Bamberg
Erbe

Verwittert, verfault, verrottet

Die Sanierung der Oberen Pfarre in Bamberg stellt sich als überfällig heraus. An dem mehr als 600 Jahre alten Gebäude wurde stets nur Flickschusterei betrieben.
Statiker Anton Landgraf zeigt, wie morsch die dicken Eichenbalken sind, auf denen das Dach ruht.    Foto: Ronald Rinklef
Statiker Anton Landgraf zeigt, wie morsch die dicken Eichenbalken sind, auf denen das Dach ruht. Foto: Ronald Rinklef
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Diesmal wird alles gut. Diesmal wird nicht nur hier ein bisschen ausgebessert und da ein wenig geflickt. Diesmal wird saniert und zwar richtig. Und das ist auch dringend nötig. Denn: "Jede Generation reparierte an der Dachkonstruktion herum, aber erst wenn man alles wegnimmt und die Fußpunkte freilegt, sieht man, was eigentlich gemacht werden muss", erklärt Anton Landgraf. Er ist der Statiker, der zusammen mit der Architektin Ursula Huber das Dach der Oberen Pfarre rettet.

Rund 60 "Fußpunkte" gibt es. Das sind dicke Eichenbalken, auf denen das Dach ruht. Oder zumindest ruhen sollte. Denn alle Fußpunkte sind mehr oder weniger verwittert, verfault, verrottet und das Dach hat keinen Halt mehr. Riesige Löcher klaffen an Stellen, die vorher mit Bauschutt aufgeschüttet waren oder mit Zeitungspapier ausgestopft. Dass sich da die Feuchtigkeit hielt, versteht sich von selbst. Und die zersetzte über Jahrhunderte die Holzträger, die gar nicht zu sehen waren.

Als der Barock zuschlug


Dazu kam das barocke Statikproblem. Denn das Langhausdach der Oberen Pfarre ist eine gotische Konstruktion aus den Jahren um 1370/1380. Diese fiel um 1710 einer barocken Rundkonstruktion zum Opfer. Richtig befestigt war die aber nie. Sie wurde einfach in das aufstrebende Dach eingesetzt. "Der Wunsch nach Veränderung scheint übermächtig geworden zu sein. So konnte etwas entstehen, was nicht hielt. In einem kleineren Kirchenraum hätte diese Konstruktion noch funktionieren können, aber nicht in dieser Größenordnung", sagt Peter Turek, der Fachmann für die Stuckverschalung. Das Gewölbe senkte sich, die Putzschale löste sich vom Tragegewölbe. Teils 15 Zentimeter tiefe Risse im Mauerwerk waren die Folge. Sie entstanden in einem Zeitraum von 200 Jahren. Repariert wurde an den Rissen immer wieder. Nach ihren Ursachen suchte niemand. Bis jetzt.

Immer nur das Nötigste getan


Wie aufwendig die Sanierung ausfallen muss, wie viel Arbeit allein das Freilegen der Schäden erfordert, ahnte zu Beginn der Arbeiten im April 2011 wohl niemand. Dass auch erhebliche Mängel auftreten können, ist normal. Immerhin ist das Gebäude über 600 Jahre alt. Was die Sanierungsarbeiten aber so schwierig macht, ist die Tatsache, dass jede Generation größere Reparaturen ihren Nachkommen überließ. So wurde die Arbeit immer wieder aufgeschoben, bis es nicht mehr ging. Aber auch die denkmalgerechte Sanierung ist aufwendig. Denn obwohl viele Teile der Stützkonstruktion komplett erneuert werden müssen, soll die Art und Weise, wie das Dach früher zusammengesteckt wurde, erhalten bleiben. Leider werden die sorgfältigen Reparaturen niemals zu sehen sein. Denn die wichtigsten Arbeiten finden in Regionen statt, in die kein Kirchenbesucher je kommt.

Auf jeden Fall sind die Planungen perfekt: "Wir liegen immer noch gut im finanziellen und auch im zeitlichen Rahmen", erklärt Architektin Ursula Huber. Das bedeutet, dass sich Pater Klemens nicht nur auf ein gerüstloses Weihnachtsfest in der Oberen Pfarre freuen kann. Schon viel früher wird die Kirche wieder "funktionsfähig" sein.
"Wir feiern das Muttergottesfest vom 19. bis 21. August in der Oberen Pfarre. Die Gerüste bleiben zwar, aber wir können die Kirche nutzen. Auch die Prozession findet statt, allerdings findet die Station vor St. Martin statt, da ja auch die Martinskirche gerade saniert wird", sagt Pater Klemens. Regelmäßige Sonntagsgottesdienste werden voraussichtlich ab Herbst wieder in der Oberen Pfarre gefeiert werden können.

Spendenkonto der Kirchenstiftung "Unsere Liebe Frau": 39594 bei der Sparkasse Bamberg, BLZ 77050000.


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