Hallstadt — Automobilzulieferer Brose trägt sich bekanntlich mit Plänen, in der Region Bamberg Verwaltungsgebäude mit 500 Arbeitsplätzen zu errichten _ was dem auserwählten Standort entsprechende Steuereinnahmen bescheren wird. Wie es aus dem Hallstadter Rathaus heißt, habe man Kenntnis, dass am Standort Würzburg gleichfalls angefragt wurde. Zudem sei die Stadt Bamberg bei diesem Vorhaben ebenfalls im Visier. Die Folge: Hallstadt hat reagiert, konferiert, kommuniziert und Brose schließlich ein Angebot gemacht, das rund 42 000 Quadratmeter Fläche bietet: gegenüber der Brose-Ansiedlung. Da, wo derzeit Tennis gespielt, gekegelt, geschossen, geturnt und natürlich in den Sportgaststätten auch gespeist wird. Auf den Grundstücken also, auf denen (auf Erbbau-Basis) die TVH-und TCH Sportanlagen und Hallen stehen. Die müssten weichen und würden in Hallstadt-Nord durch Neubauten ersetzt. Wie es scheint, sind die Vereinsführungen grundsätzlich bereit.
Über rund 100 000 Quadratmeter Fläche verfügt Brose am Standort Hallstadt. Der Turnverein Hallstadt, mit über 1300 Mitgliedern größter städtischer Verein, residiert hier seit Ende der 70er Jahre, der Tennisclub Hallstadt (über 200 Mitglieder) siedelte sich wenig später an und auch das städtische Freibad zählt zu den Brose-Nachbarn.

Bereitschaft


Um Brose ein Angebot (auf die Anfrage hin) machen zu können, fanden seitens der Stadt Gespräche mit dem Stadtrat und mit den Vereinen statt, so Erster Bürgermeister Markus Zirkel (SPD). Im städtischen Hauptverwaltungsausschuss gab es ein deutliches Signal pro Brose. Beim Turnverein Hallstadt gebe es wie beim TC Hallstadt grundsätzlich Bereitschaft, den auf Erbbaurecht basierenden Börstig-Standort zu Gunsten von Hallstadt-Nord aufzugeben. Zumal die Stadt in Kompensation treten und neue Hallen bzw. Anlagen errichten würde.
TVH-Vorsitzender Johann Bornschlegel weist darauf hin, dass die endgültige Entscheidung letztlich bei der Mitgliederversammlung liege. Aber: "Wenn man vernünftig nachdenkt, kann man nicht dagegen sein." So steht der TVH-Vorsitzende einer Verlagerung grundsätzlich positiv gegenüber. Obwohl der Verein eigentlich vor einer umfassenden, rund 450 000 Euro teuren Sanierung steht. Die 32 Jahre alte (Bettelsee) Halle sei in die Jahre gekommen, so Bornschlegel. Für dieses Jahr sind Ausbau und Erneuerung von Heizungs-, Lüftungs- und Warmwasseranlage geplant, die Arbeiten vergeben. Man stehe sozusagen in den Startlöchern und wolle in den Osterferien die Heizung herausreißen. Laut Bauzeitenplan kämen im kommenden Jahr Türen und Fenster an die Reihe. Doch nach Bekanntwerden der Brose-Anfrage und dem Gespräch mit der Stadt befände sich der TVH derzeit in "Lauerstellung". Nach einem bestimmten Zeitfenster, so gibt Bornschlegel zu bedenken, seien die mit den Firmen vereinbarten Preise nicht mehr zu halten...
"Eine neue Turnhalle zu kriegen", das sei dagegen "ein Traum". In einer Verlegung, beziehungsweise Neuanlage im Norden Hallstadts sieht Bornschlegel sogar etliche Vorteile. Die Lage sei zentraler, also näher am Zentrum und deswegen fußläufig leichter zu erreichen. Das lasse bei Veranstaltungen auf zusätzliche Besucher hoffen.
Das stellt für TC-Vorsitzenden Hubert Metzner keinen vorrangigen Aspekt dar. 50 Prozent der über 200 Club-Mitglieder kommen sowieso aus der Region Bamberg und deswegen mit dem Auto. Sie müssten nur etwas weiter fahren. Wichtiger ist Metzner, dass alle Mannschaften weiter am Spielbetrieb teilhaben und der TCH seine gewohnten Wettbewerbe austragen kann, "sonst wandern die Mitglieder schnell ab."
Bei der nun über 25 Jahre alten Tennishalle seien in geraumer Zeit wohl schon Sanierungsarbeiten absehbar, so dass es verlockend wäre, eine neue zu bekommen. Das Vereinsheim mit dem Gastronomiebetrieb hingegen wurde nach dem Brand völlig neu aufgebaut und erst 2007 eingeweiht. "Wir fühlen uns hier wohl und haben auch das Ambiente auf die Nacbarschaft abgestimmt", macht Metzner deutlich. Die Vorstandschaft habe Bereitschaft zum Umzug signalisiert, die endgültige Entscheidung müssten jedoch die Mitglieder in einer außergewöhnlichen Versammlung treffen - am besten in einer gemeinsam mit dem TVH. Denn die Umsiedelung funktioniere nur mit beiden Vereinen.

Planspiele


Die Nachfrage bei Bürgermeister Zirkel ergab, dass für die Umsiedelung von den TVH- und TC-Sportstätten in Hallstadt-Nord ein zusammenhängendes Areal mit insgesamt 50 000 Quadratmetern ins Auge gefasst werden könne, wobei die Stadt noch Grunderwerb tätigen müsste. Praktisch parallel müssten für Hallstadt-Nord ein Bebauungsplan aufgestellt und der bestehende Bebauungsplan für das Börstig-Gebiet (für die Brose-Erweiterung) geändert werden, erläutert Bürgermeister Zirkel dazu. Für die Stadt rechnet er mit Kompensationskosten (inklusive Neubauten) von rund elf Millionen. Während der Abriss- und Neubauzeit müssten zudem Trainingsmöglichkeiten - im Umkreis - organisiert werden. Mit angrenzenden Nachbarn habe man Kontakt aufgenommen.
Weil Brose nach Wissen des Bürgermeisters bereits 2013 bauen möchte, dränge die Zeit. Es müsse versucht werden, Brose und damit auch den Verwaltungsbau in der Region zu behalten. "Freilich wollen wir Brose auf jeden Fall in Hallstadt halten."