Kristin Braun ist stinksauer. "Sehen Sie hin, das hier ist die Visitenkarte von Bamberg", meint die junge Frau und deutet auf die rot-weiß gescheckte Frontlinie der Absperrungen vor dem Postgebäude aus der Gründerzeit.
Auch Herbert Büttner lässt kein gutes Haar am "neuen" Wilhelmsplatz. "Der Schwerlastverkehr donnert viereinhalb Meter vor unserer Haustüre über die Straße.Warum hat man nicht den alten Zustand wieder hergestellt", schimpft der ältere Herr aus der Urbanstraße.

Neu ist die schrei-bunte Einkleidung eines der schönsten Plätze der Stadt allerdings nicht. Seit Ende 2008 ist der Wilhelmsplatz optisch verbarrikadiert. Seitdem nehmen Tausende von Auto-,Radfahrern und Fußgängern über die Parade der Baken ab und wundern sich darüber, wie lange ein Platz-Provisorium in Bamberg dauern kann.
Jahre. Wieviele es noch werden, das weiß im Moment niemand ganz genau. Hinter den Absperrungen, wo das Unkraut mittlerweile der dritten Vegetationsperiode entgegenwachsen darf, erfuhren die Anwohner bei einem Ortstermin mit Oberbürgermeister Starke (SPD) und den Stadträten des Bausenats, dass es nicht vor dem Frühling 2011 mit der versprochenen Platzgestaltung losgehen wird.

Und auch dies nur, wenn der Finanzsenat Anfang Dezember die noch fehlenden Mittel für den Umbau als Kreisverkehr freigibt. Im Januar 2009 hatte der damalige Baureferent das Projekt gestoppt, weil die unsichere Förderung das Finanzierungsrisiko als zu hoch erscheinen ließ.

1,4 Millionen Euro kostet es nach der derzeit vorliegenden Schätzungen, den Wilhelmsplatz fertigzustellen, auf dem bis 2008 Kanalbaumaßnahmen stattfanden, der eigentliche Anlass für den Umbau. In dieser Summe enthalten ist auch ein neuerdings Sicherheitszuschlag genannter Kostenpuffer von 20 Prozent.

Immerhin: Wie Thomas Beese vom Baureferat der Stadt andeutete, will Kämmerer Bertram Felix den Platzausbau positiv in die Beratungen einbringen. Das Schicksal des Wilhelmsplatzes liege nun in der Hand des Stadtrats.
Auf heftigen Widerstand des Beauftragten der Firma Höhnen und Partner stießen die Freien Wähler und der Bürger-Blockmit ihrer Forderung, die Baken einfach abzubauen, was laut Stadtverwaltung Kosten von 15000 Euro zur Folge hätte. "Wenn das so teuer ist. Dann bau ich die Absperrungen heute noch für 5000 Euro ab und male einen gelben Strich auf", spottete Alt-Oberbürgermeister Herbert Lauer.

Doch so einfach scheint es nicht zu sein: Wie Edgar Göller erklärte, können die Baken nicht reduziert werden, ohne die Gefahren für die schwächsten Verkehrsteilnehmer deutlich zu erhöhen. "Wir haben hier seit dem Umbau keine Bordsteine zum Schutz von Fußgängern und Radfahrern mehr. Und die Autofahrer werden sich von Linien nicht abhalten lassen."

Dennoch darf man gespannt sein, was sich in den kommenden Wochen an der Bakenlage ändert. Denn auf Drängen des OB soll bis zur Sitzung im Dezember ein Kompromiss ausgearbeitet werden, wie den Bedürfnissen der Sicherheit und der Gestaltung Rechnung getragen werden kann.

Dennoch ließen es sich einige Stadträte nicht nehmen, in der anschließenden Sitzung im Rathaus die verfahrene Situation zu geißeln. Daniela Reinfelder von der CSU kritisierte die Tatsache, dass der Ausbau des Platzes nicht angegangen wurde, obwohl Geld in Höhe von über 400 000 Euro im Haushalt dafür bereit gestellt worden war. Ursula Sowa (GAL) nannte es völlig unverständlich, "wie man den Wilhelsmplatz aufreißen konnte, ohne vorher die Frage geklärt zu haben, ob man sich den Ausbau hinterher überhaupt leisten kann. Was die bisher nur geschätzten Kosten angeht, fürchtet sie noch ein böses Erwachen. "Die Ausschreibung erfolgt ja erst noch."