Im Mittelpunkt des diesjährigen Kirchweihgeschehens in Scheßlitz stand der heilige Kilian. Er war als Statue präsent, sowohl im Festzug, als auch in der nach ihm benannten Pfarrkirche. Die Ursprünge des christlichen Glaubens in Franken hat er gelegt. Am Sonntag nach dem Bartholomäustag vor 600 Jahren war in der Scheßlitzer Kirche der Chorraum eingeweiht worden, der Rest war noch Baustelle. "Ein wundervolles Gebäude ist die Kirche jetzt, sie ist zu beachten und zu bewundern", so Domkapitular Josef Zerndl in seiner Festpredigt.
Zerndl ist in Scheßlitz geboren und aufgewachsen, seine Worte waren deshalb persönlich, ansprechend und fundiert. "Ich liebe diese Kirche, weil ich mit ihr Verbundenheit, Vertrauen, Zuversicht und Geborgenheit erleben durfte."

Und zu bewundern gibt es viel, so etwa die Beichtkapelle, die Kanzel, den Taufstein, den Hochaltar mit dem Bild des heiligen Kilian.
Über die vergangenen 600 Jahre könnten die Steine der Kirche viel erzählen, wenn sie nur reden könnten. Neben Licht gab es auch Schatten. Zerndl wies auf Irrtümer und Verfehlungen der Kirche hin. Die Brandschatzungen während der Hussitenkriege sprach er an, aber er bezeichnete auch ausdrücklich die Verbrennung des Jan Hus als Irrtum der Kirche.

Er erinnerte an "die schwierigen Zeiten unserer jüdischen Mitbürger hier", habe es doch vorher eine lange Zeit des gedeihlichen Miteinanders gegeben. "Diese Gemeinschaft vermissen wir!", so der Domkapitular. Den Festgottesdienst zelebrierte er zusammen mit den Pfarrern Markus Brendel, Werner Wolf, Markus Schürrer, sowie mit Prälat Hans Wich, Combonipater Andreas Thorwarth, dem Urlaubsvertreter Christophe Messanvi und dem Pfarrer der Evangelischen Gemeinde Udo Bruha. Bruha später: "Leider sind wir beim Abendmahl verschieden. Trotzdem sind wir alle Mitarbeiter am Haus Gottes, Christus ist der Baumeister, niemand anders!" Der Kirchenchor St. Kilian unter der Leitung von Rita Wiesheier bereicherte die Feierstunde gesanglich.

Pfarrgemeinderatsvorsitzender Reinhold Söder hatte anfangs Landrat Günther Denzler, MdL Heinrich Rudrof, die Bürgermeister und Stadträte, alle Mitwirkenden an der 600-Jahr-Feier und alle weiteren Gläubigen begrüßt. Alle Grußredner und Domkapitular Josef Zerndl lobten die ehrenamtlich tätigen Helfer. Einen besonderen Dank erhielt Mesner Hubert Kurzela für sein jahrelanges großes Engagement. Christophe Messanvi bekam viel Beifall für seine Urlaubsvertretung im August. "Meine Zeit hier geht zu Ende, es war eine sehr schöne Zeit. Ich erlebte ein anderes Leben als in Afrika. Ich habe mich in Scheßlitz, Peulendorf und Giech sehr wohl gefühlt. Und ich danke für die Spenden!", so der Priester aus der République Togolaise.

Kran statt Schwalben

Einen stattlichen Kirchweihfestzug mit 700 Mitwirkenden und 52 Gruppen hatte die Kirchweih am Samstag beginnen lassen. Unter den Klängen des Musikvereins Scheßlitz, der Pünzentaler Musikanten und der Musikkapelle Wattendorf bewegte sich der Zug durch die Stadt. An der Spitze die FFW Scheßlitz mit dem Kirchweihbaum, gefolgt von den Lustigen Metzenhüpfern mit den Zunftzeichen. Auch für das Aufstellen des Baumes zeigte sich die Feuerwehr verantwortlich und arbeitete vorzüglich, zumal sich heuer das Hantieren mit den ‚Schwalben‘ durch die Arbeiten am Kirchendach etwas kompliziert gestaltete. Der Baukran vor der Kirche und die Drehleiter der FFW übernahmen eine zusätzliche Sicherung. Am Ende hatten Georg Düthorn und seine Mannen den Festbaum im Griff, das heißt, im ‚Loch‘.

Die Lustigen Metzenhüpfer zeigten Volkstänze, bevor Zerndl, 1. Bürgermeister Franz Zenk und Reinhold Söder den Bieranstich an drei gestifteten Fässern vornahmen. Das Kirchweihtreiben nahm seinen Lauf: In Gasthäusern, Biergärten und im ‚Schießgraben‘ kamen Groß und Klein auf ihre Kosten. Das Engagement der örtlichen Vereine, Verbände und Gruppen unter der Federführung von 2. Bürgermeister Roland Kauper wurde belohnt. Begeisterte Zuschauer säumten in Scharen das Treiben.

Für Pfarrer Christophe, den Urlaubsvertreter, hinterließ die Scheßlitzer Kirchweih mit Sicherheit einen bleibenden Eindruck: In seinem Heimatland Togo haben die Menschen Sorgen, sie kämpfen täglich gegen Hunger, Krankheiten, Arbeitslosigkeit und politische Instabilität.