Die Kinderrolle der Bamberger Kurzfilmtage begeistert gleich zweimal kleine und große Zuschauer. Wenn viele Kinder aufeinander treffen, steigt der Geräuschpegel: Geschnatter und Gebrabbel, Gekicher und Gegacker. An diesem Samstag Nachmittag vermischt sich der akustische Trubel mit Popcornduft, Bonbon-Geraschel und dem Zischen von Limonadenflaschen. Alles zusammen ergibt: Vorfreude. Vorfreude auf die Filmrolle zu den Kinderfilmen der Bamberger Kurzfilmtage, die aufgrund des Andrangs der letzten Jahre in diesem Jahr gleich zweimal aufgeführt wird.

Und so war der Vor- und Vorführraum des Lichtspielkinos ebenfalls gleich zweimal prall gefüllt, mit neugierigen Kindern und ebenso neugierigen Eltern. "Wann geht es endlich los?" "Gleich." Szenen, die sich wiederholen, nur mit unterschiedlichen "Darstellern".

Doch was kommt im Kino bevor es mit dem Film losgeht, will die Moderatorin Abbygail Fuhl wissen. "Die Werbung!", schallt es ihr aus unzähligen Kinderkehlen entgegen. Die ist erfreulicherweise ziemlich kurz und so müssen die jungen Kinobesucher einem letzten Hinweis ihre Aufmerksamkeit schenken: dem Abstimmungszettel. Denn jedes Kind darf die sieben Filme bewerten, nicht wie üblich mit Schulnoten, sondern mit drei Smileys. So küren die jungen Zuschauer mit ihrem Publikumspreis den besten Kinderfilm. Und dann geht es auch schon los.

Dass Kurzfilme für Kinder besonders geeignet sind, merkt man schnell, da die Spielzeit zwischen drei und zehn Minuten die Aufmerksamkeitsspanne eines Kindes perfekt abdeckt. Dies weiß man auch beim Fernsehen, und so ist es dann wenig verwunderlich, dass in der Rolle, der ein oder andere Film auftaucht, der auch im KiKa läuft oder schon gelaufen ist.

Die Favoriten des jungen Publikums lassen sich schon an der Reaktion während der Filme erkennen. Animierte Zeichentrickfilme stehen bei Kindern hoch im Kurs, und wenn ein pinkes Nashorn mit Kopfhörern im Ohr leichtfüßig zu tanzen beginnt, ist das Gelächter im Saal groß. Aber auch die Spielfilme entfalten ihre Wirkung, auch wenn es keine humoristische ist: "Ist der jetzt schon vorbei? Aber man weiß doch gar nicht, wie es jetzt weitergeht", hört man einen sichtlich überraschten Jungen ausrufen.

Den größten Eindruck beim Kinderpublikum hinterließen schließlich dann doch zwei Animationsfilme. "Zebra" von Julia Ocker wurde zum Gewinner gekürt, Paul Cichons "Opossum" folgte im ganz knapp auf dem zweiten Platz. "Opossum" wartete mit einer Besonderheit auf, denn der Film lief neben dem Kinderwettbewerb auch im Spielfilmwettbewerb. "Das ist eine Besonderheit auch für mich, weil man im Vorfeld eines Filmes eigentlich die Zielgruppe im Blick hat", verrät "Opossum"-Schöpfer Paul Cichon hinterher. "Der war er für Erwachsene konzipiert, weil er zeigen will, warum Geräte kaputt gehen. Aber da die Kinder die kleinen Opossums so toll fanden, hat sich das dann eben so ergeben."


Animierte Kurzfilme

Gewinnerin Julia Ocker ist schon länger im Kinderfilm verwurzelt. Sie produziert animierte Kurzfilme für den Kinderkanal, so auch ihren Dreiminüter "Zebra", der die Kinder im Lichtspielkino schließlich am meisten begeisterte. Fast ein halbes Jahr hat sie an dem kurzen Clip gearbeitet, was die Kinder, aber vor allem die anwesenden Eltern im Gespräch zur Preisverleihung nachhaltig beeindruckte.

Julia Ockers vorläufiger Preis an diesem Nachmittag war ein Bamberger Reiter im Playmobil-Format. Der Preis passe hervorragend zu diesem Festival, "hier herrscht so eine nette und familiäre Atmosphäre", sie komme gerne hierher. Da wusste sie noch nicht, dass sie für "Zebra" am Samstagabend auch noch den richtigen Bamberger Reiter als Preis für den besten Kinderfilm bekommen sollte.