Die Neuformierung des zersplitterten Bamberger Stadtrats ist eine harte Rätselnuss, die der Wähler der Politik beschert hat. Um aus einem Flickenteppich ein halbwegs berechenbares Stadtparlament zu machen, bemühen sich die großen Drei, Grüne, CSU und die SPD, seit Wochen neue Allianzen zu schmieden. Von Schwarz-Grün, über Grün-Rot-Bunt bis zu einer Neuauflage der alten GroKo scheint alles möglich.

Hauptamtliche Nummer 3

Noch wird auch darüber diskutiert, einen dritten hauptamtlichen Bürgermeister zu installieren, um die Wünsche der CSU nach einem Posten im Rathaus zu berücksichtigen. Was auf den ersten Blick wie ein Kuhhandel aussieht, wäre möglicherweise das Ticket für den grünen Zweiten Bürgermeister und die Chance für einen Politikwechsel in Bamberg. Denn es würde auf eine Teilung der Macht zwischen progressiven und konservativen Kräften hinauslaufen.

In dem allgemeinen Taktieren ist nicht nur interessant, wen es wie etwa jetzt Ursula Redler (BA) und Lucas Büchner (ÖDP) in eine gemeinsame Fraktion mit der CSU zieht. Auch die nicht zustande gekommenen Konstellationen haben Aussagekraft. So scheiterte etwa Peter Neller (CSU) mit seinen Verhandlungskünsten am Ziel, Daniela Reinfelder von Bambergs Unabhängigen Bürgern zurück zur CSU zu führen. Die einstige CSU-Frau gründet lieber ein Bündnis mit Freien Wählern und der FDP. Auch Norbert Tscherner reagierte auf das Liebeswerben der Christsozialen mit einer Absage: "Die CSU hat mir in der vorletzten Wahlperiode meine Leute ausgespannt. Das habe ich nicht vergessen", sagt der 78-jährige Doch abgesehen von alten Rechnungen geht es ihm auch um seine Unabhängigkeit. Tscherner will kein Anhängsel einer großen Partei sein. Zudem: Als Freund des Amtsinhabers Christian Lange von der CSU gilt er nicht gerade.

Allerdings dürfte es den vier Mannen der BBL-BM-Fraktion auch nicht leicht fallen, einen Grünen zum Bürgermeister zu küren. Das bestätigt auch Hans-Jürgen Eichfelder, der bis vor kurzem sein Auskommen als Stadtrat der Bamberger Allianz hatte. "Einen Peter Gack zu wählen, würde mir leichter fallen als Jonas Glüsenkamp", sagt der 46-jährige Gärtner. Bei Christian Lange wisse man, "wie der tickt". Dennoch wäre es ihm nicht eingefallen, sich von der CSU vereinnahmen zu lassen. Deren Avancen habe er strikt abgewehrt, weil er sich in der Bamberger Allianz gut aufgehoben fühlte.

Fühlte! Denn nach dem Weggang von Ursula Reldler in eine Fraktionsgemeinschaft mit der CSU ist es aus Eichfelders Sicht nur eine Frage der Zeit, bis die Bamberger Allianz als politische Gruppierung gänzlich untergeht. Eichfelder selbst durfte nach einer Abstimmung in der Allianz den Namen BA nicht in das Bündnis mitnehmen, das sich ihm nun anbot. Der Gärtner sieht den Wechsel zu Bürger-Block und Bambergs Mitte mit dem designierten Vorsitzenden Norbert Tscherner als ausweglos an. "Wir haben eigentlich das gleiche Programm."

Deshalb bedauert Eichfelder es, dass es nicht gelang, die Zweiergemeinschaft mit Redler in der Bamberger Allianz aufrecht zu erhalten. Von Anfang an habe es seine Kollegin zur CSU gezogen: "Für mich war das undenkbar. Das hat ein Riesengeschmäckle."