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Bamberg
Fußballer aus Franken

Beliebter Fußballer aus den 90ern: Kult-Kicker Harry Koch ist heute Datenvernichter

Der Hallstadter Ex-Bundesligaprofi Harry Koch wurde mit dem 1. FC Kaiserslautern Pokalsieger und deutscher Meister. Mittlerweile ist der 50-Jährige beruflich auf neue Wege eingebogen und wurde vom Angriffs- zum Datenvernichter.
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Begleitet von seinen Söhnen Robin (links) und Louis (rechts) nimmt "Kult-Kicker" Harry Koch am 17. Juni 2003 Abschied von den Fans des 1.FC Kaiserslautern. Foto: Archiv/privat
Begleitet von seinen Söhnen Robin (links) und Louis (rechts) nimmt "Kult-Kicker" Harry Koch am 17. Juni 2003 Abschied von den Fans des 1.FC Kaiserslautern. Foto: Archiv/privat
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"Angesichts der Corona-Krise hat mich der Friseur schon länger nicht gesehen", sagt Harry Koch und lacht. Obwohl seit kurzem in Zeiten der Pandemie die Läden wieder geöffnet haben, hat der aus Hallstadt (Landkreis Bamberg) stammende, ehemalige Profi-Fußballer einen Haarschnitt nicht nötig. "Meine Haare wachsen nicht mehr wie früher und sind ergraut."

Die wilde Naturlocken-Mähne, für die Koch bekannt war und mit der er vor allem beim 1. FC Kaiserslautern zum "Kult-Kicker" aufstieg, sei Geschichte. Sein Sohn Robin, Profi beim SC Freiburg und Nationalspieler, tritt zwar sportlich, aber nicht optisch in seine Fußstapfen. "Vom Style her verzichte ich lieber auf seinen Rat, da mache ich besser mein eigenes Ding. Ich habe zum Glück auch nicht die Locken, die er hatte", sagte Koch junior in einem Interview mit dem Online-Portal "Sportbuzzer" im März. Koch senior sieht das ähnlich: "Er kann froh sein, dass er meine Haare nicht geerbt hat." Während Robin Koch am Anfang einer vielversprechenden Karriere steht, ist die aktive Zeit von Harry Koch lange vorbei. Im Jahr 2006 beendete der Hallstadter im Trikot des Regionalligisten Eintracht Trier seine Laufbahn. Bis 2011 blieb der 50-Jährige als Trainer des SV Dörrbach dem Fußball erhalten, seitdem geht Koch beruflich neue Wege.

Harry Koch: Im neuen Job viel Kontakt mit Menschen

Zunächst arbeitete Koch bis 2016 als Gesundheitsmanager für Beamte und Straßenmeister für das Land Rheinland-Pfalz. Dann zog er zurück nach Kaiserslautern, und ist seitdem in der Akten- und Datenvernichtung für ein weltweit operierendes Unternehmen tätig. Koch ist für Rheinland-Pfalz und das Saarland eingeteilt und viel unterwegs. Seine Aufgaben: Kunden aufklären, wie gesammelte Daten fachgerecht entsorgt werden. "Das ist nicht nur ein Bürojob, sondern eine Arbeit, bei der man viel mit Menschen zu tun hat."

Als es ihn zurück nach "Lautern" zog, sei er angesprochen worden, ob er sich diesen Job vorstellen könne. "In diesem Beruf ist es wichtig, das Vertrauern der Menschen zu haben. Da habe ich es als bekannte Person einfacher." Ob Privatkunden oder großes Unternehmen - Harry Koch nimmt Kontakt mit den Kunden auf und ist für den organisatorischen Bereich zuständig. Vernichtet werden die Akten unter anderem mit vier Meter hohen Hochleistungsschreddern. Für die Branche der Datenvernichtung war in den vergangenen Jahren vor allem ein Datum von großer Bedeutung: der 25. Mai 2018. Seitdem gelten strenge Datenschutzrichtlinien und Verstöße werden mit bis zu vier Prozent des jährlichen Umsatzes bestraft. "Vorher waren es 50 000 Euro. Vier Prozent können Unternehmen aber schon eher in Probleme bringen."

Mit den schärferen Richtlinien änderte sich auch die Auftragslage. "Es ist mehr geworden, weil das ein hochsensibles Thema ist." Auch in Corona-Zeiten hätten die Datenvernichter ordentlich zu tun. "Es gibt Branchen, wie etwa die Ärzte, die haben die Zeit genutzt, um einmal aufzuräumen", zeigt Koch ein Beispiel auf.

Harry Koch: Vom Fußball-Profi zum Datenvernichter

Andere Wirtschaftszweige, wie etwa die Automobilindustrie, hätten in den zurückliegenden Wochen hingegen nur wenig zum Vernichten gehabt. Nahezu ohne Einschränkungen konnte Koch zuletzt seiner Arbeit nachgehen. "Ich habe auch im Home-Office gearbeitet, und bin seit Mitte Mai auch wieder bei den Kunden vor Ort - natürlich mit den gängigen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen."

Seit acht Jahren ist der Hallstadter beruflich auf neuen Wegen, eine Rückkehr in das Fußball-Geschäft ist derzeit kein Thema. "Sag niemals nie. Aber der Fußball nimmt immer noch viel Zeit in Anspruch", sagt Koch, der versucht, bei jedem Heimspiel des SC Freiburg dabei zu sein, um Sohn Robin zu unterstützen. Und auch die Spiele seines zweiten Sohnes Louis, der für den SV Alsenborn in der A-Klasse Kaiserslautern-Donnersberg spielt, verfolgt Koch regelmäßig.

Sollte es Koch zurück in den Fußball ziehen, dann nur in den Profi-Bereich. Beim FCK wollte Koch vor ein paar Jahren als Jugendtrainer einsteigen und bewarb sich - doch der Traditionsverein vom Betzenberg entschied sich für andere Kandidaten und gegen den einstigen Publikumsliebling.

Koch hält Re-Start der Bundesliga für wichtig

Dass die 1. und 2. Bundesliga den Spielbetrieb unter einem strengen Hygienekonzept aufgenommen hat, hält Koch für richtig. "Es ist wichtig, dass die Bundesliga wieder spielt. Dass es nur ohne Zuschauer geht, ist natürlich ärgerlich." Mit Sohn Robin sei Koch im stetigen Austausch und stellte fest: "Die Jungs waren in völliger Isolation und brennen darauf, wieder zu spielen." Obwohl Robin erst seit drei Jahren in der Bundesliga spielt, hat er seinem Vater, der als knallharter Verteidiger und sicherer Elfmeterschütze galt, etwas voraus: Robin Koch ist Nationalspieler. "Dafür hat es bei mir nicht gereicht, auch wenn ich kurz davor war. Aber der damalige Bundestrainer Berti Vogts hat sich für Marco Rehmer entschieden", sagt Harry Koch.

Für den Fall, dass sich der Vater vom Sohn manch frechen Spruch anhören muss, hat Harry Koch vorgesorgt: "Wenn er damit ankommt, kann ich entgegnen, dass ich Pokalsieger und Deutscher Meister bin und in der Champions League gespielt habe. Da fehlt ihm noch ein bisschen was", sagt Harry Koch und lacht.