2083 Fälle in Bayern. Das bedeutet einen Rückgang um 4 Prozent zum Vorjahr. In 75 Prozent der Situationen wird die Tat auch "durchgezogen". Nur bei einem Viertel bleibt bei es bei einer Androhung. Auf Nachfrage beim Polizeipräsidium Oberfranken gibt Pressesprecher Alexander Czech Antworten für Opfer und Zeugen.

Wie verhalte ich mich, wenn ich ausgeraubt werde?

Grundsätzlich gelte für Opfer und Zeugen gleichermaßen: Man sollte seine Gesundheit oder gar sein Leben durch massive Gegenwehr nicht unverhältnismäßig gefährden. Es komme natürlich darauf an, ob die Täter bei ihrem Übergriff bewaffnet sind, wie sie ihr Opfer verletzen oder ob sie "nur" Drohungen mit Gefahr für Leib oder Leben äußern und dann die Wertsachen wegnehmen, bzw. sich geben lassen. Gerade wenn man als Opfer körperlich unterlegen ist, sollte man keine Gegenwehr leisten und erst recht keine Waffen oder Gegenstände, welche man als Waffen benutzen könnte, verwenden.

"Je nachdem, wie sich die Situation ergibt, sollte zumindest die Polizei verständigt werden", rät Czech dem Opfer. Beim Anruf sollten die wichtigsten Details und Angaben zu möglichen Verletzungen genannt werden. Gleiches gilt auch für mögliche Zeugen, die man zur Hilfe rufen solle. Diese können dann je nach Lage weitere Hilfe von anderen Passanten erfragen. Das ist abhängig davon, wie belebt der Ort ist. Eventuell kann man die Täter mit ausreichend Personen - unter Vermeidung eigener Gefährdung - überwältigen. "In diesem Fall ist es erlaubt, die Tatverdächtigen so lange festzuhalten, bis die Polizei eintrifft", erläutert der Ordnungshüter.

Zudem könne das Opfer die Täter von unüberlegtem Handeln abhalten: "Hören Sie den Tätern genau zu und befolgen Sie ruhig und widerspruchslos die Anweisungen", erklärt der Pressesprecher.

Im Falle eines Raubüberfalls: Genau zuhören und Details merken

Wichtig sei immer, sowohl für das Opfer als auch die Zeugen, sich das Aussehen der Täter, Bekleidung, mitgeführte Gegenstände, die Sprache, mögliche Besonderheiten, Fluchtmittel wie Fahrräder oder Autos und Fluchtrichtung und andere Details zu merken. "Prägen Sie sich die persönlichen Merkmale der Täter ein. Konzentrieren Sie sich dabei auf einen Täter, dann können Sie diesen später besser beschreiben", rät Czech einem möglichen Opfer. Auch Bilder und Videos von den Tatverdächtigen sind insbesondere für Fahndungen, aber auch für den Gerichtsprozess sehr hilfreich. "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!", weiß Polizeisprecher Czech. Taten wie diese wurden 2019 immerhin zu 74 Prozent aufgeklärt.

So ein Überfall kann seelisch belastend sein. Für diese Fälle gibt es zum Beispiel die Beauftragten der Polizei für Kriminalitätsopfer, die den Opfern Hilfe vermitteln können. In Coburg, Hof und Bamberg gibt es jeweils eine Mitarbeiterin vor Ort, die Bürger telefonisch oder persönlich berät. Als Opfer von Kriminalität könne man sich auch an den "Weißen Ring" wenden.