Es ist eine gute Nachricht aus und für die Einkaufstadt Bamberg: Mit Foto Kohler investiert ein 107 Jahre altes Fachgeschäft in seine Zukunft am Rand der Fußgängerzone. Mehr als 500 000 Euro nehmen Heinrich Manger (58) und sein Sohn Rudolf (28), seit sechs Jahren Mitinhaber, in die Hand, um den Firmensitz an der Franz-Ludwig-Straße auf den neuesten Stand zu bringen. Der Juniorchef formuliert ein ehrgeiziges Ziel: Er will "einfach einen der schönsten Fotoläden Deutschlands bauen".

Dafür hat man schon das eigene Haus geräumt und ist in das benachbarte ehemalige Metzner-da-am-Eck-da-Gebäude gezogen. Dass das Café im Erdgeschoss leer stand, gab den letzten Anstoß, den lange geplanten Umbau nicht weiter aufzuschieben. Heinrich Manger (58) berichtet, dass er die Modernisierung des Geschäftes schon 1999 ins Auge gefasst habe. Er wartete immer wieder zu, wollte den Umbau in Verbindung mit dem Projekt "Citypassage" der Sparkasse durchführen, deren Grundstücke an der Rückseite direkt angrenzen. Man hätte sich gerne doppelten Baustellen-Stress erspart.

Dann wurde die "Citypassage" auf Eis gelegt. Nach einer längeren Denkpause hat die Sparkasse unter dem neuen Namen "Quartier an der Stadtmauer" zwar einen neuerlichen Anlauf genommen. Ob und wann es realisiert wird, kann Sparkassen-Direktor Konrad Gottschall aber noch nicht sagen. Der aktuelle Stand ist nach seinen Angaben der, dass der Gewinner des Architektenwettbewerbs bis August seine optimierte Planung vorlegen soll. Dann muss die Politik entscheiden, ob sie das geplante Geschäfts- und Wohnquartier zwischen Langer Straße und Promenade haben will. Wenn es nach der Sparkasse geht, kommt das Quartier. Auch Geschäftspartner Multi Development sei weiter interessiert, sagt Gottschall.

Bei Foto Kohler will man jedenfalls nicht weiter warten. Die Inhaber legen jedoch Wert auf die Feststellung, dass ihre Entscheidung für den Umbau zum jetzigen Zeitpunkt keine Entscheidung gegen das Sparkassen-Vorhaben sei. Sie hätten aber die Gunst der Stunde nutzen wolle: ein historisch niedriges Zinsniveau einerseits und das nach der Gramss-Insolvenz leer stehende Café nebenan andererseits. Man konnte es kurzfristig anmieten, von der Sparkasse, der das Haus gehört. Gottschall sagt, er sei froh, wenn der Leerstand wenigstens für ein paar Monate passé ist.

Seit drei Wochen ist das ehemalige Tagescafé jetzt Fotoladen und -studio: Statt Backwaren liegt Kamera-Zubehör in der Theke, alte Kuchenbleche dienen als Regalbretter und an den Tischchen in den Schaufenstern finden Beratungsgespräche statt oder sitzen wartende Kunden. Die meisten seien von diesem Provisorium hellauf begeistert, berichten die Mangers. Etliche Male seien sie sogar schon gefragt worden, ob sie wirklich wieder ausziehen wollen, wo es doch jetzt "so gemütlich" sei.

Zurück ins eigene Anwesen möchte man schnellstmöglich, auf jeden Fall bis zum Winter. Das ganze Geschäfts- und Wohnhaus in der Franz-Ludwig-Straße 10 soll bis Jahresende energetisch saniert und das Erdgeschoss mit einer Sandstein-Fassade ansprechender gestaltet werden. Bisher führten viereinhalb Stufen ins Haus und in den Laden. Damit er künftig Barriere frei erreichbar ist, wird das gesamte Parterre tiefer gelegt, auf Kosten der Raumhöhe im Keller.

Gleichzeitig wird der Geschäftseingang von der rechten Hausseite auf die linke verlegt. Das geschieht nicht zuletzt mit Blick auf das "Quartier an der Stadtmauer". Wenn es so realisiert wird, wie geplant, sind die Voraussetzungen für einen direkten Zugang von der Ladenpassage geschaffen.