Die von Kritikern bereitgestellten Tomaten blieben in der Kiste. Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) schaffte es, den aufgestauten Volkszorn im Bamberger Norden mit wenigen Worten zu besänftigen: "Wir haben einen alternativen Standort für die Moschee des deutsch-arabischen Kulturvereins gefunden."

Genau darauf hatten die Besucher, die im sich besetzten Pfarrsaal St. Otto eingefunden hatten, gehofft: Seit Sommer 2019 herrscht in Bamberg-Nord rund um die Baunacher Straße der Ausnahmezustand. Damals hatte die Verwaltung die beantragte Umnutzung von Räumen eines Gewerbegebäudes zur Moschee des deutsch-arabischen Kulturvereins genehmigt; Stadtrat und Bürger erfuhren erst nachträglich davon.

"Mangelnde Bürgerbeteilig" als Problem

Was die Bewohner rund um die Sackgasse zwischen Hallstadter und Coburger Straße auf die Barrikaden treibt, ist nicht nur die Tatsache, dass sich nun drei muslimische Einrichtungen in unmittelbarer Nachbarschaft befinden und der Parksuchverkehr zu muslimischen Feiertagen erhebliche Ausmaße erreicht.

Es war vor allem die Tatsache "mangelnder Bürgerbeteiligung" und die offensichtliche Benachteiligung gegenüber über einem anderen Stadtteil, die in Bamberg-Nord verärgerte. Denn gegen die gleiche Moschee hatte man sich in der Ottostraße im Haingebiet erfolgreich zur Wehr gesetzt.

Starke räumt mittlerweile ein, Fehler gemacht und die Problematik unterschätzt zu haben. Persönlich bedauert der OB auch die unglücklichen Äußerungen von Baureferent Thomas Beese über Bamberg-Nord im November 2019 während einer Bürgerversammlung. Sie waren von vielen Zuhörern im Norden als Herablassung und Beleidigung eines ganzen Stadtteils verstanden worden.

Andererseits betonte das Stadtoberhaupt auch, wie sehr die Verwaltung bei der Ansiedlung muslimischer Glaubensgemeinschaften unter Druck steht: "Es sind häufig die gleichen Leute, die sich für Religionsfreiheit aussprechen und dann einen Rückzieher machen, wenn eine Moschee in ihrer Nachbarschaft entstehen soll." Hört man Starke und seinen Finanzreferenten, ist auch der Mangel an geeigneten und bezahlbaren Immobilien in Bamberg ein Problem. 30 Gebäude seien für den deutsch-arabischen Verein unter die Lupe genommen worden.

Befürchtungen, dass auch am neuen Standort Anwohner auf die Straße gehen könnten, muss die Stadt nicht haben. Die nächste Siedlung liegt rund 500 Meter vom Bundessortenamt entfernt. Wie Starke sagt, soll ein Teil der ehemaligen Behördengebäude für die neuen Gebets- und Versammlungsräume hergerichtet werden. Die Stadt hatte die vor den Toren der Stadt in der Südflur befindliche Liegenschaft vor etwa einem Jahr erworben, um ihre Stadtgärtnerei hierher umzusiedeln und damit am Münchner Ring die Voraussetzung für Wohnraum zu schaffen. Nun werde unter neuen Voraussetzungen neu nachgedacht.

Wie kommt die überraschende Entwicklung bei den Betroffenen an? "Wir sind sehr froh, dass die Stadt Bamberg einen alternativen Ort für uns gefunden hat", sagt der Vorsitzende des deutsch-arabischen Kulturvereins. Der Verein habe Verständnis für die Klagen aus der Nachbarschaft gehabt und die Bedenken auch nie als persönliche Ablehnung betrachtet. "Auch wir haben die räumliche Platzierung in nächster Nähe zu einer weiteren großen Moschee nicht als optimal empfunden. Nun sind wir froh, genug Parkplätze und mehr Freiraum zu haben."

Auch in der Bürgerschaft kommt die Wende gut an: Für Christina Keidel vom Bürgerverein Bamberg-Nord ist es der Beweis, dass sich das "zähe Ringen" gelohnt hat: "Damit haben wir eine Entzerrung der islamischen Einrichtungen in der Stadt." Norbert Tscherner vom Bürgerverein Gereuth glaubt nicht, dass es auch im Süden Ärger geben wird. "Wir sind froh, dass es so läuft und glauben nicht, dass die Gebetsräume in der Südflur irgendwen stören." Und was sagt Christiane Laaser, die langjährige Flüchtlingshelferin? "Auch ich habe die Konzentration von muslimischen Einrichtungen im Norden nicht gut gefunden. Wenn der deutsch-arabische Verein damit einverstanden ist, bin ich es auch."

Die Stadt geht derzeit davon aus, dass es bis August dauert, die nötigen Räume am Sendelbach zu ertüchtigen. Um die Parksituation während des Ramadan im April und Mai zu entspannen, wurde eine Vereinbarung mit dem benachbarten Norma-Markt getroffen. "Die Gläubigen können auf dem Norma-Grundstück parken", verspricht Referent Ralf Haupt.