Markus Kropf, der Kapitän des Personenschiffes "Stadt Bamberg", steht am Bug seines Schiffes, blickt ins leicht schaukelnde Wasser und lächelt verschmitzt, wenn er an alte Zeiten und Geschichten zurückdenkt. Besonders lebhaft in Erinnerung ist ihm ein vorwitziger Schüler in den 80er-Jahren. Er selbst war zu jener Zeit noch ein junger Bub, als sein Vater Fritz Kropf mit einer Ausflugsklasse unterwegs war. "An der Markusbrücke hat der Schüler sich einfach irgendwo festgehalten und blieb dort hängen, während das Schiff weiterfuhr", grinste Kropf. Sein Vater wendete daraufhin umgehend bei der Gaustadter Schleuse das Schiff - vorher konnte er nicht drehen - und holte den immer noch an der Brücke baumelnden Schüler ab. Passiert war glücklicherweise nichts weiter.

Es gäbe sicherlich noch viele Geschichten zu erzählen.
So beispielsweise, als eines Tages im August 1989 durch eine Fehlsteuerung der Turbinen an der Erba-Insel ganz "Klein Venedig" und auch die beiden Personenschiffe auf dem Trockenen lagen. Oder der Umzug der Bamberger Symphoniker 1993 vom Dominikaner-Bau in die neu erstellte Konzerthalle. "Das Orchester fuhr auf einer Fähre und wir haben mit unseren beiden Schiffen die Ehrengäste befördert", berichtet Markus Kropf.

Längst Haupterwerb

Inzwischen sind viele Jahre vergangen und Markus Kropf und sein Bruder Oliver Laudt haben nicht nur die Ruder der Schiffe übernommen, sondern führen auch das von ihrem Vater gegründete Unternehmen erfolgreich weiter. Was zunächst als Nebenerwerb für die Sommermonate zu dem etablierten Fischgroßhandel gedacht war, ist inzwischen für die Familie zum Haupterwerb geworden und kann dieses Jahr auf sein 40. Jubiläum zurückblicken. Das Geschäft mit dem Fisch hingegen hat die Familie Kropf im Jahre 1991 aufgegeben. Hauptsächlich deswegen, weil beide Geschäfte sich immer mehr überschnitten und zu einer zu großen Belastung geworden waren. "Mein Vater hat sich daher schweren Herzens vom Fischgroßhandel getrennt", so Kropf.

Doch allzu groß dürfte seine Trauer nicht gewesen sein. Denn schließlich machte Fritz Kropf seine "zweite" Leidenschaft, das Fahren auf und mit Schiffen, zum Broterwerb. "Mein Vater ist schon als kleiner Junge sehr gerne mit den alten Haindampferla mitgefahren und hat mitgeholfen, wo es nur ging", schildert Markus Kropf. Der Schiffsverkehr mit den alten, kleinen Schiffen wurde dann jedoch Anfang der 70er-Jahre eingestellt. Zu jener Zeit beschloss Fritz Kropf, sein "Glück" auf eigene Faust zu suchen und begab sich auf die Suche nach einem geeigneten Schiff, mit dem er die Personenschifffahrt fortsetzen wollte.

"Fündig geworden ist er 1974 am Rhein. Dort konnte er die Beethoven, ein 18 Meter langes und 3,60 Meter breites Schiff mit Baujahr 1927, erwerben", berichtet Kapitän Kropf. Und eine Woche nach seiner Geburt wurde das Schiff nach Bamberg überführt, auf den Namen "Stadt Bamberg" umgetauft und in Betrieb genommen. Zwölf Jahre fuhr es dann überwiegend in den Sommermonaten auf der Regnitz und den Main entlang.

"Dann hat auch der Tourismus immer mehr zugenommen und wir merkten schnell, dass das Schiff zu klein wurde und mit seiner Ausstattung und Einrichtung auch nicht mehr den gestiegenen Ansprüche der Gäste entsprach", berichtet Markus Kropf. Daher habe sich sein Vater zusammen mit seiner Frau Christl, die selbst 1982 das Schiffpatent erwarb, erneut auf die Suche nach einem größeren Schiff gemacht. Kein leichtes Unterfangen allerdings. Denn das Schiff musste durch die niedrigen Bamberger Brücken passen, Platz in der engen Gaustadter Schleuse finden und mit dem relativ niedrigen Wasserstand auskommen. Und da die beiden Eheleute kein geeignetes Schiff finden konnten, beschlossen sie kurzerhand, zusammen mit einem erfahrenen Schiffsbaumeister, ein eigenes zu bauen.

Ganze neun Monate haben die Familie und mehrere Werftarbeiter daran gebaut, ehe das neue, zwanzig Meter lange und 170 Personen fassende Schiff vom Stapel laufen konnte. "Am 17. Juni 1983 konnte es in Dienst gestellt werden. Getauft wurde es auf den Namen meiner Mutter, Christl", erinnert sich Oliver Laudt. Die alte "Stadt Bamberg" fuhr dann noch einige Jahre weiter, ehe sie in den verdienten "Ruhestand" geschickt und verkauft wurde.

Unternehmergeist

Doch es dauerte nur drei Jahre, dann bewiesen Fritz Kropf und seine Frau Christl erneut Unternehmergeist und gaben ein weiteres Schiff in Auftrag. Die feierliche Einweihung fand am 27. Mai 1986 statt. Markus Kropf war damals ein dreizehnjähriger Steppke. Das 25 Meter lange Schiff fasste 238 Personen und erhielt wieder den Namen "Stadt Bamberg". "Es war damals eines der modernsten Schiffe, die auf dem Main fuhren", erläutert Kropf.

Mit der Aufgabe des Fischhandels im Jahre 1991 wurde auch die "Christl" noch einmal runderneuert und um fünf Meter verlängert; danach waren beide Schiffe auf etwa dem gleichen Stand. Gesteuert wurden sie nicht nur von Fritz Kropf, sondern auch von dessen Frau Christl. Zudem erlernten sowohl Markus als auch sein Bruder Oliver den Beruf des Matrosen.

Seit dem Tod von Fritz Kropf, der im Jahr 2008 im Alter von 68 Jahren verstarb, führen die beiden Brüder die Personenschifffahrt weiter. "Natürlich hilft uns unsere Mutter nach wie vor und steht uns immer mit Rat und Tat zur Seite", betonen beide. Aber auch die Schiffsflotte haben die beiden Brüder inzwischen erweitert. Vor zwei Jahren erwarben sie die "Franken" dazu und schipperten mit ihr Besucher auf dem Seeweg zur Landesgartenschau. "Wir sind für die Zukunft gut aufgestellt, können mit Stolz auf die letzten 40 Jahre zurückblicken und freuen uns auf die nächsten Jahrzehnte", erklären die beiden Brüder unisono.