Während die Einkaufsstraßen der Stadt von Glühweinliebhabern und Geschenkejägern angefüllt sind, versteckt sich in einer schmalen Seitengasse kaum merklich eine Weihnachtsfeier der besonderen Art. Dort lädt der Vinzenzverein rund 25 Bedürftige zu Schweinebraten und Klößen, Bamberger Mundart und einem Stück Heimeligkeit ein.

Helfer aus dem Hintergrund

Begleitet vom munteren Tönen eines Akkordeonspielers, trudeln die Gäste langsam in der Zwerggasse ein. Zwischen weihnachtlichen Tannengirlanden und allerhand Gebäck sind Teller und Besteck schon feinsäuberlich eingedeckt und warten nur noch auf ihre Bestückung.

Um die wird sich der 1890 gegründete Vinzenzverein kümmern, der die Suppenküche in der Zwerggasse angemietet hat.
Vorsitzender Hans Neser huscht hin und her, begrüßt seine Gäste und trifft letzte Vorbereitungen.
Neser setzt sich bereits seit 1970 für die Bedürftigen Bambergs ein. Dennoch inszeniert er sich seiner Außenwelt gegenüber nicht als stereotypischer Gutmensch. Lieber ist es ihm, im Hintergrund zu bleiben und von dort aus etwas Gutes zu tun. So setzte er sich überzeugt für die Gründung der Suppenküche in der Zwerggasse ein, die seit August von Montag bis Samstag jeden Mittag zur kostenlosen, warmen Mahlzeit einlädt. Doch es kommen noch nicht so viele Menschen, wie Neser es sich wünscht. "Zahlen nenne ich ungern, aber es gibt noch Kapazitäten für wesentlich mehr Leute", erklärt er.

Den Grund dafür sieht Neser aber nicht darin, dass die Bamberger Bevölkerung nicht mehr Bedürftige hergibt - nein, für viele sei die Hemmschwelle zu hoch. Heute Abend aber füllt sich die Suppenküche, fröhliche Gesprächigkeit hallt allmählich immer lauter durch den Raum. Schließlich sind alle Gäste eingetroffen, ein Pfarrer läutet das Essen mit einer kleinen Rede ein.

Als seine Worte verklungen sind, gibt die Bamberger Mundart-Autorin Rettl Motschenbacher noch einige ihrer Anekdoten zum Besten. Den Gästen läuft langsam das Wasser im Munde zusammen. Genug der Geduld - nun wird aufgetischt. Die Runde unterhält sich fröhlich, viele lächeln zufrieden. Und doch steht einigen dieser Menschen auch eine gewisse Melancholie ins Gesicht geschrieben.

Einschneidende Schicksale

Ein paar der Gäste erwartet im Anschluss an das Essen ein erheblich unkomfortableres Heim - eine Brücke vielleicht, eine Parkbank oder einfach nur ein Stück Straße. "Wir sprechen viel mit den Leuten, das hört man wohl auch an meiner Stimme", sagt Neser etwas heiser.

Deswegen weiß er von den oft harten Schicksalen der Bedürftigen. Mal war es eine Scheidung, mal eine Krankheit. Häufig erschwerte der Griff zur Flasche die Lage.

Zu Weihnachten geht es ihnen besser. Dann steigt die Spendenbereitschaft der Menschen. "Häufig wollen sie nur ihr Gewissen beruhigen ", erklärt Neser grimmig. Aber immerhin. Außerdem gibt es auch eine gute Nachricht: "In Bamberg ist noch niemand verhungert. Dazu gibt es zu viele wohltätige Vereine", sagt er und ringt sich nun sogar zu einem freundlichen Lächeln durch. Es geht also doch.