Uwe Ernst hat in seiner Karriere schon einige Erfolge gefeiert. Einige spätere Profis kreuzten seinen Weg. Unübertroffen aber bleibt für ihn der 1:0-Sieg über die Münchner Bayern in der Hauptrunde des DFB-Pokals mit Vestenbergsgreuth. Im Jahre 1994 war das. Mittlerweile ist der ehemalige Jugendspieler des TSV 1860 München Spielertrainer beim TSV Staffelbach.

Die genaue Zahl der Vereine, für die er tätig war, weiß Uwe Ernst auf Anhieb gar nicht mehr. Kein Wunder, schließlich ist der 45-Jährige Wahl-Bamberger bisher auch viel herum gekommen. Für insgesamt 14 Vereine schnürte er bis zum heutigen Tag seine Fußballschuhe. Begonnen hat seine abwechslungsreiche Karriere beim TSV Bad Königshofen. Sein erster Wechsel war auch gleichzeitig der wichtigste Schritt in seiner Karriere: Von seinem Heimatverein wechselte er in die Jugend des TSV 1860 München.

Nach seinem Intermezzo in der bayerischen Landeshauptstadt ging es zunächst wieder zurück in seine Heimat. "In der Folgezeit hatte ich in der Bayernliga Glück, dass ich immer bei guten Vereinen gelandet bin", blickt er auf Stationen wie Sand, Schweinfurt, Stegaurach zurück. Doch das letzte Quäntchen Glück blieb dem heutigen Bamberger verwehrt, und so kam er nicht über die damalige 3. Liga hinaus. "Da hat mir leider das berühmte i-Tüpfelchen und ein guter Berater gefehlt." Trotzdem, das Kraftpaket mit dem gewaltigen Schuss stand mit zahlreichen späteren Profis gemeinsam in einer Mannschaft auf dem Feld: mit Michael Wiesinger beim FC Starnberg, mit Bernhard Winkler oder Erwin Albert beim FC Schweinfurt 05 - wo er von Werner Lorant trainiert wurde - und einigen anderen, die es in den bezahlten Fußball schafften.

Dass er seinen Vertrag beim TSV Vestenbergsgreuth freiwillig aufgelöst hat, um nach Schweinfurt zu wechseln, bezeichnet der Immobilienberater im Rückblick als größten Fehler. Da es in Vestenbergsgreuth keine Reserve gab und der Kader sehr breit war, bangte Ernst um seine Einsatzzeiten: "Ich habe mir Gedanken gemacht, wer da noch kommt. Ein Spieler kam damals sogar vom FC Bayern, da hatte ich ein schlechtes Bauchgefühl, was meine Chancen auf einen Stammplatz betraf." Doch sein Bauchgefühl hat ihn getäuscht, denn nur kurze Zeit später haben sich beide Stürmerkonkurrenten schwer verletzt und der Weg wäre frei gewesen für Ernst.

Schönste Zeit in Sand

Über die Umwege FC Schweinfurt 05 und SpVgg Stegaurach landete er dann beim FC Sand. Dort erlebte Ernst seine schönste Zeit. "Alles war top! Das Umfeld, das Stadion und die Mannschaft." Seine Zeit in Sand bezeichnet er auch als seine erfolgreichste, obwohl Ernst seine persönliche "Sternstunde" mit seinen Mitspielern aus Vestenbergsgreuth erlebte. Im DFB Pokal besiegte das mittelfränkische Dorf, das damals zu den Topadressen im fränkischen Fußball gehörte, den FC Bayern München mit 1:0. 20 Jahre ist das nun her, aber: "So etwas vergisst man nicht und da wird auch nichts mehr rankommen", so Uwe Ernst über den legendären Erfolg, bei dem er damals eingewechselt wurde und als direkten Gegenspieler Markus Babbel hatte: "Ein Kerl wie ein Baum", erinnert sich der Rechtsfuß, der damals aufgrund eines Zehenbruchs nur von der Bank kam.

Seit 2012 ist Ernst nun Spielertrainer beim TSV Staffelbach und belegt mit seinem Team aktuell den sechsten Tabellenplatz. Angesichts des Rückstandes von 17 Punkten glaubt er natürlich nicht mehr an den Aufstieg. "Da müsste schon Weihnachten, Silvester und Ostern auf einen Tag fallen. Aber wir wollen die Vorderen ärgern." Als Saisonziel gibt er Platz 5 aus. Um das zu realisieren, müssen aber alle an einem Strang ziehen.

"Je höher du nach oben kommst, desto weniger Freunde hast du. Da will jeder spielen", spricht er die Ellenbogen-Mentalität in höheren Ligen an. Die Mitspieler aus all den Jahren, an die er sich gerne zurückerinnert, sind vor allem die, "die nicht nur fußballerisch, sondern auch charakterlich in Ordnung waren." Die meisten davon lernte er beim FC Sand kennen. Aber nicht nur dort: "Ich habe einige Pfundskerle kennengelernt, bei denen nicht nur das Talent, sondern auch das Menschliche absolut gestimmt hat", nennt er als Beispiele Akteure wie Christian Horcher, Dirk Bauer, Erkan Esen, Roland Stein oder auch Oliver Greim. Stein war es es auch, der mit seinem 1:0 damals gegen die Bayern, die "Sternstunde" erst möglich machte.