Diese Werke werden "nicht einfach glatt runtergehen", seien aber gleichwohl "keine Provokation", meint Sabine Maria Hannesen. Die Berliner Kuratorin der neuen Sonderausstellung im Diözesanmuseum ist davon überzeugt, dass diese ungewöhnliche Schau zu einer tieferen Auseinandersetzung führt. Eben zu "Perspektivenwechsel", wie die Präsentation titelt.

Ein 2000 Jahre altes Motiv hat die Fantasie von 53 zeitgenössischen Künstlern aus ganz Deutschland beflügelt: Sie haben die biblische "Verkündigung" - nachzulesen im Lukasevangelium - in die heutige Zeit übertragen. Da trifft zum Beispiel der Engel eine junge Frau an einer Bushaltestelle, umringt vom Schmutz der Straße und tosendem Verkehr. Oder dem Schriftwort "Der Heilige Geist wird über dich kommen" ist der Werbeslogan "Nichts ist unmöglich - Toyota" gegenübergestellt. Oder Erzengel Gabriel schickt seine Botschaft an Maria als SMS auf's Handy.
Deutlich sind die Begriffe "Optionen" und "Löschen" zu erkennen. Sie verweisen auf die Freiheit, aufgrund derer Maria sich dem Auftrag Gottes gegenüber auch hätte verweigern können.

Für Domkapitular Norbert Jung, Hausherr im Diözesanmuseum, birgt die Ausstellung reichlich "theologischen Zündstoff". Die einzelnen Darstellungen der Verkündigung seien mit Symbolen belegt: "Sie zeigen den Einbruch Gottes in die Welt, und dass sein Anruf an jeden jederzeit möglich ist", erklärt Jung. Natürlich stehe der Ausstellungsbeginn bewusst in Nähe des kirchlichen Festtages "Mariä Verkündigung" am 25. März. Weihnachten mitten in der Passionszeit: "Das ist theologisch aufgeladen". Und doch sei die Ausstellung auch als bewusster Akzent auf dem "Jahr des Glaubens" ausgerichtet. Die Besucher sollten sich ansprechen lassen. Ansprechen von Marias gläubigem Ja zu ihrer unerwarteten Gottesmutterschaft. Ansprechen vom je ureigensten Ruf Gottes als Glaubenserfahrung.

Ausstellungsmacherin Hannesen nennt die Künstler "Seismographen, die nah an der Zeit sind". Sie hätten das Thema Verkündigung auf unkonventionelle Weise kritisch hinterfragt und erweitert. Die eigenwilligen Werke seien ein "starkes Angebot, in einer scheinbar völlig kommerzialisierten Welt christliche Spiritualität neu zu entdecken".

Die Arbeiten von 1946 bis 2013 stammen aus allen Kunstgattungen: Malerei, Grafik, Fotografie, Collage, Skulptur, Installation, Video und Ballett. Zusätzlich zeigen ausgewählte Exponate aus dem Diözesanmuseum und aus Pfarrkirchen des Erzbistums Bamberg die Bedeutung und den Wandel des Verkündigungmotivs auf. So wird ein lebendiger Dialog zwischen Alt und Neu erreicht.

Begleitend zur Ausstellung läuft ein Vortragsprogramm. Es widmet sich nicht nur den visuellen, sondern auch den literarischen und musikalischen Aspekten des Themas. Außerdem findet in Zusammenarbeit mit den Bildungshäusern Vierzehnheiligen ein Seminar zur Ausstellung mit Exkursion zum Diözesanmuseum statt. Einer der Künstler selbst, Professor Heimo Ertl aus Effeltrich, hat nicht nur die Idee zu dieser Ausstellung und die verblüffende Bronzeskulptur "Schrecksekunde" beigesteuert, sondern auch die Redaktion des Katalogs übernommen. Dieser enthält neben Abbildungen sämtlicher Exponate auch eine Reihe von Essays, die das Ausstellungsthema aus theologischer, kunsthistorischer und literaturwissenschaftlicher Sichtweise betrachten.

Öffnungszeiten Die Ausstellung "Perspektivenwechsel - Ave Maria - Die Verkündigung an Maria in modernen Kunstwerken" ist bis zum 28. Juli 2013 im Diözesanmuseum Bamberg, Domplatz 5, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr zu sehen, Ostermontag und Pfingstmontag geöffnet, Karfreitag geschlossen. Der Katalog (15 Euro) ist an der Museumskasse erhältlich.

Mehr unter www.dioezesanmuseum-bamberg.de