Der zweite Teil unserer Vorschau auf die Restrückrunde in der Kreisliga Bamberg nimmt das Tabellenmittelfeld in den Fokus, das sich in dieser Spielzeit eng zusammengerückt präsentiert. Für Schlagzeilen in der Winterpause sorgten besonders die Vereine aus Kemmern uns Sassanfahrt.

SC Kemmern (10. Platz / 26 Punkte)

Der Aufsteiger legte den wohl größten Transfercoup des Winters hin: SCK-Eigengewächs Nicolas Görtler vom Bayernligisten FC Eintracht Bamberg wird den SC bis mindestens zum Ende der nächsten Spielzeit verstärken. Was für viele überraschend kam, entpuppte sich als die Vollendung eines Plans, der bereits in der Winterpause der vergangenen Saison seinen Ursprung hatte. "Wir haben damals die Gespräche mit ihm aufgenommen. Nicolas teilte uns aber mit, es zunächst noch einmal höherklassig versuchen zu wollen. Ein Jahr später hat dann die Situation auch für ihn gepasst", berichtet SC-Spielleiter Markus Plaha. Hohe Erwartungen habe man in Kemmern vom Star-Transfer aber zunächst nicht, schließlich müsse er sich nun auf eine neue Liga einstellen, in der er viel Aufmerksamkeit der Gegenspieler auf sich ziehen werde. "Wir setzen auf seine Erfahrung, mit der er besonders für unsere jungen Spieler hilfreich sein wird." Mit Rückkehrer Dominik Endres soll zunächst der Klassenerhalt schnellstmöglich sichergestellt werden. Ambitionen für die kommende Spielzeit, in der Trainer Alexander Stretz auch weiterhin die Geschicke leiten wird, wollte man an dieser Stelle noch nicht formulieren.

SC Reichmannsdorf (9. Platz / 26 Punkte)

Der SC stand zu Saisonbeginn vor der großen Herausforderung, aus einer nahezu komplett neuen Mannschaft eine funktionierende Einheit zu formen. "Es ist uns gelungen, zu einem Team zusammenzuwachsen. Wir haben auch fußballerisch wie taktisch einen erheblichen Schritt nach vorn gemacht", bewertet Co-Trainer Sven Wenzel den zurückliegenden Prozess im Gespräch mit unserem Partnerportal anpfiff.info positiv. Ausruhen dürfe sich Reichmannsdorf auf der Punkteausbeute allerdings nicht. Dafür könne man die Entwicklungen in einer derart ausgeglichenen Liga unmöglich vorhersagen. "Wir sind gut beraten, den Blick nach unten nicht außer Acht zu lassen." Der Fokus müsse nun darauf liegen, den Aufwand mit mehr Zählern zu belohnen. Dabei unterstützen werden neben einigen Rückkehrern aus dem Verletztenstand auch die Neuverpflichtungen Ron Latteier vom TSV Burgebrach und Fabian Hertrich vom TSV Wolfstein. Wenzel wird auch im kommenden Jahr dem Trainergespann in der Assistentenrolle angehören, dann mit Thomas Schmidt - noch Trainer beim Bezirksligisten aus Merkendorf - in leitender Funktion.

FSV Unterleiterbach (8. Platz / 29 Punkte)

Für FSV-Abteilungsleiter Gerald Eberlein steht die Spielzeit ganz im Zeichen der verpassten Chancen. So hatte der Absteiger im Laufe der Saison des Öfteren die Möglichkeit, den Anschluss zu den oberen Gefilden herzustellen, ließ ein ums andere Mal aber wertvolle Punkte liegen. "Unser Verletzungspech zu Beginn der Runde hat sein Übriges getan. Mit etwas mehr Glück könnten wir jetzt in Schlagdistanz zu den Aufstiegsrängen sein", so Eberlein. Abgeschrieben hat er die Saison allerdings nicht, mit einem guten Endspurt soll noch ein Platz unter den ersten Fünf anvisiert werden. Das wäre auch ein ordentlicher Abschied für den scheidenden Trainer Tobias Eichhorn, der sein Amt nach dreijähriger Tätigkeit niederlegen wird. Sein Nachfolger wird mit Rudolf Hagen ein alter Bekannter in Unterleiterbach, der in der Vergangenheit die Damen des FSV bis in die Bezirksliga führte. Trotzdem steht dem FSV zur kommenden Saison wohl ein größerer Umbruch im Kader bevor.

