Bamberg
Landesgartenschau

Was geschieht mit der Erba-Ausstellung?

Wie geht es mit der Ausstellung zur Geschichte Gaustadts und der Erba nach dem Ende der Landesgartenschau weiter? Die Stadt ist am Zug, hat aber noch nichts entschieden.
Die  Exponate  über die  Zwangsarbeiter   in der Erba-Ausstellung  bedeuten Andreas  Dornheim besonders viel, weil sie "so schwer zu beschaffen waren".  Foto: Ronald  Rinklef
Die Exponate über die Zwangsarbeiter in der Erba-Ausstellung bedeuten Andreas Dornheim besonders viel, weil sie "so schwer zu beschaffen waren". Foto: Ronald Rinklef
Zehn Wochen können eine kurze oder lange Zeit sein. Es kommt auf den Blickwinkel an. Andreas Dornheim, der die Erba-Ausstellung für die Landesgartenschau mitentwickelt hat, wird mit Blick auf den 7. Oktober jedenfalls schon etwas unruhig. Er wüsste gerne deutlich vor dem Finale der Gartenschau, wie es mit der "verwobenen Geschichte" weitergeht.

Denn wenn sie zu einer Dauer einrichtung werden soll, wie es die CSU und SPD Gaustadt unabhängig voneinander in Anträgen an den Oberbürgermeister beantragt haben, dann geht das nicht von heute auf morgen. "Für uns ist es wichtig, dass wir einen Vorlauf haben", sagt Dornheim, Professor für neue und neueste Geschichte an der Bamberger Hochschule. Mit "wir" meint er Professorin Heidrun Alzheimer, die die Idee zu der Schau hatte, und die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Svenja Gierse und Stefanie Kießling: "Wir müssen die Leihgeber ja auch fragen, ob sie uns die Objekte weiterhin zur Verfügung stellen."

Bei etlichen Exponaten handelt es sich um einmalige Dokumente aus Privatbesitz. Besonders am Herzen liegt Dornheim der Spind, der über ein bislang kaum erforschtes Kapitel der Erba-Geschichte Auskunft gibt: den Einsatz von Zwangsarbeitern in der Kriegsproduktion.

Etwa 600 ausländische Arbeitskräfte lebten in den Kriegsjahren in Gaustadt: "Ein Teil arbeitete für die Erba, ein Teil für Nürnberger und Schweinfurter Rüstungsunternehmen", heißt es im Katalog zur Ausstellung. Die Nürnberger Aluminiumwerke firmierten 1944/1945 unter dem Tarnnamen "Inselwerk Bamberg". Einer, der darin arbeiten musste, war der italienische Kriegsgefangene Remo de Melis. Er gehört zu den Zeitzeugen, die das Team der Uni Bamberg befragt hat. Dafür war man eigens zu dem inzwischen 88-Jährigen nach Alanno in den Abruzzen gefahren, berichtet Dornheim. Remo de Melis gab nicht nur Auskunft, sondern vertraute den Besuchern aus Bamberg auch viele persönliche Papiere und Gegenstände an. Sie wurden zu Dornheims Lieblings-Exponaten, "weil sie so schwierig zu beschaffen waren".

De Melis ist aber nur einer von vielen Leihgebern, die rechtzeitig informiert und eingebunden werden müssten, soll die Ausstellung über den 7. Oktober hinaus oder gar dauerhaft Bestand haben. Insofern hofft Andreas Dornheim auf eine baldige Entscheidung, wie es mit der Ausstellung weitergehen soll.

Am Zug wäre jetzt die Stadt Bamberg. Sie müsste der Landesgartenschau-Gesellschaft als Eigentümerin der Ausstellung ein wie auch immer geartetes Angebot zu deren Erwerb machen, sagt Geschäftsführerin Claudia Knoll. Andernfalls ginge sie am 7. Oktober zu Ende: "Die Stadt müsste jetzt schauen, dass sie Räume findet und uns signalisieren, dass sie die Ausstellung haben will." Knoll fände es "super", wenn die "verwobene Geschichte" als Ganzes erhalten bliebe. Die Geschäftsführerin wüsste nicht, dass für eine andere bayerische Landesgartenschau die Historie des Standorts jemals vergleichbar umfassend und anschaulich präsentiert worden wäre.

