Der "Deutsche Wald" wird oft besungen und bewundert in Liedern und Gedichten. Was sich aber zur Zeit im Wald abspielt, ist ein Todeskampf. Neben der Buche sind vor allem die Fichtenwälder betroffen. Sie benötigen viel Wasser, das ihnen aufgrund der nun schon mehrere Jahre herrschenden Trockenheit fehlt. Die Fichte wurde nach den Weltkriegen, besonders nach dem zweiten, bevorzugt angepflanzt, da sie relativ schnell gutes Holz lieferte.

Monokultur und Klimawandel

Bei den Monokulturen wirkt sich nun der Klimawandel drastisch aus. Die verdorrten, schon von weitem sichtbaren Bäume aber sind nicht das große Problem jetzt, sondern der Fichten-Borkenkäfer. Für den Laien ist den Fichten fast nichts anzusehen, denn ihre Kronen sind noch grün. Unter der Rinde aber gibt es Tausende von Käfern, die dem durch die Trockenheit geschwächten Baum und durch ihre Massen keine Chance lassen. Buchdrucker und Kupferstecher, die zwei wichtigsten Fichten-Borkenkäfer-Arten vermehren sich explosionsartig. Die Entwicklung vom abgelegten Ei über Larve, Puppe bis hin zum fertigen Käfer dauert vier bis acht Wochen, je nach Temperatur, bei höherer Temperatur noch schneller. Ein Borkenkäfer-Weibchen legt 50 bis 100 Eier und kann insgesamt einige Tausend bis Zehntausend Nachkommen hervorbringen. Die Schadbilder sind zu erkennen an abgefallener Rinde, Einbohrlöchern, Harztröpfchen am Stamm, aber besonders am braunen Bohrmehl am Fuß des Stammes unten, obwohl die Kronen noch grün sind. Sind die Nadeln abgefallen oder auch die Rinde, sind bereits keine Käfer mehr in den Bäumen, sie können auch vertrocknet sein. Deshalb müssen diese Bäume zunächst nicht gefällt werden, sondern die noch von den Käfern und ihren Larven und Puppen bewohnten.

Solidarität der Waldbesitzer gefragt

Hans-Rüdiger Schmittnägel, Leitender Forstdirektor des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg (AELF), appellierte deshalb an alle Waldbesitzer: " Arbeiten Sie bitte Käferholz zeitnah auf, entfernen Sie es aus dem Wald und lagern Sie es 500 Meter vom Wald entfernt oder auf den genehmigten Lagerplätzen etwas näher. Ich rufe die Bauern auf, solidarisch untereinander zu sein! Das hat bisher geklappt und die Mehrheit der Waldbesitzer macht mit."

An dieser Solidarität mangelt es nach Waldbesitzer Hans Nüßlein und Christian Dorscht zum Teil. Deshalb müssten Forstbehörden und für Bescheide zuständige Landratsämter nicht nur Bescheide erlassen, sondern mit Strafen auch durchgreifen, meinen andere Waldbesitzer. Sie schwärzen auch keine Waldbauern direkt an, sorgen sich aber berechtigterweise um ihren eigenen Besitz. Andreas Rehe arbeitet auch ständig im Wald. Er sagt: "Es ist fast nicht mehr zu schaffen, eine wirkliche Katastrophe." Oft hilft ihm bei den Arbeiten seine Nichte Lena, die gerne ihre Freizeit opfert.

Betroffen vom Waldsterben sind aber alle, da der Wald für Klima und Wasser unschätzbare Dienste leistet. Darauf wies auch Forstoberrat Gregor Schießl vom Amt in Scheßlitz hin. Er ergänzte: "Nach den Vorschriften ist jeder Waldbesitzer verpflichtet, mindestens einmal im Monat von März bis Oktober seinen Wald auf Borkenkäferbefall zu kontrollieren und die erforderlichen Maßnahmen zu veranlassen." Mögliche Maßnahmen bei Nichtbefolgen seien sogar Zwangsgeld und "Ersatzvornahmen", die das zuständige Landratsamt erlassen kann. Schießl ermutigt aber auch, die Förderprogramme des Staates in Anspruch zu nehmen.

Forstamtmann Michael Bug hilft konkret den Waldbauern vor Ort, berät sie bei den Anträgen auf Beihilfen und zeigt ihnen auch direkt im Wald die erforderlichen Maßnahmen. Er erklärt die Gefahr nochmals so: "Ein Käferbaum tötet 20 Bäume in der Umgebung und die Käfer fliegen einige hundert Meter weit."

Für die besonders stark betroffenen Forstreviere Steinfeld, Buttenheim und Scheßlitz ist eine Borkenkäfer-Hotline eingerichtet und zwar täglich werktags von 10 bis 12 Uhr unter der Telefonnummer von Bamberg: 0951/ 86 87-12 18. Dort werden die wichtigsten Daten entgegengenommen und an die zuständigen Forstrevierleiter weitergegeben. Über Handy seien diese im Wald häufig schlecht zu erreichen, da oft kein Netz vorhanden sei, teilte die Behörde mit.

"Die Fichte wird nicht mehr zu retten sein", meint abschließend Nüßlein, "aber wir müssen versuchen, das Absterben zu verlangsamen, damit einzelne Bäume stehenbleiben, Schatten spenden und so das Verjüngen und Aufwachsen anderer Baumarten ermöglichen."