In Franken könnte das Stehpaddeln heuer der Trendsport werden. Unter den urbanen Hipstern der Großstädte ist es bereits ein Hype: In Amsterdam paddeln Touristen die Kanäle runter, in London treffen sich SUP-Enthusiasten unter der Kew Bridge und auch in Deutschland wird die Fangemeinde immer größer. Neue, aufblasbare Bretter lassen sich auch ganz bequem unterm Arm transportieren, kein Auto ist dafür nötig.

So erlebten wir es in Köpenick: Eben noch hatten wir dem älteren Paar, das in gepolsterten Liegestühlen sitzt und entspannt auf der eigenen Terrasse mit Kanalblick den Sonntagskaffee einnimmt, übermütig zugewinkt. Doch ein Paddelschlag zu viel auf der rechten Seite - und plötzlich gleitet das Board überraschend schnell in Richtung eben jener Terrasse. Nah, immer näher kommen die Holzbretter. Wild hantieren wir mit dem langen Paddel und versuchen dabei, das Gleichgewicht zu halten. Jetzt lässt auch der Mann im Bademantel, der uns eben noch belustigt zurückgewinkt hatte, besorgt die Zeitung sinken. In letzter Sekunde schaffen wir es, gegenzusteuern. Eiskaltes, schlammiges Wasser schwappt über nackte Füße - doch wir haben es geschafft, das Board dreht ab.
 


Stehpaddeln in Köpenick

"Fährt sich doch super, oder?", ruft John-Patrick Villwock ermunternd über das Wasser. Der Stehpaddel-Lehrer zieht mühelos an uns vorbei und lacht freundlich - ganz so, als hätten wir nicht gerade beinahe seine schöne Statistik ruiniert. "Auf meinen Touren fallen nur die wenigsten ins Wasser, ich bringe jedem Anfänger das Paddeln innerhalb von zehn Minuten bei", hatte der nämlich stolz zu Beginn verkündet.

Da standen wir gerade am Bootssteg der Kanu-Vereinigung Köpenick, blickten etwas beunruhigt auf die trüb-grünen Wassermassen der Alten Spree und mussten daran denken, dass Patrick die heutige Route als "Adventure Everglades Tour" beworben hatte. Warum nur Everglades? "Weil wir durch den Gosener Graben paddeln, der ist Naturschutzgebiet, im Spätsommer sieht man da wegen der vielen Wurzeln, Entengrütze und Stechmücken kaum noch das Wasser", belehrte Patrick die Gruppe. "Da erwartet du jeden Moment, dass ein Alligator im Dickicht auftaucht." Ach so. Wie beruhigend.
 


Surfen light

Fallen oder Nichtfallen - mit solchen Gedanken mussten sich die Erfinder des Stand-up-Paddelns wohl nicht herumschlagen. "SUP", so die Kurzform, kommt schließlich aus dem warmen Hawaii - es ist dem Wellenreiten ähnlich, nur dass man auf dem Surfbrett steht und sich nicht mit den Händen, sondern einem Stechpaddel fortbewegt. Die Surflehrer auf Maui fingen in den 1960er-Jahren damit an, um mithilfe der aufrechten Position ihre Schüler besser beobachten zu können. Dank des Paddels konnten sie schneller zu den wellenbrechenden Riffen gelangen.
 


Gleichgewicht halten!

Die erste Lektion des Tages: Stand-up-Paddling ist schön - solange man nicht das Gleichgewicht verliert und ins Wasser fällt. Sicher, in den wohlig warmen Temperaturen des Pazifischen Ozeans mag das kein Problem sein, im frischen Berlin aber bleibt man lieber so lange wie möglich oben. Doch trotz aller Widrigkeiten: SUP ist sozusagen "Surfen light", nämlich viel einfacher und weniger anstrengend. Also endlich mal eine Wassersportart, die man innerhalb eines Tages komplett beherrschen kann.
 


Hawaii, Europa, Franken

Inzwischen hat der Trendsport Europa erreicht - jetzt wird auch hier auf Seen, Flüssen und Meeren gepaddelt, was das Zeug hält. Es gibt auch in Franken einige Möglichkeiten: In Bamberg, wo Regnitz und Main aufeinander treffen finden Stehpaddler einen perfekten Rundkurs durch die Altstadt. In Schweinfurt und Würzburg wird ebenfalls auf dem Main gepaddelt. Es gibt außerdem beispielsweise auch Touren auf dem Obermain nahe Lichtenfels.