Zur Ausstellung "4 plus 4" hatte die Initiatorin Lucia Scheid-Nam dieses Mal vier deutsche und vier koreanischen Künstler in den Bergfried der Giechburg eingeladen. Sie organisiert bereits seit 1993 jedes Jahr eine Ausstellung, immer mit verschiedenen Teilnehmern, wobei immer auch Bamberger Stadt- und Landkreiskünstler dabei sind. Stellvertretender Landrat Johann Pfister begrüßte die Künstler und Gäste herzlich. Musikalisch umrahmte die Vernissage Haga Yi auf dem Clavinovo. Der Kunsthistoriker Matthias Liebel stellte die acht Künstler einzeln vor und ging auch kurz auf ihre Werke beziehungsweise ihren Stil ein.


Mutwillige Verfremdung

Die Organisatorin Lucia Scheid-Nam aus Burgkunstadt habe sich von ihrer Heimat Südkorea und der dortigen Bildsprache gelöst und den europäischen Darstellungsformen genähert. "Das Authentische ihrer Bilder machen diese so außergewöhnlich und für den Betrachter so spannend", schloss Liebel die Aussagen über sie.
Ähnlich verlief auch der künstlerische Werdegang von Se Jin Kim. In ihrer Stilsprache wechselt sie zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Mutwillig verfremdet sie durch Übermalungen Bilder, erzielt damit Unschärfen und neue Visionen. Das große Thema von Changhee Nam, der jetzt in Nürnberg lebt, ist das Büstenporträt. Männer und meist Frauen zeigt er in bewegten Posen beim Sport oder bei Modenschauen. Damit möchte der Künstler kritisch auf unser Streben nach immer neuen Superlativen hinweisen. Liebel meinte dazu: "Die eruptiv sich entladende Spontanmalerei ist unmittelbarer Ausdruck der inneren Befindlichkeit des Künstlers."


Die Welt der Märchen

Changhee Nam verwendet für seine Gemälde "Hanji", einem aus Rinde von Maulbeerbäumen geschöpften Papier, das er aus Südkorea importiert. Johanna Youngok Park aus Nürnberg knüpft anders als ihre Kollegen an die Welt der Märchen und Mythen, wobei sich Orient und Okzident mit einander zu verschmelzen scheinen. Ähnlich verhält es sich mit den Gemälden von Gilbert Peichl aus Lichtenfels. Er versteht sein bildnerisches Schaffen als kreatives Ausprobieren der gestalterischen Möglichkeiten. "Peichl will nicht irgendwelche Botschaften vermitteln", so Liebel, "sondern mit ihnen positive Gefühle erzeugen".


Subtil gestaltete Kompositionen

Auch kraftvoll, aber in einem ganz anderen Stil kommen die Bilder von Christa Möller aus Bischberg. Einige ihrer Buchstabenbilder sind Arbeiten in Bezug zum Gedicht "Es zwitschert eine Lerche im Kamin" von Joachim Ringelnatz. Diese Worte transponiert Möller in subtil gestaltete Kompositionen von Schrift und Bild.
Adalbert Heil aus Bamberg zeigt auf mehreren Etagen des Turm seine kleinplastischen Metallarbeiten. Sie entstanden nach dem traditionellen Wachsausschmelzverfahren in Eisen und sind gegenständliche Darstellungen, die eine Welt des Zaubers und der Magie offenbaren, aber auch Gesellschaftskritik und Wortwitz beinhalten.
Wortwitz ist auch ein Stichwort für den Berliner Bildhauer Peter Krönig. Seine Holzfiguren spielen mit Worten und halten uns dabei einen Spiegel vor. Seine Arbeiten tragen so auch Titel wie "Die Welt mit anderen Augen sehen" oder "Wir haben nicht genug gelitten".
Die Ausstellung ist jeweils Donnerstag bis Sonntag in der Zeit von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Im Rahmen der Internationalen Woche findet am Donnerstag, 28. September , um 18 Uhr ein südkoreanischer Abend als Finissage der Ausstellung statt.