Die Frage "Windkraft ja oder nein?" konnte natürlich auch in Steinfeld nicht eindeutig beantwortet werden. Eine dreiviertel Stunde lang diskutierten dort Bürger, Betreiber und Politiker im Gasthof Lindner vor den Kameras des Bayerischen Rundfunks über denn Sinn und Unsinn von Windrädern, über "Windparks in Bayern: Chance oder Heimatverschandelung?", so der Titel der Sendung mit Moderator Tilmann Schöberl. Die Erkenntnis, die Zuschauer und Zuhörer aus dem "Bürger-Forum live" ziehen konnte, war vor allem: Es gibt kein eindeutiges "Ja" und kein eindeutiges "Nein", sondern nur ein "Ja, aber..." beziehungsweise "Nein, aber...". Bis auf wenige kategorische Windkraftgegner besetzten die Diskussionsteilnehmer Positionen, die eine Annäherung möglich erscheinen lassen.

Landschaftsschutz


Nicht mit sich Reden lies aber der als prominentester Windkraftgegner aufgebotene Enoch zu Guttenberg. Für den Freiherrn, der aus diesem Grund erst vor kurzem spektakulär aus dem Bund Naturschutz ausgetreten war, ist der Anblick von Windrädern schlicht "grauenvoll". Er verglich die optische Beeinträchtigung des Landschaftsbildes mit einem Salzsäure-Anschlag auf ein Altdorfer-Gemälde in der Alten Pinakothek.
Die Entgegnung von Margarete Bause, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, dass im Gegensatz zur Zerstörung eines Bildes, Windräder rückstandsfrei wieder abgebaut werden können, mochte aber auch nicht jeder im Saal teilen.
Dem Schutz der Landschaft galten die meisten Einwände von Bürgern, die sich zu Wort meldeten. "Prinzipiell nicht gegen Windkraft", war eine wiederkehrende Aussage. Doch es würden einfach zu viele Windräder gebaut. Und sie stünden oft zu nah an den Ortschaften. Diese Meinung vertrat auch der Stadelhofener Bürgermeister Ludwig Göhl (ÜWG), der ebenfalls "nicht grundsätzlich dagegen" ist. Es müssten jedoch unbedingt die Abstände eingehalten werden - und diese sollten am besten noch weiter sein als geplant.

Die weitgehende Rücksichtnahme auf Landschaftsschutzgebiete im Entwurf des Windkraft-Regionalplans bremst aber auch so manche Initiative. "Wir wollen Windräder und bekommen keine", beklagte Georg Lunz, Grünen-Gemeinderat in Litzendorf und Vertreter der dortigen Agenda-Gruppe. In seiner Gemeinde, wie auch im benachbarten Heiligenstadt, gebe es eine klare Mehrheit für Windkraft.
Als betroffene Bürgerin meldete sich CSU-Kreisrätin Anita Hoh aus Oberngrub zu Wort. Seit sechs Jahren wohne sie nun direkt vor fünf Windrädern. Ursprünglich sei sie strikt dagegen gewesen. "Man gewöhnt sich daran. Es ist nicht so schlimm wie gedacht", stellte sie fest Und Windkraft sei ihr auch lieber als Kernkraft. Aber die Belastung sei schon jetzt sehr hoch, warnte sie dennoch vor einem ungezügelten Ausbau der Windkraft.
Als probates Mittel dagegen führte Landrat Günther Denzler (CSU) den oft geschmähten Regionalplan an. "Wenn wir keinen Regionalplan haben, dann kann jeder überall bauen - und der Landkreis muss es genehmigen, wenn keine sachlichen Gründe dagegen sprechen", verteidigte er die geplante Ausweisung von 3500 Hektar an Vorrangflächen. Bei der Planung seien zudem die Gemeinden eingebunden, betonte Denzler. Wattendorfs Bürgermeister Rudolf Krapp (CSU) bemängelte dagegen, dass die Gemeinden zu wenig beteiligt würden.

Bürgerbeteiligung


Die mangelnde Einbindung der Bürger beklagte Stefan Will aus Hohenhäusling. "Ich könnte mit 190 Meter hohen Rotoren vor der Haustür leben, aber ich kann nicht mitbestimmen." Der Anlagenbetreiber komme von auswärts. Nun sei die Dorfgemeinschaft entzweit. "Wer will hier noch leben? Soll das die Energiewende sein?"
Stefan Brehm aus Poxdorf, der auch Gemeinderat in Königsfeld ist, mahnte an, dass sich die Grundstückseigentümer "nach dem richtigen Investor" umschauen sollen. Schließlich solle "was übrigbleiben für die Bürger".