Gebäude gehört der Insula GmbH


Im alten Batteurgebäude, in dem die Baumwoll-Ballen früher vor der Weiterverarbeitung aufgeschlagen wurden, ist die Ausstellung sehr passend untergebracht. Dass sie dort eine Zukunft hat, erscheint momentan jedoch unwahrscheinlich. Das Gebäude gehört den irischen Investoren.

Wie sie das denkmalgeschützte Gebäude samt benachbartem Turm einmal nutzen wollen, weiß derzeit niemand. Harald Lang, der Leiter des städtischen Planungsamtes und Co-Geschäftsführer der Landesgartenschau GmbH gibt ehrlich zu: "Wenn wir wüssten, was sie planen, wären wir auch glücklicher." Er versichert, dass die Stadt die Investoren-Vertreter schon wiederholt nach der Zukunft des Turms gefragt hat, aber leider keine klare Auskunft erhielt. Lang selbst könnte sich die Erba-Ausstellung auf Dauer am jetzigen Standort vorstellen; vielleicht verbunden mit einer gastronomischen Nutzung. Wenn es dort nicht klappt, sieht er auf der Erba-Insel allerdings keinen anderen Platz für die "verwobene Geschichte".

Es würde "Sinn machen, sie vor Ort zu behalten", findet Rathaus-Pressesprecherin Ulrike Siebenhaar. Dazu wären aber noch viele Gespräche nötig. Vielleicht sei auch erst eine Übergangslösung erforderlich. Wann sich der Stadtrat mit den Anträgen der Gaustadter CSU und SPD zum Erhalt der Ausstellung befassen wird, konnte sie nicht sagen. Das Kommunalparlament macht jetzt erst einmal Sommerpause.

Wo auch immer auf dem Erba-Gelände oder an anderer Stelle in Gaustadt: Dornheim sagt, es würde ihn und seine Mitstreiterinnen freuen, wenn ihre Grundlagenarbeit zur Geschichte Gaustadts und der Erba Bestand hätte und noch ausgebaut werden könnte. Eigentlich stecke man noch mitten in den Recherchen. Nur vier Monate Zeit waren dem Uni-Team nach der Zusage der Gartenschau-Gesellschaft im Dezember 2011 bis zur Eröffnung im April geblieben. In den Archiven und bei ehemaligen Erba-Arbeitern liegt laut Dornheim aber noch viel interessantes Forschungsmaterial, das darauf wartet, ausgewertet zu werden.

Man würde vor allem dem Einfluss der Fabrik auf den Alltag in der Gemeinde Gaustadt zwischen 1890 und 1950/1960 gerne noch intensiver nachspüren. Das Aufkommen der Arbeiterbewegung, die Rolle der Gewerkschaften und die Entstehung der typischen Gaustadter Milieus, die in der Ausstellung schon grob skizziert werden, interessieren laut Dornheim besonders.

"Gaustadt eher vernachlässigt"


Das vor 40 Jahren eingemeindete Gaustadt hätte es verdient, findet der Professor, dass die Stadt Bamberg sich für den Erhalt der Ausstellung ins Zeug legt: "Die Gaustadter Geschichte wurde bisher eher vernachlässigt." Was seiner Meinung nach dafür spricht, sie zu bewahren: Wegen der Vorarbeit wäre sie für relativ wenig Geld zu haben. Und sie tauche in den Alltag ein, "holt die Menschen in ihrer bzw. der Lebenswelt ihrer Eltern und Großeltern ab". Vor den historischen Fotografien aus dem Fabrik-Alltag habe er schon oft kleine Gruppen von Besuchern beobachtet, die versuchen, Verwandte zu identifizieren, die in der Erba gearbeitet haben.

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