Für den inoffiziellen Preis für die unkonventionellste Anreise zur Sandkerwa geht Michael Stoschek wieder als Favorit ins Rennen. Der Brose-Chef hat angekündigt, erneut mit einem Amphibienfahrzeug die Regnitz hochzuschippern. Die Genehmigung dafür hat er bereits in der Tasche. Selbst der Zwist mit der Bamberger Fischer- und Schifferzunft scheint befriedet. Nur eine Gruppierung hat Grund zur Enttäuschung: die Deutsche Interessengemeinschaft Schwimm- und Geländefahrzeuge.

Warum ist die Sandkerwa 2017 ausgefallen?

Denn noch 2016 hatte der bekannte Unternehmer nach seiner Wasserankunft selbst vorgeschlagen: "Wir laden den Deutschen Schwimmwagenverband zur Sandkerwa ein und machen eine Ausfahrt nach Bamberg." Doch daraus wurde nichts. "Herr Stoschek ist Mitglied bei uns und hat uns für 2017 eingeladen. Aber dann ist die Veranstaltung ja ausgefallen", berichtet der Vorsitzende Thomas Schmittkampf aus Remscheid bei Wuppertal. Für heuer wurde die Einladung offensichtlich nicht erneuert, denn die Stadt stellt klar: "Die Genehmigung umfasst nur ein Fahrzeug."

Bereits vor einigen Wochen hat Stoschek im Rathaus die Erlaubnis eingeholt, am Montagabend, 27. August, mit seinem Amphibienfahrzeug an einem Steg im Sand anzulegen. Und die Stadt gab grünes Licht. Diesmal sogar ohne besondere Auflagen.

Das ist insofern bemerkenswert, weil das in der Geschichte der Lokalposse nicht immer so einfach war. Die Grenzen der Genehmigungsfähigkeit waren im wahrsten Sinne des Wortes fließend: Nachdem Stoschek schon 2012 und 2013 ohne Anmeldung oder gar Genehmigung auf der Regnitz zum Fest gefahren war, wertete die Stadt die Fahrt 2015 gar als Ordnungswidrigkeit, beließ es aber bei einer Verwarnung.

2016 haben sich beide Seiten auf einen juristischen Winkelzug verständigt: Damals hatte der weltweit bekannteste Regnitz-Kapitän einen Funktionär des Bayerischen Roten Kreuzes von der einen auf die andere Flussseite befördern müssen - dadurch rechtfertigte die Stadt in ihrem Bescheid ein öffentliches Interesse. Ohne diese Formalie wäre eine Genehmigung nicht möglich gewesen, hieß es damals.

Heute ist davon keine Rede mehr: "Aus dem Gesetzestext ergibt sich eine Auslegungsfrage", erklärt Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar. "Es kann genehmigt werden, wenn ein besonderes Ereignis vorliegt. Und das liegt mit der Sandkerwa auf jeden Fall vor." Stoschek habe die Fahrt mit der Stadt problemlos abgestimmt.

"Grundsätzlich kann aber jeder andere auch beantragen, dass er mit seinem Amphibienfahrzeug kommt", sagt Siebenhaar. Weitere Anträge seien aber nicht eingegangen. Vielleicht liege das daran, dass nicht viele Menschen ein Amphibienfahrzeug in der Garage stehen haben, fügt die Stadtsprecherin mit einem Schmunzeln hinzu.

Die Genehmigung für die Wasserfahrt ist also in trockenen Tüchern - und auch beim Zwist mit der Fischer- und Schifferzunft scheinen sich die Wogen geglättet zu haben. "Wir haben uns ausgesprochen. Alles ist ok", sagt deren Vorsitzender Josef Kropf. "Wir haben uns getroffen und die Sache durchgeplaudert." Letztlich gehe es ja nur um diese eine Fahrt im Jahr. "Unsere Vorbehalte waren auch nie etwas Persönliches."

Von Vorbehalten ist auch bei der Deutschen Interessengemeinschaft Schwimm- und Geländefahrzeuge keine Spur - trotz der nicht erneuerten Einladung. Für den Vorsitzenden kein Problem: "Vielleicht wäre eine Abordnung der Einladung gefolgt. Aber wir kündigen unser Erscheinen in der Regel nicht groß an, weil wir das Publikum nicht suchen." Für die Schaulustigen seien die Fahrzeuge zwar ein Hingucker, räumt Schmittkampf ein, aber: "Wir betreiben das lieber mit einem gewissen Understatement." Diese Vorgehensweise ist für jenen Amphibienfahrer aus Coburg eher untypisch. Dieser blieb für Presseanfragen dennoch abgetaucht.

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Gegendarstellung von Michael Stoschek

"In der Tageszeitung "Fränkischer Tag" vom 22.08.2018, Seite 9 wird unter dem Titel "Wassertour in trockenen Tüchern" behauptet, ich hätte als Brose-Chef angekündigt, erneut mit einem Amphibienfahrzeug die Regnitz hoch zu schippern.

Diese Darstellung ist falsch.

Brose-Chef ist Herr Kurt Sauernheimer. Ich selbst bin seit 2006 nicht mehr Mitglied der Brose Geschäftsführung.

Außerdem habe ich meine Fahrt auf der Regnitz niemals angekündigt."

Foto: Riegerpress