• "Stärk' antrinken": Das steckt hinter dem fränkischen Brauch
  • Darum wird die Tradition ausgerechnet am Dreikönigstag zelebriert
  • Christlicher Hintergrund: "Stärk' antrinken" geht wohl auf Rauhnächte zurück
  • Was alles im Bockbier steckt und woher es seinen Namen hat

Ausgiebiger Bierkonsum zum Jahresbeginn soll die Franken gesund durchs ganze Jahr bringen - zumindest wenn man einem jahrhundertealten Brauch Glauben schenkt. "Stärk' antrinken" nennt sich die Tradition, bei der am Dreikönigstag (6. Januar) zwölf "Seidla" Bier getrunken werden. Das soll in den kommenden zwölf Monaten gegen sämtliche Widrigkeiten schützen.

Was es mit dem "Stärke antrinken" auf sich hat

Zwölf "Seidla" und das meist vom besonders starken Bockbier, das viele Brauereien extra für den Anlass brauen - schafft das überhaupt jemand? "Ich habe noch nicht erlebt, dass bei uns jemand zwölf Seidla getrunken hat", sagt Thomas Zimmer, Meister in der ältesten Bäckerei Bayreuths, in der auch selbst gebrautes Bier ausgeschenkt wird. Hier wurden in den Jahren vor der Pandemie beim "Stärk' antrinken" Hunderte Gäste bewirtet. "Das ist für mich ein Marketing-Gag von gewieften Brauern", findet Zimmer. Es gehe auch nicht darum, dass man möglichst viel trinke, sondern dass man sich treffe und mit Freunden aufs neue Jahr anstoße.

Zum jährlichen "Stärk' antrinken" erwarten Gaststätten und Brauereien in ganz Oberfranken eigentlich zahlreiche Besucher. Aufgrund der Corona-Pandemie wird der Brauch aber auch im Jahr 2022 nicht wie gewohnt stattfinden können. Um den Brauch ranken sich viele Mythen: Beruht er beispielsweise tatsächlich auf einer christlichen Tradition? In der Regel trifft man sich bereits am Vorabend des 6. Januars im Familien- und Freundeskreis oder auch in Gastwirtschaften, um sich gemeinsam Stärke - im Volksmund "Stärk'" - für das neue Jahr anzutrinken. Unter "Stärk" wird Kraft und Gesundheit verstanden.

Damit die Stärke auch das ganze Jahr lang anhält, sollte für jeden Monat des Jahres ein "Seidla" vom Bock getrunken werden, erklärt der "Verein zur Förderung der fränkischen Braukultur". Als Seidla wird in Franken ein Bierkrug oder -glas mit einem halben Liter Bier bezeichnet. Aus diesem Grund sollte die Zwölferregel nicht so genau genommen werden. Schließlich dient der Brauch dem Mobilisieren der Kräfte und soll nicht das Gegenteil bewirken.

Wann und warum wird "Stärk'" angetrunken?

Das traditionelle Datum zum "Stärk' antrinken" ist der Abend des 6. Januar. Mancherorts wird dieser Brauch auch schon am 5. Januar vollzogen. Der genaue Ursprung des Brauchs lässt sich laut dem Bayreuther Tourismusmarketing nicht mehr genau rekonstruieren. Vermutlich ist er vor rund 200 Jahren entstanden. Einer verbreiteten Theorie zufolge hänge er mit dem vorchristlichen Brauch der Rauhnächte zusammen, in denen Geister und Dämonen ihr Unwesen getrieben haben sollen. Lärm und Ausräucherung sollten dem Schutz vor diesen Gestalten und vor den Gefahren des kommenden Jahres dienen.

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Je nach Region variiert die Anzahl der Rauhnächte zwischen drei und 13. Meist decken sie sich jedoch mit den zwölf Weihnachtstagen von Weihnachten (25. Dezember) bis zum Dreikönigsfest (6. Januar). Bei den Germanen und Kelten galten diese Nächte als heilige Zeit, die für die Familie, zum Feiern und zum Orakeln genutzt wurde. Etwa im 18. oder im frühen 19. Jahrhundert sei diese Tradition entstanden, sagt Markus Kratzer vom Heimat- und Volkstrachtenverein "Alt-Bayreuth".

Früher feierte man an diesem Tag den Jahreswechsel und nicht wie heute am 31. Dezember. Deshalb ist der 6. Januar, besonders im süddeutschen Raum, auch als Hochneujahr, Großneujahr oder "Öberschder" (auf Hochdeutsch "Oberster") bekannt. Mit dem Dreikönigsfest, das am selben Tag gefeiert wird, hat diese Neujahrsvorstellung vermutlich nichts zu tun. Es finden sich keine christlichen Wurzeln, auf die der Brauch zurückgeführt werden kann.

Wo wird das "Stärk' antrinken" vor allem gefeiert?

Gefeiert wird vorwiegend in geselliger Runde in einer Gaststätte. In Oberfranken dürfte dieser Brauch schon wegen der hohen Brauereidichte weit verbreitet sein: Rund 200 Brauereien gibt es in der Region, davon etwa 70 im Kreis Bamberg. Die meisten brauen anlässlich des "Stärkantrinkens" ein spezielles Starkbier, welches dafür besonders gut geeignet sein soll. Dabei handelt es sich um das sogenannte Bockbier.

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Bockbiere sind Starkbiere mit einem Stammwürzegehalt von mindestens 16 Prozent. Ab 18 Prozent werden sie "Doppelbock" genannt. Die Stammwürze bezeichnet den Anteil der aus dem Malz und Hopfen gelösten Stoffe vor der Gärung wie Malzzucker, Eiweiß, Vitamine und Aromen. Sie bestimmt auch den späteren Alkoholgehalt des Biers.

Bockbier gibt es von Hell bis Dunkel, aber auch als Weizenstarkbier. Es hat einen Alkoholgehalt von 6,5 Prozent und mehr. Das Hauptverbreitungsgebiet des Bockbiers ist Süddeutschland. Es stammt aber ursprünglich aus der niedersächsischen Stadt Einbeck. Von dort aus wurde das Bier seit dem 14. Jahrhundert nach Bayern und sogar bis nach Italien exportiert. Damit es länger haltbar bleibt, wurde es mit einem besonders hohen Stammwürzgehalt eingebraut, wodurch sich der Alkoholgehalt erhöhte.

Im Jahr 1614 holte das Adelshaus Wittelsbach den Braumeister Elias Pichler aus Einbeck ans Hofbräuhaus nach München. Das "ainpöckisch Bier" wurde bald nur noch "Bockbier" genannt. Mit dem gleichnamigen Tier hat der Name des Biers also nichts zu tun. Im Norden Bayerns ist der Bockbieranstich meist im Herbst. Für das "Stärk' antrinken" im Januar werden einige der Fässer aufbewahrt.

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mit dpa

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