ASV Sassanfahrt (7. Platz / 29 Punkte)

Der überraschend plötzliche Abgang von Spielertrainer Marcel Burkard zum Landesligisten VfL Frohnlach war das bestimmende Thema in der Winterpause beim ASV. Die Absprachen mit dem eigentlich erst zum Ende der Spielzeit scheidenden Coach seien andere gewesen, wie der ehemalige Abteilungsleiter Christopher Dull bestätigte. "Marcel kam kurzfristig auf den Vorstand zu und teilte uns seine Entscheidung mit. Wir wussten zunächst nicht, wie wir darauf reagieren sollten." Der ASV ließ Burkard ziehen, auch weil man in Uwe Nagel schnell einen hochwertigen Ersatz gefunden hat, der die verbleibenden elf Partien für Sassanfahrt interimsweise an der Seitenlinie stehen wird. Im Sommer übernimmt dann der derzeitige Spielertrainer des FC Wacker Bamberg II, Michael Richter. Für den Tabellensiebten muss es nun laut Dull darum gehen, nach hinten hin schnellstmöglich abzusichern und eine den eigenen Ansprüchen nicht gerecht werdende Saison möglichst positiv abzuschließen.

SV Zapfendorf (6. Platz / 29 Punkte)

Kaum ein anderes Team war so vom Verletzungspech verfolgt wie der SV, besonders die Torhüterposition traf es hart: Das 1:0 beim damaligen Tabellenführer Stegaurach mit Mittelfeldspieler Oliver Heinecke im Tor hat mittlerweile Kultstatus in der Kreisliga erreicht. "Wir haben alles, was laufen konnte, aufs Spielfeld geschickt", sagte Coach Manfred Distler. "Angesichts unserer Personalnotstandslage können wir mit dem Erreichten bisher hochzufrieden sein." Mit einer verletzungsfreien Hinserie wäre jedoch weitaus mehr möglich gewesen, ein Platz unter den Top 3 und der damit verbundene Eingriff ins Aufstiegsrennen. "Schließlich war es das Ziel, uns im Vergleich zur Vorsaison zu verbessern." Nun soll zumindest der sechste Platz verteidigt werden, auch wenn Distler nur mit wenigen Rückkehrern aus dem Lazarett rechnen darf. Wer den SV ab 2020/21 als Trainer anführt, ist derzeit noch unklar. Distler zieht es nach Ende der Spielzeit zurück zu "seinen Wurzeln" nach Stappenbach.

SV Ober-Unterharnsbach (5. Platz / 30 Punkte)

Auf eine bisher gelungene Serie kann Trainer Ercan Esen zurückblicken. Die zehn Punkte, die seine Mannschaft mittlerweile vom Abstiegs-Relegationsplatz trennen, geben ihm jedoch keinen Anlass dazu, den Ligaverbleib als gesichert anzusehen: "Der Klassenerhalt genießt weiterhin oberste Priorität, die 40 Punkte müssen erst erreicht werden." Der momentane Tabellenplatz spiegele in seinen Augen aber das Potenzial seines Teams wider. In der finalen Phase hat er noch konkrete Erwartungen an seine Spieler: "Insgesamt möchten wir disziplinierter auftreten und als Mannschaft noch enger zusammenrücken." Das Ziel sei es, das Erarbeitete als Standard etablieren zu können. Ob diese Entwicklung auch in der kommenden Runde seine Fortsetzung findet, wird Esen auch weiterhin als Coach verfolgen können: Im Oktober einigten sich ein zufriedener Verein und Trainer auf eine Weiterarbeit.

TSV Hirschaid (4. Platz / 31 Punkte)

"Platz 4 ist ein tolles Ergebnis, wir alle sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf", zieht ein glücklicher TSV-Coach Daniel Schäffler eine Zwischenbilanz. Ganz ohne Makel sei die Saison aber nicht verlaufen, es habe in einigen Partien seinen Spielern die Cleverness gefehlt, die zu mehr Zählern und den damit verbundenen Anschluss an die Aufstiegsränge geführt hätte. Ein entscheidender Grund ist für Schäffler schnell ausgemacht: "Wir sind ein junges Team und müssen in vielen Situationen erst noch unsere Erfahrungen machen." Für die Restspielzeit geht der Blick dennoch weiter nach oben, der dritte Platz ist das erklärte Ziel. "Da oben gehören wir auch hin. Es ist schließlich unser Anspruch, mittelfristig wieder in der Bezirksliga zu spielen." Dieses Vorhaben wird Hirschaids Trainer auch in der nächsten Saison mit einer beinahe unveränderten und um ein Jahr erfahreneren Mannschaft angehen.