Der Tisch ist festlich gedeckt: Kerzen, Servietten, Tischdecken. Zur Vorspeise gibt es Kürbissuppe, gemischte Antipasti oder Maultaschensuppe, zur Hauptspeise Wraps, Gnocchi oder Hühnchen und zur Nachspeise Mousse au Chocolat, Himbeercreme oder selbstgemachte Waffeln. Was sich nach einem Festtagsmenü anhört, hat sich in hunderten Studentenbuden in Bamberg abgespielt. Denn beim "BamBus-Dinner", das auch als "Running Dinner" bezeichnet werden kann, werden die drei Gänge eines Menüs - Vorspeise, Hauptspeise und Dessert - in drei unterschiedlichen Studentenwohnungen eingenommen werden.

In Zweierteams besucht man zwei unbekannte Wohnungen und kocht einmal bei sich selbst. Neben den zwei Köchen nehmen immer vier weitere Studenten an der Tafel Platz. Man kann also an dem Abend bis zu zwölf neue Leute kennenlernen. Welches Gericht selbst zubereitet werden muss, erfahren die Studenten erst einige Tage vorher.
Da ist nicht nur Kreativität, sondern auch eine gute Planung gefragt. Es kann zum Beispiel vorkommen, dass man den Hauptgang zubereiten muss und zur Nachspeise und zum Dessert zu ganz unterschiedlichen Teilnehmern geht. Im Vordergrund stehen dabei der Spaß am Kochen und die neuen Kontakte, die die Studenten untereinander knüpfen.

Aufwändige Planung

Das "BamBus-Dinner" hat in diesem Semester zum 25. Mal stattgefunden und wird von Jahr zu Jahr beliebter bei den Studenten. Dieses Mal gab es eine Teilnehmer-Rekordzahl: Über 1400 Studierende haben sich im Vorfeld bei den Organisatoren des "BamBus-Dinners" angemeldet.

Nach einem einfachen Prinzip ist man beim Dinner dabei: Die jungen Leute lassen sich in Zweiergruppen bei den Organisatoren in Listen eintragen und geben ihre E-Mail-Adresse, den Wohnort und das Essverhalten, also ob man beispielsweise vegetarisch isst, an. Dann liegt die Arbeit vor allem bei den 30 Helfern, denn sie müssen mehrere Tage lang den Ablauf des Abends planen.

Berit Mornhinweg ist die Hauptorganisatorin des Dinners. Sie erklärt das Vorgehen bei der Planung: "Wir haben die letzten Tage alles zusammen über unsere gemeinsame Facebook-Gruppe geplant. Die einzelnen Dinner-Gruppen werden zunächst nach Fleischessern und Vegetariern eingeteilt, dann geht es um die Lage der Wohnungen: Vorspeisen werden meistens im äußeren Teil von Bamberg eingenommen, bei den nachfolgenden Gängen nähert man sich der Stadtmitte."

Am Abend wird geschnippelt und gekocht, aus den Töpfen dampft es und jeder hofft, dass man früh genug fertig wird. Ein paar Tage zuvor haben alle erfahren, wo ihre Gänge stattfinden und planen dementsprechend den Weg dorthin. Mit der Vorspeise wird um 18.30 Uhr gestartet, der Hauptgang folgt um 19.30 Uhr und das Dessert findet dann schließlich um 21 Uhr statt. Keine Zeit also, in dieser Zeit zwischen den Wohnungen zu wechseln, das Essen zuzubereiten und es schließlich zu verspeisen. Man muss sich schon im Vorfeld um die Zubereitung des Essens kümmern. Und auch der Einkauf sollte frühzeitig mit dem Koch-Partner besprochen und erledigt werden.

Positive Erfahrungen

Das wissen auch Christian und Frederic. Sie waren schon zwei Mal beim "Bambus-Dinner" dabei und dürfen dieses Jahr die Nachspeise zubereiten. Im Kühlschrank wartet eine Himbeermousse. Zunächst geht es aber zur Vorspeise auf die Erba-Insel und im Anschluss zur Hauptspeise. Sie zeigen sich danach nicht so begeistert wie in den Vorjahren: "Bei uns gab es Kürbissuppe zur Vorspeise, die war richtig lecker. Bei der Hauptspeise hatten wir uns mehr erhofft: Wir konnten Wraps selbst belegen. Die Auswahl war leider nicht wirklich groß. Aber geschmeckt hat es trotzdem."

Die Veranstalter schauen am Dinnerabend bei einigen Gruppen selbst vorbei und überraschen sie mit einer Flasche Sekt. Berit Mornhinweg organisiert das "BamBus-Dinner" mit großem Spaß und hat auch schon persönliche Erfahrungen mit verschiedenen Menüs gemacht: "Ich habe noch nie erlebt, dass sich jemand keine Mühe gemacht hat. Im Gegenteil: Letztes Jahr war ich bei einem Studenten eingeladen, der hat Maultaschen selbst gemacht, das war für mich als gebürtige Schwäbin schon etwas ganz Besonderes!"

Nicole Gruschka und Mareike Hoch studieren beide Pädagogik. An diesem Abend gibt es für sie Wraps, Gnocchi mit Pilz-Spinat-Soße, und als letztes sind sie selbst dran: "Wir machen eine Applecrumble und dazu eine Weihnachtsbowle mit Gewürzen. Das ist unser viertes Bambus-Dinner, und bis jetzt ist das der beste Dinner-Abend für uns beide."

Die IBWL-Studentin Anke Gäbisch hat bei ihrem dritten "Bambus-Dinner" Maultaschen-Suppe, Gemüselasagne und Mousse au Chocolat verspeist. Zum ersten Mal gab es für sie vegetarische Kost, und sie ist keinesfalls enttäuscht: "Ich finde, dass sich Vegetarier im Vergleich meinem Essen in den vorherigen Jahren mehr Mühe und Gedanken gemacht haben."

Am nächsten Tag zeigt sich auch Berit Mornhinweg mit dem Kocherlebnis zufrieden: "Natürlich kann nicht immer alles glatt laufen, aber alle Gruppen hatten wirklich viel Spaß beim Kochen und Essen und das ist das Ziel der Veranstaltung." Das "Bambus-Dinner" kann also in eine nächste Runde gehen