Wer dieser Tage mit Christian Schneidereit spricht, kann spüren, wie sehr der 56-Jährige für seine Rückkehr an die Seitenlinie brennt. Vor knapp zwei Jahren musste er sein Traineramt aus gesundheitlichen Gründen beim damaligen Kreisklassenisten SV BW Sassendorf aufgeben. "Mir fehlte die Kraft, um 100 Prozent zu geben. Halbe Sachen kommen für mich nicht infrage", blickt Schneidereit auf seine Entscheidung im November 2018 zurück. Seitdem habe er genug Zeit gehabt, um sich vollständig auszukurieren, so dass das Feuer hinsichtlich einer neuen Traineranstellung wieder zu lodern begann. Der Anruf vom Vorsitzenden des SV Würgau, Matthias Hartmann, kam dann gerade recht. "Der Zeitpunkt war natürlich ideal - und dann kam dieses noch von einem meiner Lieblingsvereine aus der Region." Die Würgauer Tugenden, mit wenig finanziellen Mitteln das Maximale zu erreichen, sowie die gewachsenen Strukturen mit einer vorbildlichen Jugendarbeit haben ihm in all seinen Jahren als Übungsleiter imponiert. "Ich bin stolz, nun hier zu sein. Ich liebe schwere Aufgaben wie diese, wo ich etwas bewegen kann."

Genau diese Bewegung dürfte der Mannschaft mitten im Abstiegskampf gut zu Gesicht stehen, schließlich habe der freiberufliche Sportlehrer zu seinem Amtsantritt viele verkrampfte und verunsicherte Spieler vorgefunden und ein Bedürfnis nach Lockerheit wahrgenommen. Dass das Team die nötige Qualität für den Klassenerhalt mitbringe, steht für Schneidereit außer Frage, es bedürfe nur des Drehens an den richtigen Stellschrauben: "Einerseits strebe ich eine Änderung des Systems an: Wir wollen künftig aus einem kompakten Defensivverbund und Mittelfeld heraus agieren. Andererseits gilt es, am Kampfes- und Siegeswillen der Jungs zu arbeiten, der ihnen zuletzt abging. Ich bin optimistisch, dass uns das gelingt." Beratend an seiner Seite weiß er Joachim Hemmer, der nach dem Rücktritt des Vereinsurgesteins Thorsten Barth zu Beginn des Monats interimsweise übernommen hatte.

Bei der 0:4-Pleite zum Einstand gegen Abstiegskonkurrent FC Strullendorf habe Schneidereit viel von dem gesehen, woran sein Team arbeiten muss, um im Kampf um den Klassenerhalt bestehen zu können: "Nach dem zweiten Gegentreffer hat lange Zeit das Dagegenhalten gefehlt - die Mannschaft muss einfach an sich glauben und es wirklich wollen." Die nächste Chance, diese Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, bekommt seine Truppe ausgerechnet beim Ligaprimus in Rattelsdorf.

Die Spiele des 25. Spieltags

Christian Schneidereit blickt auf die Spiele voraus.

SpVgg Rattelsdorf (1.) - SV Würgau (16.)

Dass beim Tabellenersten eine Mammutaufgabe wartet, ist Schneidereit klar. Von 2015 bis 2018 trainierte er selbst die SpVgg und wird auf viele bekannte Gesichter treffen: "Wir müssen es schaffen, Schlüsselakteure wie Spielertrainer Tommy Grünert oder Torgarant Jeffry Stade auszuschalten." FC Strullendorf (13.) - TSV Hirschaid (5.)

Der FC hat beim 4:0 in Würgau seine Negativserie beendet und den ersten Dreier seit über einem Jahr eingefahren. Am Samstag ist mit dem TSV Hirschaid jedoch ein anderes Kaliber zu Gast. Die Elf von Daniel Schäffler verschenkte zwar beim 2:2 gegen Zapfendorf zwei Punkte, ist aber immer noch unbezwungen im Kalenderjahr. Schneidereit tendiert zu einem Aufwärtstrend der Hausherren: "Mein Tipp: unentschieden."

SV Pettstadt (10.) - FSV Unterleiterbach (9.)

Die Heimelf hat sich dank zweier Siege von größeren Abstiegssorgen vorerst verabschiedet und ist bis auf einen Zähler an die Gäste herangerückt. Der FSV bleibt auch nach der Pleite unter der Woche gegen Stegaurach 2020 sieglos - eine traurige Bilanz, die laut Schneidereit auch nach Sonntag Bestand haben wird: "Ich erwarte ein offenes Mittelfeldduell und daher eine Punkteteilung."

SC Kemmern (4.) - ASV Sassanfahrt (6.)

Der ASV blieb gegen Pettstadt das erste Mal seit Wiederaufnahme des Spielbetriebs punktlos - eine Ausbeute, auf die man in Sassanfahrt in Anbetracht der zahlreichen Abgänge während der Zwangspause stolz sein kann. Nun geht es nach Kemmern, wo mit dem SC eines der Teams der Stunde wartet: 13 von 15 möglichen Punkten fuhr das Team von Alexander Stretz zuletzt ein. "Kemmern hat das Momentum und wird sich auch gegen Sassanfahrt durchsetzen", tippt Schneidereit.

SpVgg Mühlhausen (12.) -Ober-/Unterharnsbach (8.)

SV-Coach Ercan Esen sprach im Anschluss an das 0:4 gegen Kemmern von einem echten Negativlauf, den es nun schnellstmöglich zu stoppen gilt. Da kommt die Begegnung mit der SpVgg gerade recht, schließlich befindet sich die Heimelf nach drei Niederlagen ebenso in einem Formtief. Geht es nach Schneidereit, wird keinem der Teams ein richtiger Befreiungsschlag gelingen: "Ich gehe von einem Remis aus."

SpVgg Lauter (14.) - SV Dörfleins (15.)

Bevor es in der Kreisliga in die Winterpause geht, steht in Lauter wieder ein Schlagabtausch im Abstiegskampf an: Die Gäste aus Dörfleins reisen mit der Empfehlung eines 2:0-Erfolgs gegen Mühlhausen an und möchten den nächsten Platz im Tabellenkeller gutmachen. Ein Vorhaben, mit dem der SV laut Schneidereit aber scheitern wird: "Die SpVgg ist für mich das kompaktere Team und hat in Christoph Schmitt einen Stürmer, der dir ein Spiel entscheiden kann. Ich tippe auf einen Sieg für Lauter."

DJK Tütschengereuth (3.) - SC Reichmannsdorf (11.)

Wenn die DJK weiterhin im Konzert der Großen mitspielen und Anschluss an die mittlerweile um vier Zähler enteilte SpVgg Stegaurach halten will, ist ein Dreier gegen Reichmannsdorf Pflicht. "Der SC leistet gute Arbeit und strahlt mit starken Torjägern wie Franz Helmer immer Gefahr aus. Ich setze jedoch auf die Heimstärke der DJK und gehe von einem Sieg aus."

SV Zapfendorf (7.) - SpVgg Stegaurach (2.)

Die SpVgg schießt ihre Konkurrenz in Grund und Boden: Nach der Zwangspause gewann der Zweite jedes seiner vier Spiele - bei einem Torverhältnis von 19:2. Mit einem Erfolg gegen Zapfendorf, das noch am Donnerstag deutlich gegen Würgau gewann, ist der Sprung an die Spitze möglich - wenn Rattelsdorf patzt. Schneidereit rechnet mit einem deutlichen Ergebnis: "Das wird eine klare Nummer für Stegaurach, das ergibt sich aus der momentanen Situation", macht Schneidereit den 25. Spieltag komplett.