Bamberg
Weltkulturerbe

Vor einem halben Jahr war es noch eine Ruine

Im Bamberger Gärtnerviertel macht die Rettung des historischen Gärtnerhauses Tocklergasse 1 sichtbare Fortschritte. Begonnen hat sie 2010 mit einem Besitzerwechsel. Peter Fröhlich aus Baunach (Lkrs Bamberg) erwarb das ruinös wirkende Anwesen und legte noch im Dezember mit der Sanierung los. Es entsteht ein Wohnhaus mit viel Charme.
Der Blick von der Mittelstraße auf das Sanierungsobjekt im Gärtnerviertel lässt den frei gelegten Fachwerkgiebel erkennen. Im Hintergrund erhebt sich der Turm der Ottokirche. Alle Fotos: Ronald Rinklef
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Vor sieben Monaten begann die Sanierung des alten Gärtnerhauses in der Tocklergasse 1 in Bamberg, das Jahrzehnte lang dem Verfall preis gegeben war. Die Aufgabe, das Einzeldenkmal zu retten, ging mit Peter Fröhlich aus Baunach ein Mann an, der nicht völlig branchenfremd ist. Das möge von Vorteil gewesen sein, sagt der Bauherr bescheiden bei einem Ortstermin. Sonst hätte ihn das Vorhaben vielleicht schon die eine oder andere schlaflose Nacht gekostet.

So aber scheint alles nach Plan zu laufen. Dass bisher Überraschungen - vor allem unangenehme - ausgeblieben sind, führt der Bauherr auf die gründliche Vorbereitung zurück. Dazu gehörte eine Befunduntersuchung durch den Bamberger Restaurator Harald Spitzner. Wenn man vorher genau plane und untersuche, könne man so eine Sanierung vorbereiten, "ohne dass man in die Kostenfalle gerät", versichert Spitzner.
Fröhlich bestätigt die Aussage nickend. Das Geld für solche Untersuchungen zahle sich aus. Darin sind sich die beiden Männer einig.


Konstruktiv ist das Haus wieder auf der Höhe. Alle statischen Probleme seien inzwischen gelöst, "es geht jetzt nur noch um die Schönheit", so Fröhlich. Das heißt, der Dachstuhl, die Deckenbalken und das Giebelfachwerk sind stabilisiert und damit die Standfestigkeit des Häuschens wieder hergestellt.
Küche, Ess- und Wohnzimmer liegen im Erdgeschoss, das noch die Aufteilung aus der Entstehungszeit aufweist: Links vom Flur befanden sich die gute Stube und die Küche, rechts ein Stall, das künftige Wohnzimmer.
Unter Dach werden Bad, Schlaf- und Kinder- bzw. Arbeitszimmer untergebracht.

Klarheit über das Alter des Fachwerkhauses , das in der Denkmalliste noch vage der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert zugeordnet wird, haben Untersuchungen des Bauholzes gebracht. Laut Restaurator Spitzner wurde das Baujahr 1703 ermittelt. Es ist aber nicht das erste Wohngebäude, das an dieser Stelle im Gärtnerland steht: Das Grundstück war schon zu Zeiten von Petrus Zweidler mit einem größeren Haus bebaut, der 1602 den ersten Stadtplan von Bamberg gezeichnet hat.

In Abstimmung mit der Denkmalpflege wurde an der Tocklergasse 1 das Fachwerk in den Giebeln wieder freigelegt. Der Restaurator vermutet, dass es - obwohl Sichtfachwerk - schon im 18. Jahrhundert verputzt wurde.

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