Dieser persönliche Segensspruch zauberte jedem ein Lächeln ins Gesicht: "Gott liebt dich, durch die Taufe gehörst du zu Jesus Christus". Mit diesen Worten zeichneten Bischöfe, Pfarrer und Pfarrerinnen jeweils ein Kreuz auf die Stirn, den Daumen benetzt mit Wasser aus dem Taufbrunnen in der Domkrypta, über das zuvor ein Lobpreis gesprochen worden war. Domorganist Markus Willinger begleitete die Zeremonie, die bei rund tausend Gläubigen durchaus ihre Zeit in Anspruch nahm, mit verhaltenen Klängen.

Erzbischof Ludwig Schick hatte an diesem Ostersonntagabend zu dem ökumenischen Taufgedächtnisgottesdienst eingeladen. Es sei ihm ein besonderes Anliegen, im 1000-jährigen Domjubiläum die Ökumene einzubeziehen, erklärte er in seiner Begrüßung. "Der Dom ist ein Zeichen der ganzen ungetrennten Christenheit", sagte der Erzbischof. Der Dom sei noch vor der Trennung der Kirche in Ost und West erbaut, und mehr als 500 Jahre "sind alle Christen Bambergs in den Dom gekommen". Trotz aller Trennung, "die wir spüren und bedauern, wissen wir, dass katholisch, evangelisch und orthodox im Fundament geeint sind", betonte Erzbischof Schick und gab das Motto dieses Gottesdienstes aus: "Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater, Jesus Christus". Damit seien zwar nicht alle Probleme gelöst, wie sie sich etwa bei konfessionsverschiedenen Ehen zeigten. "Doch auf diesem Fundament können wir aufbauen", zumal Fortschritte in der Ökumene von vielen Faktoren abhängen würden, "die wir nicht in unserer Hand haben", so der Erzbischof.


"Wunderbare Feier im prächtigen Dom"


Der evangelisch-lutherische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, der rumänisch-orthodoxe Weihbischof Sofian von Kronstadt aus München und der evangelisch-methodistische Superintendent Wolfgang Rieker aus Nürnberg gestalteten die Liturgie dieser ökumenischen Vesper mit. Psalmen - von der Mädchenkantorei am Dom tonsicher gesungen - Lesung, Erneuerung des Tauf- und Glaubensbekenntnisses, Lobpreis über das Wasser und Zeichenhandlung, Verpflichtung zum Taufbund, Fürbitten: Das alles ergab eine "eindrucksvolle und wunderbare Feier im prächtigen Dom", wie Weihbischof Sofian von Kronstadt sagte. Sein in der Orthodoxie übliche Ostergruß klang hoffnungsvoll: "Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden."

Auch Landesbischof Bedford-Strohm hielt eine Predigt zum Osterfest, "das wir als Schwestern und Brüder in ökumenischer Eintracht feiern". Ostern zeige, dass der Tod am Ende nicht das letzte Wort habe: "Das Leben wird siegen". Wer daran zweifle, solle auf die Taufe schauen: "Die Taufe ist der Ort, an dem sich diese Botschaft herein schreibt - Christus ist auferstanden", rief der Landesbischof der großen Gemeinde zu.

Die Taufe wird auf der deutschlandweit von den katholischen, evangelischen, orthodoxen, altorientalischen Kirchen sowie der Freikirchen wechselseitig anerkannt. Im Jahr 2007 wurde in Magdeburg eine entsprechende Erklärung unterzeichnet. Davor gab es 30 Jahre lang nur einzelne regionale Vereinbarungen zwischen Gliedkirchen der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) und römisch-katholischen Diözesen über die wechselseitige Anerkennung der Taufe.


Magdeburger Erklärung


Im Text der Taufanerkennung heißt es: "...Als ein Zeichen der Einheit aller Christen verbindet die Taufe mit Jesus Christus, dem Fundament der Einheit. Trotz Unterschieden im Verständnis von Kirche besteht zwischen uns ein Grundeinverständnis über die Taufe. Deshalb erkennen wir jede nach dem Auftrag Jesu im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes mit der Zeichenhandlung des Untertauchens im Wasser bzw. des Übergießens mit Wasser vollzogene Taufe an und freuen uns über jeden Menschen, der getauft wird...Die so vollzogene Taufe ist einmalig und unwiederholbar."