Günter Schmidt erwies sich als Prophet. Vor der Sitzung des Bausenats, in der es wieder einmal um die Zukunft der Unteren Mühlen gehen sollte, sagte der Investor voraus, es werde wahrscheinlich viel geredet werden "um Aktivität zu signalisieren", aber nichts dabei herauskommen. Schmidt, auf dessen Initiative vor sechs Jahren ein Architektenwettbewerb zur Bebauung des seit Kriegsende brachliegenden Grundstücks im Herzen der Altstadt durchgeführt wurde, sollte recht behalten: An den Unteren Mühlen wird sich mindestens bis Ende des Jahres 2012 nichts tun.

Jedenfalls nichts Sichtbares: Untersucht werden soll in den nächsten Monaten, ob der Bau eines Wasserkraftwerks mit unterirdischer Turbine oder überirdischem Wasserrad wirtschaftlich zu vertreten wäre. Diesen Auftrag haben die Stadtwerke vor Kurzem von ihrem Aufsichtsrat bekommen, und der Bausenat stimmte dem Vorgehen zu.
Ende 2012 muss dem Gremium ein Bericht über die Ergebnisse der Untersuchung vorgelegt werden. Einen Zwischenbericht soll es vor der Sommerpause 2012 geben.

Stadtwerke-Geschäftsführer Klaus Rubach machte allerdings nicht den Eindruck, als ob er sich von einem Wasserkraftwerk an den Unteren Mühlen einen großen Schritt auf dem Weg zur Energiewende in Bamberg versprechen würde. Im Gegenteil. Die letzte Studie aus dem Jahr 2008/2009 hat laut Rubach gezeigt, dass die dort zu erzielende Wasserkraft nicht zur Finanzierung eines Gebäudes auf dem Grundstück herangezogen werden könne. Eher müsste es umgekehrt sein.

Nach der Erstellung eines Bebauungsplanes 2001 sollte der Architektenwettbewerb mit "Casa Tecta", der Firma von Investor Günter Schmidt, den Durchbruch bringen. Es gelang nicht. Die Widerstände in der Bevölkerung gegen den modernen Sieger-Entwurf des Preisträgerbüros Mahler-Günster-Fuchs waren zu groß. Laut Ilk wurde das Bauvorhaben nicht weiterverfolgt, wohl aber die Nutzung der Wasserkraft. Die letzte Studie von 2008 sei allerdings zu dem Ergebnis gekommen, dass selbst bei sehr wohlwollender Rechnung "für die Anlage nur ein geringer jährlicher Überschuss prognostiziert" werden könne. Mit dem Weggang seines Vorgängers Hans Zistl-Schlingmann sei das Thema nicht weiterverfolgt worden.

Nicht hetzen lassen


Durch die stärkere Hinwendung zu regenerativen Energien und nach der Atomkatastrophe von Fukus hima stelle sich die Situation heute in einem anderen Licht dar. "Wasserkraft hat eine neue Bedeutung", konstatiert Ilk. Eine weitere Untersuchung sei deshalb sinnvoll. Ilk räumt ein, dass den Bürgern die dafür nötigen zwölf Monate lange vorkommen werden. "Angesichts der langen Vorgeschichte ist das aber sicher erträglich."

Auch wenn es bei diesem Tagesordnungspunkt ausdrücklich nicht um die Architektur ging, kamen die Mitglieder des Bausenats nicht daran vorbei. Stadträtin Ursula Sowa von der GAL, die den Antrag auf Berichterstattung über die Unteren Mühlen gestellt hatte, gab zu bedenken, dass der Gewinner des Architektenwettbewerbs einen An spruch auf Verwirklichung seines Projektes habe, zumal er auf Anforderung nachgebessert und insgesamt drei Entwürfe geliefert habe. Jetzt aber sehe es so aus, als ob über die Kraftwerk-Diskussion die Architektur "völlig den Bach hinuntergeht". Klaus Rubach müsse "unter- und oberirdisch planen".

Baureferent Ilk zerstreute die Bedenken von Sowa, auf die Stadt könnten Regressforderungen der Architekten zukommen. Das sei nicht der Fall. Sie seien auch noch mit im Boot. Im Moment sei es noch zu früh, über die Architektur zu reden: Das Gebäude könne nicht isoliert von einem darunter liegenden Kraftwerk geplant werden. Im Hinblick auf das darüber zu errichtende Gebäude spricht er sich für eine zeitgenössische Bebauung aus. Man solle grundsätzlich "an dieser Art der Bebauung festhalten". Allerdings lasse sich das jetzt noch nicht zentimetergenau planen.