Die Soldaten- und Reservistenkameradschaft Walsdorf gibt es seit 125 Jahren. 1961 trat der damals 24-jährige Walter Uhl in den Verein ein. Berührungspunkte gab es auch schon vorher eine ganze Menge - das elterliche Gasthaus war in jener Zeit der Treffpunkt des Krieger- und Militärvereins Walsdorf-Kolmsdorf-Erlau, der sich 1992 mit der Reservistenkameradschaft vereinigte.

In den Krieg musste Walter Uhl nicht ziehen. Er war bei Kriegsbeginn noch ein kleines Kind. Gleichwohl war der Zweite Weltkrieg prägend für sein späteres Handeln, denn sein Vater war Berufssoldat. Der Heranwachsende sah ihn nach Ausbruch des Krieges nur noch zweimal für sehr kurze Zeit, Fronturlaub 1942 und 1944. Michael Uhl kehrte nicht heim, er verhungerte in Kriegsgefangenschaft. Walter Uhls Stimme gerät auch heute noch ins Stocken, wenn er von den bösen Ereignissen in seiner frühen Jugend berichtet.

Den toten, gefallenen und vermissten Kameraden ein ehrenvolles Andenken zu bewahren, aber auch Mahner zu sein für künftige Generationen, Fürsorge für die Hinterbliebenen, sich austauschen zu können, die Pflege der Kriegsgräber im Ausland - mit diesem Gedankengut des Vereins konnte sich der junge Walter Uhl identifizieren.
Im Gründungsjahr 1886 sah das alles noch ein bisschen anders aus, wie Andreas Feulner, der langjährige Vorsitzende des Jubelvereins in einem kurzen Rückblick reflektierte. "Seit 1874, noch berauscht von dem siegreichen Krieg von Preußen-Deutschland gegen Frankreich, schossen in allen Gemeinden Krieger- und Veteranenvereine wie Pilze aus dem Boden. Man wollte wieder gesellig sein, und sich der Kämpfe und Siege erinnern." "Es war der letzte gewonnene Krieg", wie Oberstleutnant Philipp Moor, der Kreisvorsitzende des Bayerischen Soldatenbundes, schlicht bemerkte.

Der Festakt in Kolmsdorf wurde von Reinhold Stärks Kapelle "Blaue Zipfel" umrahmt und begleitet, einem Ableger des Walsdorfer Blasmusikvereins. Ihre Tiroler "Freiheitslieder" boten dem Schirmherrn MdB Thomas Silberhorn eine (musikalisch gelungene) Plattform für seine Grußworte. Der Abgeordnete begrüßte Bürgermeister Heinrich Faatz (CSU) als den "Andreas Hofer von Walsdorf" und erkundigte sich nach dem Sachstand seiner "separatistischen Bewegungen" (Walsdorf will die Verwaltungsgemeinschaft mit Stegaurach auflösen).
Silberhorn lobte die Arbeit und die außergewöhnliche Beständigkeit des Vereins. Der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag sieht die Soldaten- und Reservistenvereine vor dem Hintergrund der Auslandseinsätze der Bundeswehr und der Aussetzung der Wehrpflicht vor ganz neuen Aufgaben.
"Wenn sie alle nicht mehr auf das Liedblatt schauen, sondern auf die Speisekarte, dann muss ich schneller predigen." Das musste er nicht - Pfarrer Wolfgang Stefan und Diakon Josef Geisinger führten die Gemeinde durch den ökumenischen Gottesdienst. Vorangegangen war eine Totenehrung am Kolmsdorfer Kriegerdenkmal. Auf einem Denkmal in Walsdorf ist auch der Name Michael Uhl eingemeißelt.